Kubaner bekommen erstmals symbolische Arztrechnungen

Kubas Gesundheitssystem bleibt weiterhin kostenlos, allerdings erfahren Patienten jetzt, wie viel der Staat für ihre Behandlung aufwendet (Quelle: BBC)

Im Rahmen einer neuen Kampagne erhalten Patienten in den Krankenhäusern der kubanischen Hauptstadt Havanna erstmals symbolische Rechnungen für die in Anspruch genommenen medizinischen Dienstleistungen. Dies soll das Bewusstsein für den Wert der Leistungen schärfen, die auf Kuba für alle unentgeltlich sind. Am kostenlosen und universellen Charakter des Gesundheitssystems soll sich indes auch in Zukunft nichts ändern.

Wie das kubanische Fernsehen berichtet, hat die neue Kampagne unter dem Motto: „Deine Gesundheit ist gratis, aber sie kostet“ bereits in einigen Einrichtungen Havannas begonnen. „Das ist eine sehr effektive Methode, damit die Leute lernen, was wir haben wert zuschätzen und darauf aufzupassen“, sagte ein Krankenhauspatient nach Erhalt seiner „symbolischen Rechnung“ in Havanna gegenüber dem TV-Reporter.

„Das hilft auch unseren Institutionen, besser einzuschätzen was wir investieren und verpflichtet uns stärker auf die Kosten zu schauen, etwas dem schon lange keine adäquate Beachtung mehr geschenkt wird“, kommentierte der Arzt Miguel Angel Martínez die Maßnahme. „Es ist nicht beabsichtigt, dass für die Gesundheitsdienstleistungen Geld verlangt wird. Das wurde weder vom Ministerium noch von der Regierung jemals in Erwägung gezogen“, beteuerte indes Miosotis Moreno, wirtschaftliche Direktorin des Gesundheitsministeriums (MINSAP).

Einige Preise für medizinische Leistungen (CUP) wurden bereits 2012 in Kubas Zeitungen veröffentlicht (Quelle: resumenlatinoamericano.org)

Bereits im Jahr 2012 startete Kubas Regierung eine Kampagne mit dem selben Motto, damals wurden Preise für einzelne medizinische Eingriffe in der staatlichen Tageszeitung „Granma“ veröffentlicht. Ein Gespräch mit einem Arzt kostet den Staat beispielsweise 37 Pesos (ca. 1,50 €), eine Röntgenuntersuchung kostet 100 Pesos (ca. 4 €) während ein Krankenhaustag im Therapiesaal mit umgerechnet etwa 30 € zu Buche schlägt. Mit den symbolischen Rechnungen soll vor allem ein Bewusstsein für das Ausmaß der staatlichen unentgeltlichen staatlichen Dienstleistungen geschaffen werden. Kuba gibt jedes Jahr rund 20 Prozent des Staatshaushalts für sein Gesundheitswesen aus.

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4 Gedanken zu „Kubaner bekommen erstmals symbolische Arztrechnungen

  1. Gute Idee, denn was nichts kostet, wird nicht wertgeschätzt. Deutsche Ärzte fordern dies schon lange und hätten nichts gegen die Begleichung der Rechnung durch die Patienten. Gleichzeitig können die Cubanos lernen, was das bedeutet, wenn sich die Freunde des Regimechange auf Kuba durchsetzen, denn dann ist Schluß mit kostenloser Gesundheit und Bildung.

    • Was heißt schon Regimechange! So hochtrabend ist das gar nicht gedacht! Es geht allein um Beteiligung und Repräsentation der verschiedenen politischen Strömungen, die in unterdrückter Form ja bereits existieren. Es geht allein darum, dass es überhaupt die Chance gibt, andere Einflüsse, die abseits irgendwelcher Ismen gedacht sind, zuzulassen. In diesem Sinne sehe ich mich eher als „Freund der Freiheit“, der den Kubanern ergebnisoffen Demokratie wünscht. Es geht langfristig darum, eine streitbare, lösungsorientierte Gesellschaft aus dem Herzen Kubas zu entwickeln und ein politisches Bewusstsein mit offener konstruktiver Streitkultur zu etablieren. Eine offene Gesellschaft ohne Dogmen und ohne, dass eine politische Partei durch Festschreibung ihre Macht auf ewig zementieren kann und für sich in Anspruch nehmen kann, den Stein der Weisen gefunden zu haben, kann gesellschaftliche Pröbleme deutlich besser lösen.
      Im Übrigen stimmt es nicht, dass es anderswo keine kostenlose medizinische Grundversorgung gäbe, und dass es in Kuba vorbei wäre wenn das Machtmonopol abgegeben werden würde. Niemand hindert Kuba daran, weiterhin zu subventionieren und die Bürger kostenlos und steuerfinanziert zu versichern. Das mach Großbritannien auch so! Ich bin sehr wohl für einen sozialen Staat, und zwar nicht nur in Kuba. Ich habe keine Angst davor, darum in einer offenen Gesellschaft werben zu müssen, weil ich nicht das Recht habe, andere Menschen zu „meinem Glück“ und meinen Ideen zu zwingen. Und ich stehe für Pluralismus, weil jeder noch so vermeintlich geniale Führer auch ein Korrektiv benötigt, um in Frage gestellt werden zu können.

      Die Transparenz, die sich aus dem Stellen von Proformarechnungen für medizinische Leistungen ergibt, wäre auch in Deutschland einem besseren Verständnis und der Fairness zuträglich.
      Für Kuba hoffe ich, dass dadurch vielleicht die hohe Anzahl an Abtreibungen bei sehr jungen Mädchen zurück geht. Der lachse Umgang mit Verhütungsmitteln ist leider weit verbreitet. Nicht selten werden Kondome lieber zu Kindergeburtstagen aufgeblasen, anstatt sie dem eigentlichen Zweck zuzuführen oder es wird generell fahrlässig darauf verzichtet, weil Abtreibung vermeintlich nix kostet und der Eingriff „schnell“ geht.

  2. Arztrechnungen gibt es schon lange, nur eben nicht in Papierform. Hausbesuche gibt es ab $ 10 und mehr, je nach Aufwand, und gleich drankommen auch ab $ 10. Die Patienten muessen es alleine ins Krankenhaus schaffen. Essen und Bettwaesche schafft die Verwandtschaft an…. Das ist aber noch vorsichtig untertrieben.

  3. Das ist überall so in Lateinamerika. In anderen lateinamerikanischen Ländern müssen sich die
    Patienten im Krankenhaus sogar um das Essen selbst kümmern. Und natürlich ist die Behandlung nicht kostenfrei. Verglichen mit anderen lateinamerikanischen Ländern hat Kuba immer noch das beste Gesundheitssystem. Die Säuglingssterblichkeit ist sogar niedriger als in den USA. Gerade haben Studenten aus den USA ihr Medizinstudium auf Kuba beendet

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