Universität von Havanna richtet Lehrstuhl zum Studium der Ideen Fidel Castros ein

Die Universität von Havanna (UH) wurde 1728 gegründet und gilt im Berich der Geistes- und Sozialwissenschaften als bedeutendste Universität des Landes (Quelle: Commons)

Die Universität von Havanna, Kubas älteste und anerkannteste Hochschule, kündigte vergangene Woche die Eröffnung eines neuen Lehrstuhls an, der sich dem „Studium des Denkens Fidel Castros“ widmen soll. Rund ein halbes Jahr nach dem Tod des langjährigen Staatschefs und Revolutionsführers, soll dessen ideologisches Erbe mit diesem Schritt erstmals systematisch erfasst und erforscht werden.

Die eremitierte Historikerin Francisca López soll den Lehrstuhl besetzen (Quelle: Cubadiario)

Die Ehrenprofessur („Cátedra Honorífica“) soll dabei von der emeritierten Historikerin Francisca López übernommen werden, die sich bereits mit dem Studium des Werks von José Martí als Leiterin der Cátedra Martí einen Namen gemacht hat.

Bei der Veranstaltung zur Verkündigung der Gründung des Lehrstuhls waren neben dem Rektor der Universität von Havanna auch der Leiter des ICAP und „Held der Republik“ Fernando González anwesend, der im Rahmen einer von Fidel Castro initiierten Kampagne vor wenigen Jahren aus der Haft in den USA entlassen wurde.

Raúl Castro nennt Trumps Pläne „irrational“

Raúl Castro auf dem ALBA-Gipfeltreffen am 5. März in Caracas (Quelle: Cubadebate)

Zum ersten Mal seit der Amtseinführug des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat Kubas Staatschef Raúl Castro dessen Politik im Rahmen eines ALBA-Gipfeltreffens Anfang März öffentlich kritisiert. In seinen ersten Worten an den Republikaner sagte Castro, Trumps Politik sei „egoistisch“. Den Plan zur Errichtung einer Grenzmauer zu Mexiko bezeichnete Castro als „irrational“.

Castros Rede im Rahmen des Gipfeltreffens wurde im kubanischen Fernsehen ausgestrahlt. „Die neue Agenda der US-Regierung droht eine extreme und egoistische Handelspolitik zu beginnen, die die Wettbewerbsfähigkeit unseres Außenhandels und Umweltverträge bedroht […] sowie Migranten jagt und deportiert“, sagte der kubanische Präsident in Caracas.

Die weltweiten Migrationsbewegungen würden durch die steigende soziale Ungleichheit im Zuge eines ungerechten Weltwirtschaftssystems verursacht, so Castro. Der geplante Grenzzaun zu Mexiko sei daher „irrational“ und ziele auf alle Lateinamerikaner ab, nicht nur auf Mexikaner. „Man kann Armut, Katastrophen und Migration nicht mit Mauern eindämmen, sondern nur mit Verständigung und Frieden“, sagte Castro.

Die US-Regierung kündigte letzten Monat an, die unter Präsident Obama begonnene neue Kuba-Politik „vollständig zu überprüfen“. Trump selbst sagte mehrfach, dass er das Thema der Menschenrechte stärker in den Fokus rücken und einen „besseren Deal“ von der kubanischen Seite haben wolle. Nach einem Abendessen mit dem rechtsgerichteten Senator Marco Rubio aus Florida vor einigen Wochen, sagte Trump, dass er und Rubio „ähnliche Ansichten“ in Bezug auf Kuba hätten. Rubio trat in den letzten Jahren als Fürsprecher für eine weitere Verschärfung der seit über 50 Jahren bestehenden Wirtschaftsblockade gegen die Insel auf. Die Abschaffung der Einwanderungsprivilegien für Kubaner durch Barack Obama im Januar lehnte er ebenfalls ab.

Díaz-Canel fordert Erneuerung der Medien

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Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel und UPEC-Präsident Antonio Moltó (rechts) (Quelle: Cubahora)

Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel setzte sich erneut für die Reformierung der kubanischen Medienlandschaft ein. Auf dem II. Treffen junger Journalisten, welches vergangene Woche in Havanna stattfand, forderte der 56-jährige Stellvertreter Raúl Castros, führende Stellen der kubanischen Medien mit jungen Nachwuchskräften zu besetzen. Er forderte die Journalisten dazu auf „mutiger“ zu agieren und neue Kommunikationsstrategien zu entwickeln.

