Kubas Filmtheater in der Krise

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Das Cine Yara ist das populärste Kino in Kubas Hauptstadt Havanna (Quelle: Granma)

Havanna genoss lange Zeit internationales Ansehen für seine abwechslungsreiche Kinolandschaft. Von den 159 Kinos, über welche Kubas Hauptstadt einst verfügte, sind heute jedoch gerade einmal 13 übrig geblieben. Die steigende Nachfrage nach neuen Filmen wird auf der Insel heute meist über die wöchentlich zirkulierenden USB-Sticks gedeckt, während die Kinos zunehmend verwaisen. „Jeden Tag sehen wir mehr Kino, aber nicht im Kino“, schrieb jüngst die Tageszeitung „Granma„. Doch wie ist es um die Situation der kubanischen Filmtheater eigentlich bestellt?

Von der Blüte zum Verfall

Nach dem Sieg der Revolution übernahm das neu gegründete „Instituto Cubano del Arte e Industria Cinema­tográ­ficos (ICAIC)“ die Kinos des Landes. Mit Beginn der 1960er Jahre erlebte der kubanische Film eine neue Blüte. Produktionen wie „Der Tod eines Bürokraten“ (1966) oder „Erinnerungen an die Unterentwicklung“ (1968) begeisterten das Publikum. Über 250 neue Kinos wurden damals errichtet, vor allem in den bisher wenig entwickelten Provinzen Zentral- und Ostkubas. Staatliche Subventionen führten zu festen Preisen auf niedrigem Niveau, das Kino wurde auf einen Schlag für jedermann zugänglich.

In Folge der Sonderperiode konnten ab 1990 jedoch kaum mehr Reparaturen an den Kinos durchgeführt werden, die knappen Mittel wurden für den Erhalt der Sozialsysteme benötigt. So kam es, dass Gemeinden, die noch in den 1980er Jahren über drei oder vier Filmtheater verfügten, heute lediglich auf eine solche Einrichtung zurückgreifen können. Insgesamt gab es im Jahr 2013 in Kuba 265 Kinos für 35mm und 28 Kinos für 16mm sowie 408 Videosäle mit DVD-Playern. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 verfügte das Land noch über insgesamt 1.223 Filmtheater und 223 Videosäle. Die Sonderperiode hat zu einem Massensterben in der kubanischen Kinolandschaft geführt.

Kinonotstand in Havanna

Besonders schlimm traf es die einstige Kino-Hauptstadt Havanna. Von den einst 159 Filmtheatern blieben nach der Sonderperiode noch 13 übrig, wobei heute 8 von ihnen laut „Granma“ technische oder bauliche Mängel aufweisen. Der Rest wurde mittlerweile in Kulturzentren umgewandelt. Für Wartungsarbeiten erhalten die Kinos der Hauptstadt dieses Jahr ein Budget von insgesamt 313.100 Pesos, was etwa 12.500 US$ entspricht. „Das ist nicht viel, um ein Kino instandzuhalten“, sagte Danae Moros, Direktorin der Filmtheater von Havanna, gegenüber der Tageszeitung.

Aus diesem Grund wurden in Havanna auch Arbeiter aus dem Privatsektor unter Vertrag genommen, um die Kinos Alameda (Municipio Diez de Octubre), Continental (San Miguel del Padrón), City Hall (Cerro) und Cinecite (San Rafael) kostengünstig in Schuss zu halten. Außerdem wird seit letztem Jahr an der umfassenden Sanierung des Kinos „Payret“ (gegenüber dem Kapitol) gearbeitet. Da es sich um ein Gebäude von historischer Bausubstanz handelt, wurden allein für das Payret 732.000 US$ zu Verfügung gestellt. Bis Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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Derzeit wird das Cine Payret umfassend saniert (Quelle: Granma)

Die anderen Lichtspieltheater profitieren davon jedoch wenig. Durch die minimalen Mittelzuweisungen müssen sie oftmals mit unpassender Technik zurechtkommen. So verfügen viele nicht einmal mehr über einen funktionierenden 35mm-Projektor, sondern müssen auf DVD-Player und anderes Equipment aus dem Amateurbereich zurückgreifen. Seit der letzten Auflage des Festivals des Lateinamerikanischen Films, das größte Filmfestival des Landes welches jedes Jahr im Dezember in Havanna stattfindet, wurden jedoch immerhin die Kinos Chaplin und Yara mit digitalen Projektoren ausgestattet.

