Kreditprogramm schreitet voran

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres in Kuba am 2. September kehrt nach der Sommerpause auch langsam das politische Leben zurück. Am 31. August machte der Vizepräsident der kubanischen Zentralbank, Francisco Mayobre, gegenüber der Granma neue Angaben zum seit 2011 bestehenden Kreditprogramm der Insel. Seit dem wurden auf diesem Wege 271.152 Kredite im Gesamtwert von 1,5 Billionen CUP (ca. 60 Millionen US$) genehmigt. Ende des Jahres 2011 führte die kubanische Regierung private Kleinkredite für die Renovation und den Neubau von Häusern ein, wobei bei der Vergabe ärmere Leute sowie von Naturkatastrophen betroffene Menschen bevorzugt werden.

Doch wie hat sich die Situation davor entwickelt? Anfang 2012 wurde die Möglichkeit von 33.000 Kubanern genutzt, zum Sommer des Jahres haben 47.000 Kubaner diese Möglichkeit in Anspruch genommen, damals wurde auch die maximal mögliche Kreditsumme von 3.200 auf 3.400 US$ erhöht. Im Jahr gesamten 2012 wurden es 85.000 Kreditnehmer die insgesamt Kredite im Wert von 24 Millionen US$ erhielten (damals kamen 91 Prozent dem Erwerb von Baumaterialien zu Gute). Auf der Parlamentssitzung im Juli dieses Jahres wurde noch angegeben, dass bisher über 145.000 Kredite im Wert von 36 Millionen US$ ausgegeben wurden.

Im Lauf der Zeit wurde das Programm dabei immer weiter ausgedehnt und der Genehmigungsprozess vereinfacht, so konnten Immobilien als Bürge für die Kreditwürdigkeit herangezogen werden und auch der nicht-staatliche Sektor profitiert heute stärker als früher von den Krediten.

Kreditkprogramm in Kuba

Gesamtsumme der bisher ausgegebenen Kredite zum jeweiligen Stichtag.

Wenn man die historische Entwicklung der Kreditausgabe betrachtet, so bemerkt man wie das Programm an Schwung zugenommen hat. Allein von Januar bis August 2013 wurden Kredite im Wert von 36 Millionen US$ ausgegeben, mehr als die 24 Millionen US$ die im gesamten Jahr 2012 bereitgestellt wurden. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass die Zahlen die für das Frühjahr 2013 angegeben wurden nicht klar einzuordnen sind, es handelt sich um die bei der Parlamentssitzung im Juli genannten. Einen so schnellen Anstieg binnen weniger Wochen kann wohl ausgeschlossen werden, deshalb scheinen die Angaben von einem etwas Zeitpunkt als Juli 2013 zu stammen, sind jedoch rein logisch definitiv nach Dezember 2012 erfasst worden. Aus diesem Grund habe ich sie als „Frühjahr 2013“ mit Fragezeichen in die Grafik mit aufgenommen.

Die durchschnittliche Summe pro Kredit sank dabei im lauf der Zeit stetig von 282 US$ im Jahr 2012 auf 221 US$ im August 2013. Der rasche Anstieg kann daher nicht mit größeren Kreditsummen erklärt werden, die z.B. den neuen Kooperativen zu Verfügung stünden. Wahrscheinlicher ist eher, dass sich hier die staatliche Hilfe für die Opfer des Hurrikans Sandy im Herbst vergangenen Jahres ablesen lässt. Von diesen nicht-staatlichen Wirtschaftseinheiten profitierten bis heute 91 ebenfalls vom Kreditprogramm. Auch die Möglichkeit für Staatsunternehmen, Aufträge an selbstständig Beschäftigte und Kooperativen zu vergeben, könnte die Ausdehnung der Kredite stimulieren. In den kommenden Monaten können Staatsunternehmen Garantien für selbständig Beschäftigte geben, ebenso wie Kooperativen für ihre Mitglieder.

Dies bedeutet de facto eine Ausweitung des Programms auf die verschiedensten nicht-staatlichen Wirtschaftssubjekte und ihre Austauschbeziehungen mit dem Staat. Hierdurch wird die Akkumulation von Kapital und die effizientere Allokation von Ressourcen erleichtert, da die wirtschaftlichen Akteure freier in der Handhabung ihrer Arbeitsmittel sind. Alles deutet derzeitauf eine rasche Weiterentwicklung des Kreditprogramms hin, das für die Rekapitalisierung der kubansichen Binnenwirtschaft unbedingt erforderlich ist.