Bei dem zweitägigen Treffen ging es um die Lage der kubanischen Medienlandschaft und deren aktuelle Herausforderungen. Mehr als 70 junge Journalisten aus allen Provinzen des Landes nahmen an der Tagung Teil, die von der journalistischen Berufsvereinigung UPEC im Zentrum für internationalen Journalismus in Havanna veranstaltet wurde. Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel war als Gast anwesend und analysierte auf dem Plenum die aktuellen Probleme der kubanischen Medien.

Auf dem IX. Kongress der „Union de Periodistas de Cuba„, der 2013 stattfand, wurde die Einführung eines neuen Pressegesetzes gefordert, welches Kubas Journalisten mehr Handlungsspielraum geben soll. Bisher weigern sich viele staatliche Stellen ausreichend Informationen an die Presse zu geben. Die Delegierten kritisierten schon damals jene als „secretismo“ (Geheimniskrämerei) betitelte Praxis. „Es gibt nur zwei Wege die wir gehen können: Entweder wir lösen das Problem zusammen und ein für alle Mal, oder die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft der kubanischen Medien wird einfach verschwinden“, sagte Díaz-Canel auf dem Kongress 2013.

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70 junge Journalistinnen und Journalisten machten Vorschläge zur Verbesserung der Medienarbeit in Kuba (Quelle: Juventud Rebelde)

Rund vier Jahre später sieht die Situation noch immer ernüchternd aus. „Obwohl der politische Wille vorhanden ist, hat sich dieses Gesetz verzögert, denn die Konkretisierung ist kompliziert und hat verschiedene Ebenen der Diskussion durchlaufen“, sagte Díaz-Canel letzte Woche gegenüber den Teilnehmern. Während das Gesetz noch in der Mache ist, müsse man möglichst viele Dinge innerhalb des bestehenden rechtlichen Rahmens ändern was derzeit bereits in einigen Provinzen geschehe, so Díaz-Canel.

Die Medien müssten ihre eigene Kommunikationsagenda entwickeln und gemeinsam diskutieren, forderte das Politbüromitglied. Hierzu müssten digitale Räume besser genutzt werden, auch um „subversiven Strategien“ der USA entgegenzuwirken. Junge Journalisten müssten hierfür in führenden Positionen die notwendigen Änderungen bei den Medien mitgestalten. Im Zuge der Digitalisierung des Fernsehbetriebs sollen neue Kanäle mit ansprechenden Programminhalten geschaffen werden.

Bei der Tagung wurde von den Teilnehmern eine 50 Punkte umfassende Liste gestaltet, die Vorschläge zur Verbesserung der kubanischen Medien liefert. Darin wurde unter anderem bessere Entlohnung, mehr Informationen über den rechtlichen Rahmen, bessere Aus- und Fortbildung, technische Modernisierung und die „Schaffung von mehr Räumen für Debatten über die öffentliche Agenda“ gefordert.

Drei Monate nach Matthew – Ostkuba im Aufbaumodus

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Zeichen des Wiederaufbaus: Der Río Toa, welcher Baracoa von der Nachbarprovinz Holguín trennt, ist wieder auf dem Landweg querbar (Quelle: Granma)

Drei Monate nachdem Hurrikan „Matthew“ den Ostzipfel der Insel in der Provinz Guantánamo verwüstet hat, zog man auf Kubas Bilanz über das genaue Ausmaß der Schäden und den Stand des Wiederaufbaus. Während vieles in den betroffenen Gebieten bereits repariert werden konnten, klaffen an anderer Stelle noch Lücken. Mit der Eröffnung der provisorischen Landbrücke über den Río Toa Mitte Dezember wurde jedoch ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Über 70 Prozent der Wohngebäude beschädigt oder zerstört

Nachdem „Matthew“ in der Nacht des 4. Oktober im östlichsten Zipfel Kubas auf Land traf, verwüstete der Hurrikan die Gemeinden Baracoa, Maisí, San Antonio del Sur und Yateras mit voller Wucht. Sie alle sind Teil der östlichen Provinz Guantánamo. Die Nachbarprovinzen Holguín und Santiago kamen diesmal glimpflich davon. Eine Woche nach dem Sturm stattete Präsident Raúl Castro den Gemeinden einen Besuch ab. Rund drei Monate später besucht Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel die Gegend. In diesen Tagen wurden dann erstmals neue Zahlen zum Wiederaufbau gemeldet.