Hilfe aus dem Privatsektor unerwünscht

Doch auch in anderen Provinzen sieht die Lage für die Kinos mitunter düster aus. Bedingt durch die niedrigen Eintrittspreise (zwischen 2 und 5 Pesos pro Vorstellung) können die meisten Filmtheater kaum kostendeckend betrieben werden. Die zugewiesenen Budgets reichen daher nicht aus um teure Ersatzteile zu importieren, die in Folge des US-Embargos oftmals schwer erhältlich sind. Noch immer arbeiten in vielen kubanischen Kinos amerikanische Projektoren und Klimaanlagen aus den 1950er Jahren, die wenn überhaupt nur mit Mühe am laufen gehalten werden können.

Im November 2013 hat Kubas Regierung zahlreiche private 3D-Kinos geschlossen, die in den Monaten zuvor wie Pilze aus den Boden gesprossen waren, um die Lücken des staatlichen Angebots zu füllen. Sie operierten meist unter einer Lizenz als Café oder Restaurant, da gewerbliche Filmvorführungen für den Privatsektor nicht erlaubt sind. Die Schließungswelle löste einen Aufschrei der Empörung unter dem oftmals jungen Publikum aus, weshalb die Regierung kurze Zeit später eine Überprüfung dieser Politik ankündigte.

Seitdem wurde es jedoch still um das Thema. Noch immer bleiben private Lichtspieltheater in Kuba verboten, während das staatliche Angebot zusehends verkümmert. Moderne 3D-Projektoren sind derzeit nur in zwei kubanischen Kinos installiert, während die meisten Kubaner den Filmkonsum inzwischen weitgehend auf den Fernseher im heimischen Wohnzimmer verlagert haben. Für Kubas Filmtheater ist die Sonderperiode der 1990er Jahre noch immer nicht ausgestanden – und ein Ende dieser Situation ist derzeit nicht in Sicht.

Kuba und der Fußball

Wer dieser Tage durch Havanna spaziert, wird sich mancherorts wie in einer Diplomatenstadt vorkommen: Überall hängen bunte Flaggen aus aller Welt von den Balkonen, kleine Fähnchen zieren die Motorhaube von manchem Auto. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist auch an Kuba nicht spurlos vorübergezogen und die Spiele im nicht allzu weit entfernten Brasilien werden von vielen Kubanern mit Spannung verfolgt – und das, obwohl eigentlich Baseball der kubanische Nationalsport Nummer eins ist.

Kubanischer Fußball – eine lange Geschichte

Die Geburtsstunde des kubanischen Fußballs lässt sich bis auf das Jahr 1912 zurückdatieren, als die erste kubanische Fußballliga das Licht der Welt erblickte.
Erst am 16. März 1930 absolvierte jedoch eine kubanische Mannschaft ein Spiel auf internationaler Ebene und gewann aus dem Stand 3:1 gegen Jamaika, nur vier Tage später folgte das 7:1 gegen Honduras. Im Jahr 1938 war Kuba dann zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft qualifiziert – als Nachrückkandidat für andere Länder aus der Region, die nicht erschienen waren. Dennoch schlug sich die Mannschaft recht ordentlich bis ins Viertelfinale durch und landete so auf dem siebten Platz nach einem Spiel gegen Rumänien.

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Logo des kubanischen Fußballverbands ASOC (Quelle: Commons)

Die folgenden Dekaden stellen den Tiefpunkt des kubanischen Fußballs dar, die meisten internationalen Spiele haben die Kubaner verloren, und erst 1966 nahm das Land wieder an den WM-Qualifikationsrunden teil. Mit Trainern aus Ungarn und Nordkorea versuchte man damals, sich wieder schrittweise auf Weltniveau heranzuarbeiten. Im Jahr 1982 erfolgte dann der Durchbruch, als sich die kubanische Mannschaft bis in die letzte Qualifikationsrunde vorkämpfte. Nur zwei Punkte haben dem Land damals zur  WM-Teilnahme gefehlt. 1996, 1999 und 2005 erreichte Kuba jeweils den zweiten Platz in der Karibikmeisterschaft.

