Die Freilassung der „Miami Five“ – Reaktionen aus Kuba

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Kubanische Studenten feiern die Rückkehr aller „Miami Five“ (Quelle: ACN)

Die Freilassung der restlichen drei kubanischen Geheimdienstagenten, die seit 1998 in den USA inhaftiert waren, löste einen wahren Sturm in Kubas Medienlandschaft aus. „Wie von Fidel im Juni 2001 versprochen, als er sagte: Sie werden zurückkehren!, sind heute Gerardo, Ramón und Antonio in unserer Heimat eingetroffen“, sagte Präsident Raúl Castro am Mittwoch in seiner Rede an die Nation.

Kurze Zeit später waren in den sozialen Netzwerken erste Bilder zu sehen, wie Kubaner die Meldung aufnahmen. Viele saßen gespannt vor den Bildschirmen, als Raúl Castro um genau 12 Uhr Mittags zeitgleich mit Barack Obama seinem Volk die Rückkehr der drei Gefangenen und die Erneuerung der Beziehungen mit den USA verkündete. Während Castro sprach, läuteten die Kirchenglocken und pausierten Schulen in ganz Kuba ihren Unterricht. Die Abgeordneten des kubanischen Parlaments, welches derzeit in Havanna tagt, unterbrachen spontan die Sitzung.

Studenten zahlreicher kubanischer Universitäten veröffentlichten Bilder, auf denen sie mit Plakaten ihre Freude zum Ausdruck brachten. Der Hashtag „#volvieron“ – sie sind zurückgekommen – geistert derzeit durch das kubanische Internet. Die BBC hat in einer eigenen Analyse die beliebtesten kubanischen Hashtags auf Twitter dargestellt:

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Kubanische Tweets nach der Freilassung der „Miami Five“ (Quelle: BBC)

Das kubanische Nachrichtenportal „Cubadebate“ zählte bereits innerhalb weniger Stunden über hundert Kommentare unter der Rede des kubanischen Präsidenten. Zahlreiche Kommentatoren begrüßten die Freilassung der drei Kubaner ebenso wie den diplomatischen Neuanfang. Die Nachrichten scheinen große Hoffnungen bei den Kubanern hervorgerufen zu haben, die Reaktionen waren in der Mehrzahl freudig bis überschwänglich. „In allen kubanischen Haushalten knallen die Korken, das ist etwas das wir feiern müssen“ zitiert die BBC einen Tweet. „Wie ich Lust habe zu schreien, auf die Straße zu gehen und alle zu umarmen“, schrieb ein anderer Nutzer.

Das Thema der „Miami Five“ hat damit ein lang erkämpftes Happy-End gefunden. Alle Fünf sind heute wieder bei ihren Familien. Damit ist eine der größten Kampagnen der kubanischen Revolution in den letzten Dekaden gegangen. Kuba muss auf die neue Situation reagieren und die neuen Möglichkeiten im Verhältnis mit den USA gestalten lernen. Doch zunächst einmal wird die Freude überwiegen. Es wird noch dauern, bis allen Kubanern die volle Tragweite des 17. Dezembers bewusst wird. Die omnipräsenten Schilder, auf denen heute steht: „¡volverán!“ – sie werden zurückommen! – bestätigen auf den Fassaden und Plätzen des Landes tausendfach ihre Richtigkeit. Doch zugleich spricht aus ihnen die Frage: Was kommt nach mir?

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4 Gedanken zu „Die Freilassung der „Miami Five“ – Reaktionen aus Kuba

  1. Gebt allen Kubanern den Originaltext der Obamarede zu lesen. Das würde helfen Illusionen hintanzustellen. Ich hoffe dass die Kubanerinnen und Kubaner mit der nötigen Vorsicht ihre Zukunft planen und nicht einem Wunschdenken aufsitzen. Ich mag sie diese Kubaner deshalb.

    • Der Originaltext von Obamas Rede erschien am Folgetag neben der Rede Raúl Castros in der Granma. Ob sie auch im Fernsehen übertragen wurde, weiß ich nicht genau, aber ich gehe mal schwer davon aus.

  2. Also, Gott sei Dank, wurden die Fünf nicht schon 1997 inhaftiert, sondern erst am 12. September 1998, wie viele von uns wissen. Über 16 Jahre unrechtmäßige Haft und mehrmalige Isolationshaft während dessen sind auch schon zu viel.
    Außerdem ist nach wie vor festzuhalten, dass den Fünfen keine „Spionage“ im Sinne des U.S.-Gesetzes, wonach sie sich in den Besitz von Militärgeheimnissen gebracht hätten, nachgewiesen werden konnten sowie auch erst recht nicht, am Abschuss der Kleinflugzeuge am 24. Februar 1996 beteiligt gewesen zu sein.
    Im Übrigen möchte ich Leuten wie „Hipo“ mehr Respekt vor der bisherigen Leistung Kubas empfehlen und mehr auf die Bildung des kubanischen Volkes zu achten, die in all den Jahren gelernt haben, was vom mächtigen Nachbarn zu erwarten ist und was nicht.
    Allen voran die jetzt freigelassenen „Cuban Five“, die mit dafür sorgen können, dass man sich in Kuba keinen Illusionen hingibt. Sie sind das beste Beispiel für ihr Volk.

    • Vollkommen richtig, es muss natürlich 1998 heißen und nicht 1997. Der Artikel wurde korrigiert. Auch die Kritik an der Bezeichnung „Spion“ kann man durchaus teilen.

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