So sind in den fünf betroffenen Ortschaften insgesamt 42.338 Gebäude beschädigt worden, 72 Prozent aller Wohneinheiten sind betroffen. Von den beschädigten Gebäuden wurden 8.413 als Totalverluste gemeldet, 6.552 gelten als teilweise zerstört. 27.373 Gebäude verloren ihr Dach teilweise oder ganz. Bis Ende Dezember konnten allerdings bereits 54 Prozent der Häuser wieder aufgebaut werden. Neben 19.451 reparierten Wohngebäuden wurden rund 2.000 neue errichtet. Von den 2.168 beschädigten staatlichen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Büros, etc.)  sind bereits 1.993 wieder aufgebaut.

Subventionen, Kredite, Plattenbauten

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Kubas Erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel (2.v.r.) besucht die betroffenen Regionen in Guantánamo (Quelle: Cubasi)

Um neuen Wohnraum für die Hurrikanopfer zu schaffen sind in der Umgebung von Baracoa über 100 neue Wohnanlagen in Großblockbauweise geplant, die meisten mit vier oder fünf Stockwerken. Sie werden derzeit in den Stadtteilen Hoyos de Sabanilla, dem Barrio Bohorque, La Bacanera, Van Van, El Turey und dem Viertel La Alegría errichtet.

Der Wiederaufbau der meisten Häuser erfolgt nicht zuletzt durch die Eigeninitiative der Bevölkerung. Der Staat stellt in vielen Fällen die Baumaterialien zu günstigen Konditionen bereit. Insgesamt wurden für diesen Zweck 6.631 Kredite im Wert von 32 Mio. CUP ausgegeben. Gleichzeitig wurden 1.092 Subventionen im Wert von 47,6 Mio. Pesos bewilligt.

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Die Wiederherstellung von Strom-, Telefon- und Internet gehörte zu den ersten Aufgaben nach dem Hurrikan (Quelle: Granma)

In den ersten Tagen nach dem Sturm erschwerten vor allem der Zusammenbruch der Stromversorgung den Anwohnern den Alltag. Insgesamt wurde die Stromversorgung von 51.517 Kunden unterbrochen, allerdings konnten alle Anschlüsse innerhalb von 20 Tagen wieder versorgt werden.

Ähnlich schnell ging die Wiederherstellung der Internet- und Mobilfunkversorgung. Es kam zu Schäden im Glasfaserkabel auf einer Länge von 21 Kilometern, rund 66 Kilometer Kupferleitungen wurden stellenweise unterbrochen. Neben der Wiederherstellung der Leitungen wurde auch eine neue Satellitenverbindung zwischen Guantánamo, Maisí, Baracoa und anderen Städten der Region aufgebaut die in Zukunft helfen soll, falls die Glasfaserleitung wieder ausfällt. Neue Sendemasten in Los Guineos, Nibujon (Baracoa) und Sierra Verde (Maisí) sollen den Mobilfunkempfang verbessern und versorgen die Region erstmals mit Digitalfernsehen.

Der Río Toa, wieder ohne Fähre passierbar

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Miniindustrien sollen helfen, vor Ort für die Produktion von Baumaterialien zu sorgen (Quelle: Granma)

Probleme gibt es weiterhin bei den Straßen. Die Strecken Los Calderos-Explanada de Duaba (Gemeinde Imías) sowie Alto de La Zona-Viento Frío (San Antonio del Sur) sind noch immer nicht befahrbar. Dafür ist der Fluss Toa auf der Strecke zwischen Baracoa und Moa erstmals seit Oktober wieder auf dem Landweg querbar. Ende Dezember wurde eine provisorische Zementkonstruktion einige hundert Meter Stromabwärts von der zerstörten Brücke eröffnet. Damit ist die Verbindung zur Nachbarprovinz Holguín wiederhergestellt. In den Monaten zuvor war der Fluss lediglich mittels einer Fähre passierbar.

Auf den Streckenabschnitten Neblina-Cayo Güín und Yumurí-Jobo Claro werden derzeit neue Straßen errichtet, die Vía Mulata wird zwischen Paso del Toa und Neblina asphaltiert. Ziel ist es, die Gemeinden Baracoa und Maisí wieder besser miteinander zu verbinden und den gefährlichen Bergpass La Boruga zu vermeiden.

