Universität von Havanna richtet Lehrstuhl zum Studium der Ideen Fidel Castros ein

Die Universität von Havanna (UH) wurde 1728 gegründet und gilt im Berich der Geistes- und Sozialwissenschaften als bedeutendste Universität des Landes (Quelle: Commons)

Die Universität von Havanna, Kubas älteste und anerkannteste Hochschule, kündigte vergangene Woche die Eröffnung eines neuen Lehrstuhls an, der sich dem „Studium des Denkens Fidel Castros“ widmen soll. Rund ein halbes Jahr nach dem Tod des langjährigen Staatschefs und Revolutionsführers, soll dessen ideologisches Erbe mit diesem Schritt erstmals systematisch erfasst und erforscht werden.

Die eremitierte Historikerin Francisca López soll den Lehrstuhl besetzen (Quelle: Cubadiario)

Die Ehrenprofessur („Cátedra Honorífica“) soll dabei von der emeritierten Historikerin Francisca López übernommen werden, die sich bereits mit dem Studium des Werks von José Martí als Leiterin der Cátedra Martí einen Namen gemacht hat.

Bei der Veranstaltung zur Verkündigung der Gründung des Lehrstuhls waren neben dem Rektor der Universität von Havanna auch der Leiter des ICAP und „Held der Republik“ Fernando González anwesend, der im Rahmen einer von Fidel Castro initiierten Kampagne vor wenigen Jahren aus der Haft in den USA entlassen wurde.

Kubaner überweisen jedes Jahr rund 59 Millionen US-Dollar ins Ausland

Geldüberweisungen treffen nicht nur auf Kuba ein, sondern gehen auch von Kuba ins Ausland (Quelle: Cubanet.org)

Viel ist darüber berichtet worden, wie viel Geld Jahr für Jahr in Form von privaten Überweisungen aus dem Ausland nach Kuba fließt. Allein 2015 wurde mit 3,3 Milliarden US-Dollar ein neuer Rekord erreicht, der Großteil der Mittel kam von Verwandten aus den USA. Im selben Jahr überwiesen die Kubaner jedoch auch 59 Millionen US-Dollar ins Ausland. Wohin geht das Geld?

Obwohl Kuba angesichts dieser Zahlen – wie viele der Nachbarinseln im übrigen auch –ganz klar zu den Nettoempfängern bei Auslandsüberweisungen zählt, gibt es auch regelmäßige Überweisungen von Kubanern an Bürger anderer Länder. Im Jahr 2014 wurde mit 61 Millionen US-Dollar in dieser Hinsicht ein neuer Rekord erreicht.

Wohin geht das Geld der kubanischen Familien? Mit Hilfe aktueller Zahlen der Weltbank, lässt sich diese Frage beantworten. Kuba gehört zusammen mit Turkmenistan, Usbekistan und Simbabwe zur Gruppe der Länder, die der Weltbank keine Zahlen zum Erhalt von Auslandsüberweisungen liefern. Die Angabe der 3,3 Mrd. US-Dollar, die jedes Jahr nach Kuba fließen, ist daher eine Schätzung des US-amerikanischen Think tanks „The Havana Consulting Group“.

Überweisungen von Kuba aus ins Ausland sind jedoch gut dokumentiert. Den Löwenanteil macht dabei Spanien aus, dem Heimatland vieler Kubaner. 2015 flossen 40,9 Millionen US-Dollar von der ehemaligen Kolonie zurück ins Königreich, rund 69 Prozent aller Auslandsüberweisungen. Weit abgeschlagen auf Platz 2 findet sich Frankreich, wo der Empfang von insgesamt 1,81 Mio. US-Dollar aus Kuba gemeldet wurde. Nach Frankreich folgt die Volksrepublik China. 2015 überwiesen die Kubaner 1,79 Mio. US-Dollar ins Reich der Mitte.

Erst dann erscheint Russland auf der Liste mit 1,3 Mio. US-Dollar. Aufgrund der engen Kooperation während des Kalten Krieges existieren noch immer zahlreiche familiäre Bande zwischen beiden Ländern. Der überraschende fünfte Platz: Deutschland. Wie viel genau Kubaner von Deutschland nach Kuba überweisen ist nicht bekannt. Wie viel genau Kubaner von Deutschland nach Kuba überweisen ist nicht bekannt und viele Dienstleister für Auslandsüberweisungen bieten diesen Service wegen des US-Embargos auch noch nicht an. Sicher ist jedoch, dass 2015 knapp 1,3 Mio. US-Dollar von Kuba aus nach Deutschland überwiesen wurden.