Bei der WM 2006 scheiterte das Team frühzeitig am späteren Teilnehmer Costa Rica. Obwohl die Spiele unentschieden ausgingen, konnte sich Costa Rica aufgrund der größeren Anzahl von Auswärtstoren für die zweite Runde durchsetzen. Ab Januar 2008 sollte der deutsche Reinhold Franz, ehemals Trainer von Eintracht Frankfurt, den Kubanern zur WM-Qualifikation verhelfen. Noch im Oktober des selben Jahres räumte er bereits seinen Posten, als sich zwei Spieler nach einer Partie in den USA abgesetzt hatten. 2010 und 2014 schied Kuba als Gruppenletzter in der dritten Qualifikationsrunde aus, die letzten Gruppengegner waren Panama, Kanada und Honduras. Mit dem 1:0 im Finale gegen Trinidad und Tobago gelang es den Kubanern 2012 immerhin, die Fußball-Karibikmeisterschaft erstmals für sich zu entscheiden.

Obwohl sich der kubanische Fußball in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert hat, reichen die bestehenden Anstrengungen noch nicht für internationale Erfolge aus. Kuba liegt in der Fifa-Weltrangliste derzeit auf Platz 95, zwischen Palästina und Georgien. Grund hierfür sind vor allem die geringe staatliche Förderung und die daraus resultierenden knappen Mittel, die einer Professionalisierung des Fußballs im Wege stehen. Kubanische Sportfunktionäre konzentrieren sich vor allem auf olympische Disziplinen und Baseball, bei dem Kuba regelmäßig die vordersten Weltranglistenplätze belegt.

Public Viewing im Kino

Dennoch beginnt sich die traditionelle Fokussierung auf den Baseball langsam zugunsten des Fußballs zu verschieben. Die junge Generation in Kuba ist heute vertraut mit internationalen Stars wie Messi und Ronaldo, durch den Tourismus hat das Land in den letzten Jahren viele kulturelle Impulse erfahren. Seit 1990 strahlt das kubanische Fernsehen alle Spiele der Fifa-WMs live aus, das erste „Public Viewing“ erlebte Kuba im Jahr 1998: Damals übertrug das Zentrum für Biotechnologie und Genetik in Havanna die Spiele im betriebseigenen Kino – während der Arbeitszeit.

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Public Viewing im Kino „Yara“, Havanna (Quelle: Havana Times)

Bei der vergangenen WM in Südafrika wurde mit der Idee begonnen, die Kinos des Landes während des Turniers in Public Viewing Arenen zu verwandeln. Auch in diesen Tagen treffen sich die fußballbegeisterten der Hauptstadt wieder im „Cine Yara“ und anderen Räumlichkeiten, um die Spiele auf der großen Leinwand in Echtzeit zu verfolgen. Da die kubanische Mannschaft nicht beteiligt ist, teilen sich die Fans auf verschiedene Länder auf. Zu den Favoriten zählen Brasilien, Argentinien und Deutschland, aber auch holländische und französische Fahnen sind in den Straßen Havannas zu sehen.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr das Turnier in jüngster Zeit, als sich sogar Fidel Castro in Bezug auf die WM zu Wort meldete. In einem Brief an seinen Freund Diego Maradona outete er sich als Fan der argentinischen Nationalmannschaft: „Nichts kann Maradona und Messi stürzen“, schreibt er an den ehemaligen Weltmeister, der seine Entzugskuren auf Kuba verbrachte. Inzwischen ist die Begeisterung für den Fußball in Kuba so groß wie nie zuvor, Touristen und Verwandte bringen Fahnen und Vuvuzuelas ins Land, private Bars und staatliche Kinos haben sich voll auf die WM eingestellt. Ob dies allerdings langfristig zu einem Trendwechsel reicht, der die kubanischen Sporttalente vom Baseball zum Fußball lockt? Es muss sich erst noch zeigen, ob die Insel das Zeug zum Aufsteiger für die kommenden Weltmeisterschaften hat. Das letzte Länderspiel gegen Indonesien, im März dieses Jahres, endete für die Kubaner immerhin 1:0.

Die Werte der Revolution

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Plenum zur Erneuerung der kubanischen Kultur auf dem Kongress der UNEAC (von links: Magda Resik, Direktorin von Habana Radio, Julián Gónzalez Toledo, Kulturminister des Landes und Miguel Díaz-Canel, kubanischer Vizepräsident. Quelle: Cubadebate).

Am 10. bis 12. April  tagte in Kuba der VIII. Kongress der Vereinigung kubanischer Schriftsteller und Künstler (UNEAC). Zentrales Thema war der Erhalt und die Weitergabe der Werte der Revolution an die jüngere Generation, sowie die damit verbundene Erneuerung der Kulturpolitik. „Unsere größte Herausforderung ist der Kampf gegen die Pseudokultur die mit der Begeisterung für den Konsumismus einhergeht“, fasste der kubanische Vizepräsident Díaz-Canel die Aufgabe der Kulturschaffenden zusammen. Der Kongress war dabei von lebhaften Debatten über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der kubanischen Kultur und ihrer jeweiligen Rolle geprägt.