Um den Wiederaufbau zu beschleunigen wurden in den betroffenen Gemeinden über 30 „Mini-Fabriken“ aufgebaut. Dabei handelt es sich um kleine Anlagen, die zeitweise zur lokalen Produktion von Brot, Asphalt, Zement und anderen Baumaterialien beitragen bis die beschädigte Industrie wieder in Schwung kommt. Probleme gibt es nämlich noch genug. Noch immer leben viele Menschen in Notunterkünften und von den 70.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche die vom Sturm beschädigt wurden, konnten nur 12.000 gerettet werden.

Insgesamt scheint der Wiederaufbau in den fünf betroffenen Gemeinden jedoch den Umständen entsprechend gut zu funktionieren. Bereits jetzt sind alle Orte wieder auf dem Landweg erschlossen und dank Strom und Mobilfunk mit dem Rest des Landes verbunden. Das beliebte Reiseziel Baracoa empfängt unlängst wieder Touristen. Nicht zuletzt auch Dank der Hilfen aus Ecuador, Venezuela und der Vereinten Nationen konnte Kuba abermals sein bewährtes Krisen- und Aufbaumanagement bei Naturkatastrophen unter Beweis stellen.

Nach der Rezession plant Kuba 2 Prozent Wachstum mit Haushaltsdefizit

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Ein Stuhl bleibt frei: Die erste Parlamentssitzung ohne Fidel Castro (Quelle: Cubadebate)

Kubas Wirtschaft schloss im Jahr 2016 mit einem Minus von 0,9 Prozent. Damit erlebte die sozialistische Insel vergangenes Jahr die erste Rezession seit 1993. Kubas Präsident Raúl Castro nannte auf der Parlamentssitzung Ende Dezember zwei Prozent als Wachstumsziel für dieses Jahr. Erreicht werden soll dies vor allem durch mehr ausländisches Kapital und ein nationales Investitionsprogramm das durch ein hohes Haushaltsdefizit finanziert wird. Zurückgehende Öllieferungen aus Venezuela haben die ökonomische Situation Kuba zuletzt deutlich erschwert.

Weniger Öl aus Venezuela zwingt Kuba zum sparen

Das Kubas Wirtschaftsplaner letztes Jahr keine großen Sprünge würden verkünden können, war spätestens klar als Präsident Castro vergangenen Sommer ein Sparprogramm ankündigte, welches zurückgehenden Öllieferungen aus Venezuela mit einer drastischen Reduzierung von Importen und Primärenergieträgern zu begegnet versucht. Damals wurde bereits, nach einem Plus von vier Prozent des BIP im Jahr 2015, die Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert.

Abermals wandte sich Castro in der jüngsten Parlamentssitzung, welche am 27. Dezember in Havanna stattfand, direkt an ausländische Geldgeber und Handelspartner. In Bezug auf Kubas Zahlungsrückstände sagte er: „Ich danke einmal mehr den Geschäftspartnern für ihr Verständnis und das Vertrauen in Kuba und wiederhole den Willen der Regierung, in diesem wichtigen Bereich allmählich zur Normalität zurückzukehren und die Grundlagen dafür zu schaffen, dass es in der Zukunft keine Wiederholung dessen gibt.“

Trotz der schwierigen Liquiditätssituation sieht der Haushalt für 2017 eine deutliche Steigerung der Investitionen um fast 50 Prozent vor. Wie in den vergangenen Jahren werden die Sozialausgaben in einem Bereich von rund 51 Prozent der gesamten Staatsausgaben beibehalten, während gleichzeitig stärkere Investitionen in strategische Sektoren wie Infrastruktur, Zuckerindustrie, Tourismus und Telekommunikation erfolgen sollen.

Höchstes Haushaltsdefizit seit 1993 soll für Wachstum sorgen

Um die Mehrausgaben zu stemmen, wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr bei rund 11,5 Milliarden Dollar oder 12 Prozent des BIPs liegen – und ist damit das höchste je beschlossene Haushaltsdefizit seit 1993. Finanziert werden soll der Fehlbetrag durch staatliche Bonds, die von der Zentralbank aufgekauft werden. „Das letzte Jahr unter Raúl Castro wird das schwierigste in Bezug auf seine Wirtschaftspolitik sein“, kommentierte der kubanische Ökonom Pavel Vidal den Entwurf für den neuen Haushalt, welcher im Dezember verabschiedet wurde.