Nach Deutschland folgen die USA mit 1,24 Mio. US-Dollar. Als weitere Ziele kubanischer Auslandsüberweisungen nannte die Weltbank Haiti, Tschechien, Italien, Mexiko, die Ukraine und Jamaica. Außer im Falle Haitis handelt es sich dabei jedoch um Beträge von unter einer Millionen US-Dollar pro Jahr. Wie die Überweisungen nach Kuba, weisen auch die Geldsendungen von Kuba aus eine steigende Tendenz auf. Von 46,1 Mio. US-Dollar im Jahr 2010 pendelte sich die Summe in den letzten Jahren bei rund 60 Mio. US-Dollar ein. Ursprung der Auslandsüberweisungen dürften vor allem wohlhabende private Gewerbetreibende sein, die ihre Verwandtschaft in krisengebeutelten Ländern unterstützen.

Bis Ende des Jahres soll Havanna über 100 WiFi-Hotspots verfügen

Bereits heute nutzen täglich hunderttausende Kubaner das Internet (Quelle: Esentialexperiences)

Wie eine Mitarbeiterin der staatlichen Telefongesellschaft ETECSA gegenüber kubanischen Medien bekannt gab, soll die Hauptstadt Havanna bis zum Ende des laufenden Jahres über insgesamt 100 WiFi-Hotspots verfügen. Es ist geplant, unter anderem die Uferpromenade „Malecón“ über mehrere Kilometer Länge mit drahtlosem Internet zu versorgen.

Seit der Eröffnung der ersten 22 WiFi-Hotspots im Sommer 2015 hat sich beim Internetausbau auf Kuba viel getan. Die Preise wurden von damals über 4 CUC auf heute 1,50 CUC pro Stunde reduziert, mittlerweile zählt die Telefongesellschaft landesweit 327 WiFi-Hotspots, davon allein 41 in Havanna womit alle Stadtteile der Hauptstadt über mindestens einen Zugangspunkt verfügen.

Mit dem angekündigten Ausbau wird sich die Anzahl der öffentlich nutzbaren Internethotspots in der Hauptstadt innerhalb weniger Monate mehr als verdoppeln.

ETECSA reduziert Preise für Mobilfunk, 38.000 private Internetanschlüsse für 2017 geplant

Mit dem „Plan Amigos“ reduzieren sich die Preise für eine Gesprächsminute für ausgewählte Nummern (Quelle: Cubadebate)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA hat ein neues Preismodell für Mobilfunkkunden eingeführt, welches die Preise für Anrufe von 0,35 auf 0,20 CUC pro Minute reduziert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, in den kommenden Monaten 38.000 neue Internetanschlüsse in Privathaushalten legen zu wollen, die Preise starten bei monatlich 15 CUC. Auch das mobile Datennetz mit 3G-Geschwindigkeit soll dieses Jahr weiter ausgebaut werden.

Mit dem „Plan Amigos“ sollen ETECSA-Kunden für Handytelefonate bis zu 40 Prozent sparen können. Im Rahmen des neuen Dienstes können Nutzer bis zu drei Nummern (mobil oder Festnetz) eintragen, für die dann lediglich 0,20 CUC pro Minute fällig werden. Zwischen 23 und 6 Uhr Morgens gilt wie bisher für alle der Nachttarif von 0,10 CUC pro Minute. Verwaltet werden kann das neue Angebot über das Handy, indem über die Wahlkombination *133# das entsprechende Menü geöffnet wird, der aktuelle Status lässt sich mittels *222*264# überprüfen. Die Aktivierung des Dienstes kostet einmalig 1 CUC, danach werden monatlich 0,50 CUC fällig. Der „Plan Amigos“ lohnt sich bereits für alle, die mehr als 4 Minuten pro Monat mit einer bestimmten Nummer telefonieren.