Verlust von Werten und Identität

„Die Einheit war und wird auch weiterhin die grundlegende Strategie der kubanischen Revolution sein, aber wie wir wissen besteht sie nicht aus homogenem Denken, sondern aus der möglichen Konklusion verschiedener Sichtweisen“, erklärte Díaz-Canel vor den 320 Delegierten die grundlegende Denkweise, mit der Werte erhalten und erneuert werden sollen. Zu viel Formalismus, zu knappe Mittel und zu viele administrative Maßnahmen haben in den letzten Jahrzehnten zu einem Verlust der kulturellen Identität geführt, zu einer Entfremdung des Kulturangebots von den Bedürfnissen des Volkes und damit einhergehend zum Aufstieg von „Niveaulosigkeit und Mittelmäßigkeit“, wie es ein Delegierter ausdrückte.

Nach dem Ende der Sowjetunion litten die kubanischen Kinos, Theater und Buchverlage unter massivem Sparzwang und konnten ihre Aufgabe vielerorts nur noch pro forma wahrnehmen. Hinzu kommen administrative Gängeleien durch die Ministeriumsbürokratie, unter denen viele unabhängige Kreative zu leiden haben. Das jüngste Beispiel war die Schließung der privaten 3D-Kinos Ende vergangenen Jahres, die zu massivem Unmut vor allem unter Jugendlichen geführt hat. Dabei will man gerade die junge Generation stärker in den Fokus der Kulturarbeit stellen, da sie für den Fortbestand der Revolution von transzendentaler Bedeutung ist.

Bereits vor einigen Monat hat deshalb Fernando Rojas, stellvertrendender Kulturminister, die Regulierung der 3D-Kinos gegenüber einem generellen Verbot als bessere Option hervorgehoben. Auf dem UNEAC-Kongress wurde folgerichtet ein neues Kinogesetz gefordert, dass die Aufführung von Kulturfilmen und kubanischen Produktionen zu günstigen Preisen fördern soll, dabei aber gleichzeitig auch den internationalen Trends und neuen Technologien Rechnung trägt. Das Fernsehprogramm soll künftig weiter diversifiziert und qualitativ verbessert werden.

„Das erste was es zu retten gilt, ist die Kultur!“

„Wir können und müssen den Geschmack der Bevölkerung beeinflussen: Nicht mit Verboten, die nur zum Gegenteil des gewünschten führen; sondern mit der Erarbeitung einer kohärenten Politik, die alle staatlichen Institutionen gebündelt zum Einsatz bringt, inklusive des Bildungssystems“, sagte Díaz-Canel in seiner Rede. In diesem Zusammenhang hob der Vizepräsident mehrmals die Notwendigkeit einer stärkeren Institutionalisierung hervor: nur mit einer abgestimmten Arbeit aller Einrichtungen könne der Kultursektor wiederbelebt und das Erbe der Revolution gesichert werden. Dabei müsse ausländischen Einflüssen zuvorgekommen werden, um die Geschichte des Landes und die Werte des Sozialismus besser zu kommunizieren. In den verschiedenen Wortmeldungen der Delegierten wurde dabei oft Bezug auf Fidels Ausspruch zu Beginn der Sonderperiode genommen: „Das erste was es zu retten gilt, ist die Kultur!“.

Kuba befindet sich derzeit in einer ähnlichen Zeit der Zäsur; die Erkentnis, dass eine Erneuerung des Wirtschaftssystems auch auch mit einer notwendigen Erneuerung des gesellschaftlichen Überbaus einhergeht, hat sich durchgesetzt: „Wir müssen Entwicklung und Wirtschaftswachstum suchen, aber mit einer Seele voller Gefühl und Spiritualität. Dies wird durch die Rettung der Kultur erreicht, was auch die Rettung des Landes, der Revolution und des Sozialismus bedeutet. Das verlangt von uns, jeden Tag effizienter in der Verteidigung der nationalen Identität und den authentischen Werten der kubanischen Kultur zu sein“, erklärte Díaz-Canel auf der Schlußtagung des Kongresses.