Zur Finanzierung der Investitionen will Kuba in Zukunft verstärkt auf ausländisches Kapital setzen. Bisher würde dies lediglich 6,5 Prozent der Gesamtinvestitionen ausmachen kritisierte Wirtschaftsminister Ricardo Cabrisas. Auch Raúl Castro nahm zu dem Thema Stellung: „Ich gebe zu, dass wir mit diesem Bereich nicht zufrieden sind und dass es häufig zu übermäßigen Aufschüben im Verhandlungsprozess gekommen ist. Es ist erforderlich, ein für allemal mit der rückständigen und vorurteilsbehafteten Denkweise gegen die ausländischen Investitionen Schluss zu machen.“

Castro: „Angst vor ausländischen Investitionen überwinden“

Kuba werde nicht zum Kapitalismus übergehen, dennoch sei es erforderlich sich von „unbegründeter Angst“ gegenüber ausländischen Investitionen zu befreien, sagte Castro vor den rund 600 Delegierten. Seit Mai 2014 hat Kuba rund 1,5 Milliarden US-Dollar an neuen ausländischen Investitionen erhalten. Um die selbstgesteckten Wachstumsziele von rund 5 Prozent zu erreichen sind jedoch jährliche Auslandsinvestitionen von 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar von Nöten, wie kubanische Ökonomen immer wieder betonen.

Kuba plant in diesem Jahr ein starkes Wachstum der Zuckerindustrie, diese soll ihren Output um 30 Prozent erhöhen. Der Hotel- und Restaurantsektor soll um 8 Prozent zulegen. Vergangenes Jahr konnte Kuba einen neuen Besucherrekord von über 4 Millionen Touristen verzeichnen, gut 16 Prozent mehr als noch 2015. Die Nahrungsmittelimporte werden sich mit 1,75 Mrd. US-Dollar in einem ähnlichen Bereich wie 2016 bewegen.

Neben Wirtschaftsfragen wurde auf der Parlamentssitzung auch ein neues Gesetz verabschiedet, dass die Verwendung des Namens und der Darstellung von Fidel Castro regelt und unter anderem das Aufstellen von Statuen und Büsten sowie die Benennung von Straßen und Institutionen nach dem verstorbenen Revolutionsführer verbietet. Zu Beginn der Sitzung legten die über 600 Parlamentarier eine Schweigeminute in Gedenken an den langjährigen Staatschef ein.

Kuba erinnert an Revolution 1959 und ehrt Fidel Castro

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Militärparade am Montag in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Havanna. In Kubas Hauptstadt Havanna haben zehntausende Menschen beim „Marsch des kämpferischen Volkes“ und einem traditionellen Staatsakt mit Militärparade am Montag an den Aufstand gegen die US-gestützte Diktatur von Fulgencio Batista gedacht, der im Jahr 1956 begann. Der Aufmarsch fand in diesem Jahr zudem zu Ehren des im November verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro statt.

Der militärische Akt erinnerte an die Landung von 82 Revolutionären mit der Yacht „Granma“ am 2. Dezember 1956 auf Kuba. Die Rebellen waren von Mexiko nach Kuba aufgebrochen und bei der Ankunft von Truppen Batistas fast aufgerieben worden. Dennoch gelang es den Aufständischen, sich neu zu formieren und in nur drei Jahren die Diktatur zu besiegen.

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Kein Personenkult um Fidel Castro

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Raúl Castro bettet seinen verstorbenen Bruder in dessen letzte Ruhestätte (Quelle: Cubadebate)

Gestern Morgen wurde Fidel Castros Urne in Santiago de Cuba bestattet. Die Beisetzung fand im Kreis der Familie und einigen ausgewählten Gästen statt. In der vorangegangenen Nacht fand auf dem Revolutionsplatz der Stadt eine große Kundgebung statt, an der gut eine halbe Millionen Menschen anwesend waren. Dort erwiesen Vertreter der kubanischen Massenorganisationen ihrem Comandante die letzte Ehre. Auf Wunsch seines verstorbenen Bruders kündigte Raúl Castro ein neues Gesetz an, das diesen vor Personenkult schützen soll.

Am Samstag kam der Konvoi, welcher mit Fidels Urne drei Tage zuvor von Havanna aus einmal quer durch die gesamte Insel startete, in der östlichen Metropole Santiago de Cuba an. Hier machte der Trauerzug an historischen Stätten halt, unter anderem an der Moncada-Kaserne, deren gescheiterte Erstürmung am 26. Juli 1953 den Beginn der kubanischen Revolution einläutete und an jenem Balkon, von dem Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution verkündete. Unterwegs dorthin wurde die Straße von Menschenmassen gesäumt, die mit Rufen wie „Hasta siempre, Comandante!“ oder „Yo soy Fidel!“ dem langjährigen Staatslenker die letzte Ehre erwiesen.