Preise und Geschwindigkeit für private Internetanschlüsse. Rechte Spalte: nach geplanter Preissenkung in diesem Jahr (Quelle: Cubadebate)

Nachdem die Pilotphase für private Internetnanschlüsse in Havanna vor wenigen Wochen zu Ende ging, soll das Angebot in diesem Jahr weiter ausgedehnt werden. Nach internen Umfragen waren 94 Prozent der zufällig ausgewählten Teilnehmer mit dem Dienst zufrieden. In diesem Jahr plant ETECSA, bis zu 38.000 private Internetleitungen zu aktivieren. Die Installation (inklusive Router) kostet einmalig 29 CUC, danach stehen verschiedene Tarife zur Auswahl, die ab 15 CUC pro Monat für ein Kontingent von 30 Stunden beginnen.

Für das günstigste Paket (15 CUC und 30 Stunden) bekommt der Nutzer derzeit lediglich eine DSL-Verbindung mit 128 Kbit Downstream. Im Laufe des Jahres sollen diese Verträge jedoch bei gleichem Preis auf 256 Kbit-Leitungen aufgerüstet werden. Die Kosten für die anderen Tarife werden entsprechend angepasst. Die schnellste Verbindung (2 Mbit), wird dann statt bisher 115 nur noch 70 CUC pro Monat kosten. An den maximal 30 Stunden Internetzeit pro Monat soll sich jedoch erstmal nichts ändern.

Auch das kubanische Handynetz soll weiter ausgebaut werden. UMTS-Abdeckung (3G), also eine schnelle mobile Datenverbindung, existiert derzeit nur in Havanna und einigen Provinzhauptstädten. Im Rahmen eines „Nauta„-Accounts können Nutzer in Matanzas und Villa Clara seit kurzem ihre eMails auch mit 3G-Geschwindigkeit empfangen, Havanna soll in Kürze nachziehen. Kuba verfügt derzeit über 5,32 Mio. Telefonleitungen, davon sind rund 4 Millionen Mobilfunknummern. Landesweit stehen inzwischen 1058 Handymasten, davon sind  rund 20 Prozent 3G-fähig. Sie decken über 90 Prozent des Archipels mit GSM-Netz ab.

Karte mit Netzabdeckung für Mobildaten in Kuba. Dunkelgrün: 3G (Quelle: Cubadebate)

 

Kuba startet neuen Nachrichtensender in HD-Qualität

Logo des neuen TV-Senders „Canal Caribe“ (Quelle: Juventud Rebelde)

Vor genau einer Woche ging das Signal des kubanischen Fernsehsenders Canal Caribe zum ersten Mal „on air“. Mit dem neuen Nachrichtensender, der vor allem von jungen Journalisten produziert wird, will das kubanische Fernsehen den Stil seiner Berichterstattung modernisieren. Es ist der siebte TV-Sender der Insel und das erste Programm, welches exklusiv in HD-Qualität ausgestrahlt wird. Zum Empfang sind daher entsprechende Digitalreceiver Pflicht.

Canal Caribe wird seit vergangenem Dienstag in der Hauptstadt Havanna produziert, ist jedoch trotz des noch laufenden Testbetriebs bereits in den Provinzen Villa Clara, Matanzas und Sancti Spíritus zu empfangen. Canal Caribe sendet zwischen 8:30h Morgens und Mitternacht. Neben Nachrichten stehen auch je 25-Minüte Sport- und Kultursendungen auf dem Programm. Später sollen weitere Formate wie Diskussionsforen, Interviews, internationale Reportagen und Analysen folgen. Auch Wirtschaftsfragen sollen bei dem neuen Sender eine starke Rolle spielen.

Im Unterschied zu den bisherigen Nachrichtenformaten soll Canal Caribe neue Formen der Berichterstattung erproben, wozu auch mehr Liveberichte zählen. Junge Journalisten, die unter anderem bereits bei „Russia Today“ und „Telesur“ gelernt haben, sollen für einen frischen Moderationsstil sorgen. Kubas wichtigste Nachrichtensendung, der „Noticiero Estellar“, gilt vielen als verstaubt und dröge.

Zum Empfang des Senders ist ein Digitalreceiver notwendig. Seit 2014 stellt Kuba sein TV-System auf den digitalen Standard DTMB um, der bisher ausschließlich in China zum Einsatz kommt. Entsprechende Empfangsgeräte sind ab rund 30 CUC in den Läden erhältlich. Letzten November wurde mit dem „Gelect HD-WA17“ ein neuer kubanischer HD-Receiver vorgestellt, dessen Betriebssystem auf Android basiert und der in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurde. Der Verkauf soll in den kommenden Monaten beginnen.