Bündelung aller Massenorganisationen

Diese „nationale Identität“ besteht für die kubanische Regierung vor allem aus dem humanistischen Gedankengut José Martís, der Kenntnis der kubanischen Geschichte sowie dem Leben von sozialistischen Werten wie Solidarität, Anstand, Respekt und Ehrlichkeit. Der schleichende Verlust dieser Tugenden wurde bereits vergangenen Sommer von Raúl Castro hervorgehoben, seine deutlichen Worte schlugen sich in der Folgezeit nieder in einer Kampagne gegen „soziale Disziplinlosigkeiten“, mit der alle kubanischen Massenorganisationen zusammen mit den CDRs direkt in den Nachbarschaften versuchen, auf die Leute zuzugehen. Diese Kampagne soll nun Schritt für Schritt ausgedehnt werden, um die Erneuerung sozialistischer Werte zu gewährleisten.

Erreicht werden soll die Erarbeitung einer kohärenten Kulturpolitik im Rahmen einer Arbeitsgruppe, deren Fortschritte regelmäßig überprüft werden sollen. Vorgesehen ist unter anderem die Stärkung der Kulturfunktionäre auf den unteren Ebenen sowie die Förderung von Stadthistorikern in den Provinzen, zur Restaurierung des kolonialen Erbes und Erhalt urbaner Lebensqualität ohne Gentrifizierung. Die bildende Kunst soll sich des weiteren durch ihre Verkaufserlöse besser finanzieren können. Einzelne Wortmeldungen forderten eine stärkere Einbindung kleiner Privatunternehmer in den Sektor. Wie so oft nach den Kongressen kubanischer Massenorganisationen, ist zunächst noch wenig konkretes bekannt. Jedoch steht die Verabschiedung eines neuen Presse- und Kinogesetzes im kommenden Jahr bevor.

Die UNEAC-Delegierten bestätigten den geachteten Schriftsteller Miguel Barnet als Vorsitzenden ihrer Organisation. Noch interessanter war die Neubesetzung des Kulturministers im Vorfeld des Kongresses. Der ebenfalls angesehene Abel Prieto übte dieses Amt von 1997 bis 2012 aus, zog sich dann jedoch aus privaten Gründen zurück. Ihm folgte für zwei Jahre der eher uncharismatisch wirkende Rafael Bernal, der wohl eher eine Übergangslösung darstellte. Sein Nachfolger wurde am 6. März dieses Jahres Julián Gónzalez Toledo (52), der im Unterschied zu Bernal über 20 Jahre Berufserfahrung im Kultursektor verfügt. Womöglich sollte damit auch für eine kürzere Leitung der Kulturschaffenden in die Ebene der Politik gesorgt werden.

Toledo zeigte sich erfreut über die Debatten der Delegierten, die die Schule und Familie als wichtigste Quelle zur Vermittlung von Werten bezeichneten. Gerade den Kindern und Jugendlichen soll verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden, um die Bildungseinrichtungen in ihrer Rolle als „Zentren der Wertevermittlung“ zu stärken. Die Zukunft der kubanischen Revolution, ohne die Protagonisten der historischen Generation, könne nur mit einer intakten Sozialstruktur erreicht werden. Die Weitergabe und Erneuerung revolutionärer Werte soll durch alle Teile der Gesellschaft erfolgen, die gerade in Zeiten wirtschaftlicher Veränderungen ihre Gemeinsamkeiten bewahren müssen. Kein Strohfeuer, sondern kontinuierliche Arbeit und Selbstkritik werden die Grundpfeiler sein, um das geistige Erbe des Sozialismus und der Revolution weiterzugeben. Kubas Lehrer und Journalisten, die Schauspieler und Musiker sowie alle Kulturschaffenden des Landes brauchen jetzt die geeigneten Mittel, um diese Mammutaufgabe anzugehen.

Kubas Regierung schließt 3D-Kinos und reglementiert Handel

Havanna. Am 2. November hat die kubanische Regierung in der Parteizeitung Granma eine Neuordnung des Privatsektors angekündigt. Der Ministerrat hob in dem Artikel die Bedeutung des Privatsektors hervor, betonte aber zugleich, dass „Ordnung, Disziplin und Gehorsam“ die Voraussetzungen für seine weitere Entwicklung seien.