Am Abend wurde die Urne schließlich zum Revolutionsplatz gebracht, der nach dem ersten afrokubanischen General im Unabhängigkeitskrieg, Antonio Maceo, benannt ist. Unter der riesigen Bronzestatue Maceos hatten die kubanischen Massenorganisationen das Wort. Vertreter des Gewerkschaftsverbands CTC, des Frauenverbands FMC, der Koordinator der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDRs), die Vorsitzenden der Jugendverbände und andere bekundeten ihre Treue zum geistigen Erbe Fidels.

Raúl Castro rekapitulierte auf seiner Rede die Erfolge der kubanischen Revolution. „Die bleibende Lehre von Fidel ist, dass es zu schaffen ist“, sagte Castro unter dem Beifall der Masse. Es sei jener Fidel, der damals die Landung der Granma organisierte, der „als er sieben Gewehre und eine Handvoll Kämpfer zusammenbrachte, sagte: Jetzt gewinnen wir den Krieg!“. Raúl bedankte sich für alle Beileidsbekundungen der letzten Tage, kündigte zugleich jedoch ein neues Gesetz an, um seinen Bruder gemäß dessen Wunsch vor Erscheinungen des Personenkults zu schützen:

Getreu der Ethik Martis, dass „aller Ruhm der Welt in ein Maiskorn passt“, wies der Führer der Revolution jeglichen Ausdruck von Personenkult zurück und behielt diese Haltung bis in die letzten Stunden seines Lebens konsequent bei, indem er darauf drang, dass nach seinem Ableben sein Name und seine Figur niemals benutzt werden sollten, um Einrichtungen, Plätze, Parks, Alleen, Straßen oder andere öffentliche Stätten zu benennen, und dass keinerlei Denkmäler, Büsten, Statuen oder andere ähnliche Formen des Tributs errichtet werden sollten.

In Übereinstimmung mit der Bestimmung des Genossen Fidel werden wir in der kommenden Sitzungsperiode der Nationalversammlung der Volksmacht die erforderlichen Gesetzesentwürfe vorlegen, damit sich sein Wille durchsetzt.

(Quelle: Granma)

Es wird also auch in Zukunft keine Fidel-Castro-Straße oder eine Statue des Revolutionsführers auf Kuba geben. Ganz in diesem Sinne fiel auch dessen Grab aus: Ein naturbelassener Granitstein aus der nahe gelegenen Sierra Maestra, auf dem eine schwarze Marmortafel mit dem Namen „Fidel“ in goldenen Lettern prangt. Obwohl der Stein ziemlich wuchtig ist, wirkt das Grab aufgrund des Verzichts von Nachnamen und jeglichen anderen Inschriften äußerst schlicht. Lediglich die nebenstehende Betonsäule, in der mit kupfernen Buchstaben Castros Revolutionskonzept prangt, lässt auf die Bedeutung des hier ruhenden schließen.

Schlicht war auch die Zeremonie, mit der Fidel Castro auf dem Friedhof „Santa Ifigenia“ bestattet wurde. Ohne Reden, ohne große Medienpräsenz und im Kreis der engsten Familienmitglieder und Kampfgefährten nahm Raúl Castro die Urne von Fidels Witwe Dalia Soto entgegen und legte sie stumm in den Grabstein. Noch einmal erklang Fidels Stimme aus den Lautsprechern, mit der er sein berühmtes Revolutionskonzept vorliest. Danach legten die anwesenden Gäste, darunter das kubanische Politbüro, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sowie die ehemaligen brasilianischen Regierungschefs Dilma Rousseff und Lula da Silva, eine Blume auf das Grab. Die Beisetzung dauerte nicht einmal eine halbe Stunde. Wenige Stunden später war das Grab öffentlich zugänglich, draußen wartete bereits eine lange Schlange.

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Fidel Castros Grab auf dem Cementerio Santa Ifigenia in Santiago de Cuba (Quelle: Cubadebate)

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Warten auf Einlass vor dem Friedhof Santa Ifigenia am Sonntag (Quelle: Cubadebate)

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Fidels Grab ist nun öffentlich zugänglich (Quelle: Cubadebate)

Raúl Castros Rede auf der Trauerfeier am 3. Dezember 2016 in Santiago de Cuba

Beerdigung Fidel Castros am 4. Dezember 2016 im Cementerio Santa Ifigenia