Vorstellung des neuen Senders in den kubanischen TV-Nachrichten

Staat verpachtet Zeitungskioske an Privatverkäufer

Havannas Zeitungskioske sehen oftmals sehr mitgenommen aus. Sie sollen an private Verkäufer verpachtet und vom Staat renoviert werden (Quelle: Cubanet)

In Kubas Hauptstadt Havanna wurde offenbar jüngst im Rahmen eines Experiments damit begonnen, die staatlichen Zeitungsverkaufsstände (Kioscos) an private Betreiber zu verpachten. Zeitungsverkäufer wäre damit ein weiterer von rund 200 Berufen, den die Bürger der Insel „auf eigene Rechnung“ ausüben dürfen.

Yordanka Díaz, Direktorin der Postverwaltung von Havannas Stadtteil „Plaza de la Revolución“, sagte gegenüber dem Blog „14ymedio“: „Es ist notwendig einen dreitägigen Kurs zu machen, danach kann der Interessent sich an die nationale Steuerverwaltung (ONAT) wenden, um eine Lizenz zu beantragen.“ In ihrem Gebiet gebe es lediglich drei Zeitungskioske, die noch nicht verpachtet sind. Vor allem Rentner und Hausfrauen würden die Glegenheit nutzen, sich auf diesem Weg wieder ins Arbeitsleben zu integrieren.

„Vorher hat mir der Staat einen Lohn von 120 Pesos (ca 5 €) bezahlt, heute muss ich täglich 10 Pesos an Abgaben entrichten. Der Preis für eine Zeitung bleibt bei 0,20 Pesos pro Exemplar, so dass ich 300 Zeitungen täglich verkaufen müsste um drei Pesos zu verdienen, aber die Leute „helfen“ mir“, sagte eine der neuen privaten Verkäuferinnen in der Calle 26 gegenüber dem Medium. Üblicherweise wird in Havanna für eine Zeitung ein Peso bezahlt, während die Verkäufer ihre Zeitungen für 0,19 Pesos beim Staat beziehen und eigentlich für 0,20 Pesos verkaufen müssten.

„Es gibt Leute, die bezahlen 50 Centavos oder einen Peso. Und der Staat muss mir keinen Lohn mehr bezahlen, sondern verlangt von mir monatlich 300 Pesos. Sie verdienen, und auch ich verdiene heute mehr als früher… und alle sind zufrieden“, erklärte die Verkäuferin.

Im Rahmen des Experiments sollen sich private Verkäufer einen freien Stand in ihrer Nähe aussuchen können, den sie dann „auf eigene Rechnung“ betreiben. Der Staat will hierfür die Rahmenbedingungen verbessern und die oftmals sehr mitgenommenen Blechhütten wieder Instand setzen.

Schweres Zugunglück in Zentralkuba

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Mehr als 40 Verletzte Passagiere des beschädigten Schienenbusses werden zur Stunde in Sancti Spíritus behandelt (Quelle: Cubadebate)

Sechs Tote und mehr als 40 Verletzte ist die vorläufige Bilanz eines schweren Zugunglücks, das sich gestrigen Freitag in der kubanischen Provinz Sancti Spíritus ereignete. Um die Mittagszeit kollidierte dort ein Schienenbus mit einem bei der Zuckerrohrernte eingesetzten Zug.

Nach Angaben der kubanischen Medien fuhren beide Züge auf dem selben Gleis aufeinander zu, die Kollision fand um die Mittagszeit etwa fünf Kilomter außerhalb der zentralkubanischen Provinzhauptstadt Sancti Spíritus auf dem Weg nach Tuinucú statt.

„Durch den Aufprall wurde ich aus der Tür geschleudert und konnte sehen, wie das Zuckerrohr einige Meter in den Schienenbus eindrang“, berichtet ein überlebender gegenüber der Lokalzeitung „Escambray“.

Die Zuständigen Behörden der Provinzverwaltung trafen kurz nach der Kollision ein, um das Ausmaß der Situation festzustellen. Die verletzten Personen werden indes im nahegelegenen Universitätskrankenhaus „Camilo Cienfuegos“ behandelt. Das Zugunglück ist eines der schwersten der letzten Dekade. Im Jahr 2007 kamen zuletzt 28 Menschen bei einer Kollision eines Busses mit einem Zug in der östlichen Provinz Granma ums Leben.