Wie BBC-Korrespondentin Sarah Reinsford berichtet, wurden bereits am Wochenende Einrichtungen geschlossen, die nicht unter die gesetzlich erlaubten Betätigungen „auf eigene Rechnung“ fallen. Dazu gehören auch private 3D-Kinos und Videospielhallen. Diese operieren formal als Café oder Restaurant, das Unterhaltungsangebot steht jedoch im Vordergrund und es werden relativ hohe Eintrittspreise in konvertiblen Peso verlangt. In den vergangenen Jahren sind in Kuba, insbesondere in der Hauptstadt Havanna, immer mehr solcher Geschäfte entstanden, welche die Gesetze umgehen.

Auf der Straße wurden die Schließungen von vielen, insbesondere jungen Leuten, kritisch aufgenommen. Die neuen Geschäfte haben die Freizeitmöglichkeiten deutlich erweitert und erfreuten sich großer Beliebtheit: „Die 3D-Kinos haben uns jenseits der Straße Raum geboten, wohin sollen wir nun gehen?“ fragt ein junger Kubaner. Gezeigt wurden dort vor allem US-amerikanische Blockbuster wie „Avatar“ oder „Saw“. In den staatlichen Kinos laufen zu sehr niedrigen Eintrittspreisen im Unterschied dazu oftmals anspruchsvollere Filme, die in Europa eher in Programmkinos zu finden sind. Gezeigt werden aber auch die meisten neuen Filme aus Hollywood.
Vize-Kulturminister Fernando Rojas begründete den Schritt kulturpolitisch: Die Kinos würden „Frivolität, Mittelmäßigkeit, Pseudokultur und Banalitäten“ fördern. Somit entsprächen sie nicht den hohen kulturellen Standards der kubanischen Gesellschaft.

Auch der Weiterverkauf von privat eingeführten Textilien soll künftig unterbunden werden. Die entsprechende Lizenz sieht lediglich den Verkauf von selbst hergestellter Kleidung vor, was viele nicht davon abhielt, das staatliche Importmonopol zu untergraben. Diese Geschäfte dürfen nun bis zum Ende des Jahres ihre Bestände verkaufen und verlieren ab 2014 ihre Lizenz. Schätzungen zufolge sind etwa 20.000 Selbstständige betroffen. Kuba plant für das kommende Jahr die Modernisierung eines wichtigen Werks seiner Textilindustrie und will auch deshalb den massenweisen Weiterverkauf von Importware verhindern.

Derzeit gibt es in Kuba mehr als 442.000 selbstständig Beschäftigte, die in über 200 Berufen tätig sind. Seit 2011 wird der Privatsektor im Rahmen der „Aktualisierung des Wirtschaftsmodells“ deutlich erweitert, um die Überbeschäftigung in den Staatsunternehmen abzubauen.

(reuters/miamiherald/cubadebate)

Von (publiziert auf amerika 21), 08.11.2013 07:30.

Die Erneuerung der kubanischen Filmindustrie – eine langfristige Aufgabe

Bei einem Treffen des kubanischen Instituts für Kinokunst und Produktion (ICAIC) bekräftigte der Vorsitzende Omar González den politischen Willen, die nationale Filmproduktion zu stärken und zu erneuern. Auf seiner Homepage gab das Institut Details über die kommenden Restrukturierungen bekannt. In diesen Prozess würden alle Kinoschaffende ohne Ausnahmen mit einbezogen.

Die Notwendigen Änderungen betreffen vor allem die Streichung vieler Festangestellter, die einen großen Teil des Budgets betreffen und in Zukunft durch kurzfristige Vertragspartner ersetzt werden sollen. Alle notwendigen Künstler sollen jedoch ihre Position behalten. Diese Einsparungen dürfen dabei jedoch keineswegs als ein kulturpolitischer Kahlschlag verstanden werden, vielmehr sollen im Laufe des Jahres Arbeitsgruppen gebildet werden, die in Kommissionen die notwendigen Einsparungen ermitteln und Alternativen erarbeiten.

Derzeit befindet man sich noch in der Analysephase, erst in den kommenden Jahren sind Änderungen zu erwarten. Die kubanische Filmproduktion genoss nach der Revolution hohes Ansehen und wurde berühmt durch Filme wie „Soy Cuba“ (1964), „Memorias del Subdesarrollo“ (1968), „Fresa y chocolate“ (1994) und viele andere. Auch in Zukunft soll sich die kubanische Filmproduktion nicht an Marktinteressen, sondern an kulturellen Werten orientieren, betonte Gonzalez. Bis die kubanische Filmindustrie jedoch wieder auf soliden ökonomischen Füßen steht, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern.