Castro und Rousseff bei Trauerfeier für Mandela

Johannesburg. Anlässlich der offiziellen Trauerfeier für Nelson Mandela am Dienstag dieser Woche im südafrikanischen Johannesburg waren über 90 Delegationen nach Südafrika gereist. Die zentralen Trauerreden wurden von sechs ausländischen Staatsoberhäuptern gehalten, unter anderem vom kubanischen Präsidenten Raúl Castro und der brasilianischen Staatschefin Dilma Rousseff. Zudem sprachen US-Präsident Barack Obama, der chinesische Vizepräsident Li Yuanchao sowie die Präsidenten Namibias und Indiens, Hifikepunye Pohamba sowie Pranab Mukherjee. Raúl Castro wurde vom Moderator eingeführt mit den Worten: „Nun kommt der Repräsentant einer kleinen Insel, die uns alle befreit hat.“

In seiner kurzen Rede legte Castro Wert auf den revolutionären Kampf des Verstorbenen: „Nelson Mandela ist ein unübertroffenes Vorbild für Lateinamerika und die Karibik, die voranschreiten auf dem Weg zu Einheit und Integration zum Wohle der Völker unter Anerkennung ihrer Vielfältigkeit“, sagte Castro in seiner zehnminütigen Rede im FNB-Stadion in Soweto im Südwesten von Johannesburg.

Der kubanische Präsident verwies auch auf Mandelas enge Freundschaft mit Fidel Castro, den er am Ende seiner Rede mit den Worten zitierte: „Nelson Mandela wird nicht für die 27 Jahre in die Geschichte eingehen, die er, ohne jemals seine Ideen aufzugeben, eingesperrt war; er wird in die Geschichte eingehen, weil er fähig war, seine Seele von all dem Gift zu befreien, das diese ungerechte Strafe mit sich brachte.“ (Lesen Sie hier die gesamte Rede)

Brasiliens Präsidentin Rousseff sagte, Mandelas Kampf gegen den Rassismus „wird sich in ein Musterbeispiel nicht nur für diesen Kontinent, sondern für alle Völker, die für Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit kämpfen, verwandeln“. Auch der chinesische Vizepräsident Li Yuanchao drückte seine Bewunderung für den Kämpfer gegen die Apartheid aus: „Wir sind zutiefst bestürzt über den Verlust eines solch großartigen Freundes“, sagte er. US-Präsident Obama würdigte das Leben des Südafrikaners sowie seinen Kampf gegen Ungerechtigkeit und die HIV-Seuche. In seiner Rede warf er anderen Ländern Heuchelei im Umgang mit Mandelas Erbe als Freiheitskämpfer vor.

Auf dem Weg zum Podium begrüßte Obama die anderen Redner, wobei es zu einem Händedruck mit Raúl Castro kam. Es war die erste direkte Begegnung eines amtierenden US-Präsidenten mit seinem kubanischen Amtskollegen seit über zehn Jahren. Zuletzt hatte William Clinton im Jahr 2000 Fidel Castro bei dem Millenniums-Gipfel der Vereinten Nationen in New York die Hand gereicht. Er hatte dies angesichts aufbrandender Kritik später damit erklärt, dass die Begegnung zufällig gewesen sei und die Initiative von dem Kubaner ausgegangen sei.

Publiziert am 10.12.2013 auf Amerika21

Kuba trauert um Nelson Mandela

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Nelson Mandela und Fidel Castro am 26. Juli 1991 in Matanzas, Kuba.

Havanna. Der Tod des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela wurde in der ganzen Welt mit tiefer Bestürzung aufgenommen. Der Kämpfer gegen die Apartheid starb gestern im Alter von 95 Jahren in Johannesburg.

Auch in Kuba wird um den Friedensnobelpreisträger getrauert. Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Todesnachricht wandte sich Präsident Raúl Castro an seinen südafrikanischen Amtskollegen Jacob Zuma. Mandela werde durch die Größe seines Beispiels und die Stärke seiner Überzeugung im Kampf gegen die Apartheid und für ein neues Südafrika in Erinnerung bleiben. „Wir bezeugen größten Respekt und Bewunderung, nicht nur für das was er für sein Volk geleistet hat, sondern auch für seine bewährte Freundschaft mit unserem Land“, so Castro. In Kuba wurde eine mehrtägige Staatstrauer verkündet, die mit einem offiziellem Trauertag am 8. Dezember endet.

Kuba hatte in den 1980er Jahren eine entscheidende Rolle bei der Beseitigung der Apartheid in Südafrika gespielt. Seine Militärkräfte in Angola setzten dem südafrikanischen Regime zu und der sozialistische Karibikstaat lieferte direkte materielle Unterstützung für die südafrikanische Befreiungsbewegung ANC.

Mandela, den sein erster Auslandsbesuch nach der Freilassung aus dem Gefängnis nach Kuba führte, verband eine enge Freundschaft mit Fidel Castro. Bei seiner Ansprache in Matanzas am 26. Juli 1991 sagte Mandela: „Das kubanische Volk hat einen besonderen Platz in den Herzen der Völker Afrikas. Die kubanischen Internationalisten haben einen Beitrag für die Unabhängigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit in Afrika geleistet, der wegen der Prinzipien und der Selbstlosigkeit, die ihn kennzeichnen, einmalig ist.“ Er bezeichnete die kubanische Revolution als „Quelle der Inspiration für alle freiheitsliebenden Völker“. Nach mehrmaliger Einladung Mandelas besuchte Castro schließlich im Jahr 1998 Südafrika, wo er eine Rede vor dem Parlament hielt. Der in den USA inhaftierte Kubaner Gerardo Hernández bekundete ebenfalls sein Beileid. Hernández gehört zu den „Miami Five“, die im Auftrag Havannas gewaltbereite Gruppen des kubanischen Exils heimlich überwachten. Zuvor hatte Hernández bei den kubanischen Truppen in Angola gekämpft.

Auf die besondere Beziehung Mandelas und der südafrikanischen Befreiungsbewegung zu Kuba weist auch die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba in einer Pressemitteilung hin. Darin wendet sie sich gegen „Geschichtsfälschung und Heuchelei“ seitens der Regierungsvertreter Westeuropas und der USA. Zitiert wird Thejiwe Mtintso, die Botschafterin Südafrikas in Kuba, die im Dezember 2005 sagte: „Heute hat Südafrika viele neue Freunde. Gestern haben diese Freunde unsere Führer und Kämpfer noch Terroristen genannt und jagten uns von ihren Ländern aus und unterstützten zur gleichen Zeit das Südafrika der Apartheid. Diese gleichen Freunde wollen heute, daß wir Kuba denunzieren und es isolieren. Unsere Antwort ist sehr einfach, es ist das Blut der kubanischen Märtyrer und nicht das dieser Freunde, das tief in der afrikanischen Erde fließt und den Baum der Freiheit nährt.“

Publiziert am 06.11.2013 auf Amerika 21