Kuba sucht nach Investoren für Öl- und Gasbohrungen

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Kuba kann etwa die Hälfte des benötigten Erdöls aus eigener Produktion decken (Quelle: Prensa Latina)

Havanna. Während einer dreitägigen Konferenz zum Thema Öl und Gas mit mehreren hundert Gästen aus verschiedenen Ländern haben kubanische Behörden über die Möglichkeiten ausländischer Investitionen bei der Öl- und Gaserkundung informiert. Dabei stand vor allem das Thema der Ölbohrungen entlang der Küste und im offenen Meer im Vordergrund.

Bereits 2016 unterzeichnete die staatliche chinesische Ölfirma BGP Inc. ein Abkommen zur hochauflösenden seismischen Erkundung kubanischer Ölvorkommen im Golf von Mexiko. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres erwartet. Die letzten Erkundungen dieser Offshore-Vorkommen fanden im Jahr 2012 statt.

Die australische Firma Melbana Energy Ltd. landete letztes Jahr in den Schlagzeilen mit der Meldung, weitere Ölvorkommen auf kubanischem Festland entdeckt zu haben. Kuba kann etwa die Hälfte des benötigten Erdöls aus eigener Produktion decken. Die wichtigsten Vorkommen befinden sich an Land entlang der Nordküste der Provinz Matanzas. Die australische Firma untersucht im Rahmen eines 2015 geschlossenen Vertrags Block 9 von 45, eine 2.380 Quadratkilometer große Fläche im östlichen Teil der Buch von Cárdenas. Im September 2015 begann die Firma dort eine 18-Monate Erkundungsphase bei der 395 Millionen Barrel förderbares Öl von „potentiell guter Qualität“ gefunden wurde. Die meisten kubanischen Ölfelder bringen lediglich stark schwefelhaltiges Schweröl zu Tage, welches sich nur begrenzt weiterverarbeiten lässt und vor allem in russischen Kraftwerken zur Energieerzeugung genutzt wird. Melbana Energy-Geschäftsführer Andrew Purcell gab nun bekannt, im ersten Halbjahr 2018 mit den Bohrungen beginnen zu wollen.

An der Konferenz nahmen mehr als 260 Vertreter 70 verschiedener Unternehmen aus 15 Ländern teil. Unter anderem waren Vertreter aus Russland, China, Indien, Deutschland, Kanada, Australien und Mexiko zu Gast.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Energieversorger fordert Kubaner zum Stromsparen auf

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„Kuba braucht Stromeinsparungen.“ Ein Plakat aus der Energierevolution von 2005/6 erscheint in Zeiten der Energiekrise aktueller denn je (Quelle: Carlosstjames.com)

Kubas staatlicher Elektrizitätsversorger UNE hat die Bevölkerung zum Stromsparen aufgerufen. „Es ist unausweichlich, Maßnahmen anzuwenden die zu einer rationellen Energienutzung beitragen und zu unmittelbaren Einsparungen für das Land führen, um Stromausfälle für die Bevölkerung zu vermeiden“, heißt es in einem Statement von UNE gegenüber der Nachrichtenagentur ACN.

Insbesondere in Zeiten der Spitzenlast, zwischen fünf Uhr Nachmittags und 21 Uhr, müssten Einsparungen erfolgen. Dort würde vor allem mit dezentralen Dieselgeneratoren Strom erzeugt, was das Land täglich 1,4 Mio. US-Dollar koste. Wenn jeder Haushalt seinen Stromverbrauch während dieser Zeit um 20 Watt reduziere, würde das dem Land kosten von jährlich 16 Mio. US-Dollar einsparen, rechnet der Energieversorger vor.

Auch zur Mittagszeit zwischen 11 Uhr Morgens und 13 Uhr wären Einsparungen besonders sinnvoll, denn hier werden ebenfalls die teureren Dieselgeneratoren zugeschalten, um die alten Schwerölkraftwerke, welche sich für die Grundlast verantwortlich zeichnen, zu unterstützen.

Kuba befindet sich derzeit in einer akuten Energiekrise. Aufgrund der schwierigen ökonomischen Situation des Haupthandelspartners Venezuela, muss Kuba den Kraftstoffverbrauch in diesem Jahr um 28 Prozent reduzieren, die Importe werden um 15 Prozent zurückgefahren. Präsident Raúl Castro kündigte auf der letzten Parlamentssitzung im Juli ein Sparprogramm an, schloss jedoch Stromabschaltungen für die Bevölkerung aus.

Havannas nächster Solarpark geht ans Netz

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Havannas erster Solarpark auf dem Gelände von Expocuba (Quelle: Granma)

Vor wenigen Tagen ging in Havanna ein weiterer kubanischer Solarpark ans Netz. Die 2.500 Solarpaneele können nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers pro Tag etwa 520 Kilowatt an elektrischer Energie erzeugen. Der „Solarpark Naranjito“ befindet sich im Municipio Boyeros im Süden von Havanna und ist bisher der dritte Solarpark in der kubanischen Hauptstadt.

Seit 2013 errichtet Kuba jedes Jahr knapp ein Dutzend kleinerer Solarparks in allen Provinzen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Der erste Solarpark in der Hauptstadt wurde im November 2013 eröffnet und befindet auf dem Messegelände Expocuba. Ein weiterer Solarpark ging vergangenes Jahr im Stadtteil Guanabacoa in Betrieb.

Bis 2030 will Kuba mindestens 24 Prozent der elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen, unter anderem mit der Errichtung zahlreicher Solarparks, die bis dahin eine Gesamtleistung von 700.000 kW aufweisen sollen.

Weniger Stromausfälle als je zuvor in Kuba

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Der erste kubanische Solarpark ging 2013 in Betrieb (Quelle: Cuba Contemporanea)

Durchschnittlich fünf Minuten am Tag verbrachten die Kubaner vergangenes Jahr ohne Elektrizität. Damit ist die Anzahl und Dauer der Stromausfälle im Jahr 2014 auf ein historisches Rekordtief von 31,3 Stunden pro Person gefallen, wie Kubas staatlicher Stromkonzern Unión Nacional Eléctrica (UNE) jüngst bekannt gab. Nun gelte es, diesen Wert weiter zu reduzieren oder zumindest zu halten, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Im Zuge der Sonderperiode erlebte Kuba nach der Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre eine schwere Energiekrise. Stromabschaltungen von mehreren Stunden pro Tag prägten für viele Jahre den Alltag der Kubaner. Bis in die 2000er Jahre kam es regelmäßig zu längeren Stromausfällen. Erst ab 2005 begann sich die Situation langsam zu entspannen, als im Rahmen der „Energierevolution“ tausende Dieselgeneratoren zur dezentralen Stromerzeugung eingesetzt wurden. Seit 2013 setzt Kuba verstärkt auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, inzwischen hängen die ersten Solarparks bereits am Netz.

Vergangenes Jahr erzeugte Kuba 19.366 Gigawattstunden an elektrischer Energie, 1,2 Prozent mehr als noch 2013. Während der Verbrauch im staatlichen Sektor um 0,8 Prozent zurückging, erhöhte sich der Stromkonsum bei den Privathaushalten um 3,5 Prozent. Aufgrund der veralteten Infrastruktur betragen die Verluste jedoch noch immer 15 Prozent pro Jahr. Bis zum Jahr 2030 plant Kuba 30.000 Gigawattstunden bereitzustellen, wobei der Anteil der erneuerbaren Energien auf 24 Prozent gesteigert werden soll.

Kubas Provinz Cienfuegos – Vorreiter bei den erneuerbaren Energien

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In Cienfuegos geht demnächst der dritte Solarpark ans Netz (Quelle: Radio Rebelde)

Die kubanische Provinz Cienfuegos erzeugt heute 21,5 Prozent ihres Strombedarfs mittels erneuerbarer Energien. Damit liegt die Provinz in Zentralkuba weit über dem Landesdurchschnitt von lediglich vier Prozent. Die kubanische Tageszeitung „Juventud Rebelde“ berichtete jüngst von einem erfolgreichen Fallbeispiel für den Ausbau der erneuerbaren Energien, den sich Kuba auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Insel plant bis zum Jahr 2030 den Anteil erneuerbarer Energien am nationalen Strommix auf mindestens 24 Prozent zu steigern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen sind Investitionen von 3,7 Milliarden US$ notwendig. In der 400.000-Einwohner Provinz Cienfuegos wurde in den vergangenen Jahren bereits kräftig investiert, weshalb man dort dem Ziel bedeutend näher ist als die meisten anderen Landesteile. Doch wie wurde das erreicht?

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Die größte Solarthermische Anlage Kubas im Hotel „Rancha Luna“, Cienfuegos (Quelle: 5 de Septiembre)

Inocente Costa, Mitglied des Wirtschaftsausschusses der Provinz, sagt über den Ausbau der erneuerbaren Energien: „Im Jahr 2010 hatten wir 2 Kilowatt installiert, heute sind es 190 – oder mit anderen Worten: hundert Mal mehr.“ Möglich wurde dies vor allem durch die Errichtung zwier Solarparks und der Installation dutzender solarthermischer Anlagen in Hotels und anderen staatlichen Einrichtungen mit hohem Stromverbrauch. Anders als früher werden heute kaum noch kleinere Solaranlagen von unter 50 Watt installiert, dafür zahlreiche größere Panele ab 150 Watt und größere Parks mit tausenden Panelen.

Doch auf diesem Ergebnis will man sich nicht ausruhen. In nächster Zeit wird die Region ihren dritten Solarpark mit einer Kapazität von 2,5 Megawatt in Betrieb nehmen. Die Kapazität des Wasserkraftwerks im Municipio San Blas soll auf 1,6 Megawatt ausgebaut werden. Da die Provinz über Landwirtschaft und fünf Zuckermühlen verfügt, wird auch der Ausbau der Biogasanlagen entscheidend für die weitere Steigerung der erneuerbaren Energien sein. Mehr als 300 sind geplant, die meisten dafür für staatliche und private Schweinemasten. „Biogas gilt als dekontaminierend für die Umwelt und zusätzlich zur Herstellung von Kraftstoffen mit hohem Methangehalt kann die Restflüssigkeit als Biodünger verwendet werden.“

Dabei sollen nicht nur neue Anlagen errichtet, sondern auch die bestehenden mit neuen Filtersystemen zur Reduzierung von Schwefeldämpfen ausgerüstet werden. In einigen Munizipios wird Biogas bereits zum kochen verwandt und konnte so zu einer Reduzierung des Stromverbrauchs beitragen. „Das schwierigste war das Ausheben des Lochs, was mich eine Woche gekostet hat. Diese Form der erneuerbaren Energien hat keine Nachteile“, sagt der Campesino Francisco Javier aus dem Munizipio Abreus über seine neue Biogasanlage, mit deren Hilfe er ebenfalls Dünger für seine Felder gewinnt.

Internationale Handelsmesse war voller Erfolg für Kuba

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Die kubanische Handelsmesse FIHAV zählt zu den wichtigsten Lateinamerikas (Quelle: Cubahora)

Die 32. Ausgabe der internationalen Handelsmesse FIHAV 2014 ging vergangenen Samstag auf dem Messegelände der Expocuba in Havanna zu Ende. Unternehmen aus über 60 Ländern waren in 25 Pavillons auf der größten Handelsausstellung der Karibik vertreten. Die einwöchige Messe begann am 2. November und stand zum ersten Mal seit ihrer Premiere im Jahr 1983 unter dem Motto ausländischer Direktinvestitionen. Im Juni trat in Kuba ein neues Gesetz über ausländische Investitionen in Kraft, das unter anderem Steuervorteile vorsieht.

Neues Portfolio mit 246 Projekten

„Wir versuchen ausländische Investitionen auf Basis eines breiten und vielseitigen Portfolios zu bewerben, weil wir ausländisches Kapital für jene Projekte fördern wollen, die wir als notwendig für die Entwicklung unserer Wirtschaft idenfiziert haben“, sagte Rodrigo Malmierca, Minister für Außenhandel und ausländische Investitionen bei der Eröffnungsfeier am Montag. Das auf der Messe vorgestellte Portfolio umfasst 246 Projekte mit einer Investitionssumme von insgesamt 8,7 Mrd. US$. Von ihnen befinden sich 25 in der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone von Mariel.

Begleitend zur Vorstellung des Dokuments fanden zahlreiche themengebundene Workshops statt, die über die verschiedenen Sektoren und Projekte gezielt informierten. Mehr als 360 kubanische Firmen waren mit einem eigenen Stand vertreten, darunter auch zwei Kooperativen. Das neue Investitionesgesetz („Ley 118“) wurde den anwesenden Unternehmern in einem Seminar erläutert und auch die Sonderwirtschaftszone von Mariel sowie der dazugehörige Containerhafen waren mit einem eigenen Stand vertreten.

„Ausländische Investitionen sind der schnelle Weg um Wachstumsraten von 5 Prozent zu erreichen, aber dafür darf die jährliche Akkumulationsrate nicht unter 20 Prozent fallen, heute liegt sie jedoch bei 12 Prozent“, sagte der Minister und fügte hinzu, dass mindestens 2 Milliarden Dollar an Investitionsmitteln pro Jahr benötigt würden, um die Entwicklung des Landes zu ermöglichen. Um Verhandlungsprozesse zu vereinfachen, beinhaltet das neue Portfolio konkrete Projektvorschläge samt Machbarkeitsstudien, voraussichtlichen Investitionssummen sowie den Kontaktdaten der kubanischen Partner.

Alle Provinzen, fast alle Sektoren offen für Direktinvestitionen

Das neue PortfolioDer Katalog ist in zwei Teile untergliedert: Im ersten Teil finden sich 25 Projektvorschläge für die Sonderwirtschaftszone, der zweite Teil umfasst 221 Projekte in allen anderen Landesteilen. Die meisten von ihnen befinden sich in den Provinzen Havanna, Artemisa, Matanzas, Ciego de Ávila, Camagüey, Holguín, Sancti Spíritus und Villa Clara. Damit stehen alle Provinzen und fast alle Sektoren der kubanischen Wirtschaft mit geeigneten Projektideen für ausländische Investoren bereit. Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche sind (Anzahl der jeweiligen Projekte in Klammern): Öl (86), Tourismus (56), Landwirtschaft & Nahrungsmittelindustrie (37), Industrie (16), erneuerbare Energien (14), Biotechnologie & Medizin (13) sowie Bergbau (10).

Zusätzlich zu den Projekten beinhaltet der Katalog auch detaillierte Informationen über die jeweiligen Sektoren, sowie die wichtigsten makroökonomischen Kennziffern. Ergänzt wurde das Dokument mit einem Investitionsführer, der ausländischen Investoren den Einstieg in den kubanischen Markt erleichtern soll und nützliche Tipps sowie Ansprechpartner bereithält. Im folgenden werden einige der wichtigsten Projekte des Portfolios nach den jeweiligen Sektoren kurz vorgestellt:

  • Petrochemie (Erdöl): Risikovertrag zur Erkundung von 8 Blöcken mit potentiellen Ölvorkommen auf dem Festland sowie 52 Offshore-Blöcken. 25 Ölbohrungen auf dem Festland, vor allem im Norden der Insel. Ausbau eines Ölfelds in Nordmatanzas.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Ausbau, Schaffung und Modernisierung von Produktionskapazitäten. Förderung von Projekten zur Entnahme von Kohlenwasserstoff.
  • Tourismus: Bau von zwei Golfkomplexen im Wert von insgesamt 960 Mio. US$ in der Provinz Cienfuegos mit Hotelkomplex, 4.900 Wohnhäusern, Spa, Klubhaus und Einkaufsmöglichkeiten. Managementverträge für 33 Hotels in verschiedenen Provinzen (die meisten in Ciego de Ávila und Villa Clara). Erichtung diverser Hotels in Sancti Spíritus und Holguín in Form eines Joint-Ventures.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Errichtung neuer Hotels, Erweiterung der Kapazitäten und der vorhandenen Infrastruktur. Ausgeschlossen wird die Errichtung von Delfinarien. Priorität genießen die Regionen Guardalavaca bei Holguín, die Südküste bei Cienfuegos und Trinidad, Playa Santa Lucia im Norden von Camagüey und der Norden von Las Tunas. Bis 2020 sollen die Hotelkapazitäten des Landes von derzeit 61.500 auf 85.000 Betten aufgestockt werden.
  • Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie: Mehrere Projekte zur Modernisierung von Schlachthäusern, Hühner- und Schweinemasten sowie Molkereien im Wert von insgesamt 500 Mio. US$ in verschiedenen Provinzen des Landes. Projekte zum Anbau von Zitrusfrüchten, Errichtung einer Getränkefabrik, Modernisierung von Einrichtungen zur Kakaoverarbeitung und zur Herstellung von Sojamehl. In der Zuckerindustrie wird die Verwaltung von 4 Zuckermühlen mit einem Investitionswert von je 40 Mio. US$ angeboten. Ziel ist die Modernisierung und Wiederherstellung der ursprünglichen Kapazität der Anlagen.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Förderung von konkurrenzfähigen Unternehmen in der Agrarindustrie, die die Nahrungsmittelproduktion steigern, Importe ersetzen und die Exporte des Landes diversifizieren. Steigerung der Effizienz im Zuckersektor und Herstellung von Zuckerderivaten. Ausgeschlossen von ausländischen Investitionen bleibt der Tabaksektor samt Zigarrenindustrie, Landbesitz ist nicht übertragbar.
  • Industrie: Errichtung einer Fabrik für PCs, Smartphones, LED-Beleuchtung und Tablets in Havanna (Summe: 9,6 Mio. US$). Modernisierung einer Textilfabrik, Erweiterung diverser Anlagen zur Papierherstellung (ca. 180 Mio. US$), Aufbau eines modernen Recyclingsystems in Havanna (115 Mio. US$), Erweiterung eines Stahlwerks in Las Tunas (222,5 Mio. US$), Projekte zur Herstellung und Vermarktung von Autobatterien, Aluminiumgefäßen, Düngemitteln und Verpackungen aus Glas und Pappe.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Modernisierung und Kapazitätserweiterung der Industrie um den heimischen Bedarf zu decken, Importe zu ersetzen und Exporte zu generieren. Schwerpunkte sind Metallindustrie, Leichtindustrie, chemische und Elektroindustrie.
  • Erneuerbare Energien: Errichtung von 10 bioelektrischen Anlagen zur Stromerzeugung aus Bagasse, 30 bis 60 Megawatt mit Investitionssummen zwischen 72 und 144 Mio. US$ (2.400 US$ pro kW). Bau eines Windparks mit 174 Megawatt in der Provinz Guantánamo (285 Mio. US$) und 102 Megawatt in der Provinz Holguín (200 Mio. US$). Zwei Projekte zur Stromerzeugung aus Marabúrückständen (insg. 46 Mio. US$), Solaranlagen, u.a. in Mariel.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Förderung von erneuerbaren Energien, mit dem Ziel ihren Anteil auf 24 Prozent bis zum Jahr 2030 zu erhöhen (derzeit 4 Prozent). Dazu sind in den kommenden 15 Jahren Investitionen von 3,5 Milliarden US$ notwendig. Die umfassende Ausstattung kubanischer Haushalte und Unternehmen mit LED-Beleuchtung, Solaranlagen und Induktionsherden ist geplant.
  • Biotechnologie und Medizin: Alle Projekte dieses Sektors sind derzeit für den Standort Mariel geplant. Darunter eine Fabrik zur Herstellung von Impfstoffen (65 Mio. US$), mehrere Fabriken zur Herstellung natürlicher Medikamente (50 Mio. US$), eine Fabrik zur Herstellung monoklonaler Antikörper (90 Mio. US$), eine Fabrik für die Herstellung von Injektionsmedikamenten mit einer Kapazität von 20 Millionen Ampullen pro Jahr (160 Mio. US$) sowie diverse Pharmaunternehmen zur Herstellung von Verhütungsmitteln und anderen Medikamenten. Eine allgemeine Sektorenpolitik sowie weitere Investitionsvorschläge werden noch erarbeitet.
  • Bergbau: Mehrere Projekte zur Erkundung von Nickel und Kobaltvorkommen, u.a. in Pinar del Río und Camagüey. Erkundungsverträge in diversen Landesteilen für Mineralien, darunter: Gold, Silber, Eisen, Mangan, Nickel, Kobalt und Zink.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Schaffung, Erweiterung und Modernisierung von Produktionskapazitäten. Förderung von Projekten zur Erkundung, Entnahme und Weiterverarbeitung von Mineralien.

Außerhalb dieser Sektoren gab es weitere bemerkenswerte Projekte, z.B. die Verwaltung einer Buszentrale im ÖPNV-System Havannas durch ausländische Partner, oder die Modernisierung zweier Zementfabriken mit einer Investitionssumme von 860 Millionen US$. In der Sonderwirtschaftszone von Mariel steht neben der Biotechnologie auch die Industrie im Vordergrund. Unternehmen zur Herstellung von Glasflaschen und Aluminiumdosen werden ebenso gesucht wie Investoren für eine Reifen- und Ersatzteilfabrik.

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Die Lebensmittelindustrie spielt nicht nur bei den Projekten der Sonderwirtschaftszone in Mariel eine wichtige Rolle (Quelle: Cubahora)

Der Katalog erfreute sich dabei großer Beliebtheit unter den Investoren. Bereits während der Messe wurde von einigen Vertragsabschlüssen berichtet. „Wir sehen dieses Portfolio als einen ersten Schritt, und nicht als ein in Stein gemeißeltes Dokument“, sagte Malmierca. „Morgen kann vielleicht schon ein neues Projekt entstehen und nur weil etwas nicht im Portfolio steht, heißt es nicht, dass es nicht verhandelbar ist.“

Defizite gebe es noch bei der Ausarbeitung von vollständigen Produktionsketten, was bei der nächsten Aktualisierung des Portfolios verbessert werden soll. Zahlreiche Länder nutzten im informellen Rahmen der Messe die Gelegenheit zur langsamen politischen Wiederannährung, während hunderte Unternehmen mit eigenen Ständen auf der 18.500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche mit Kuba in die Verhandlungen traten. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Brasilien: Das Land vergrößterte seine FIHAV-Präsenz im Vergleich zu den Vorjahren von 33 auf 45 Unternehmen und zeigte unter anderem in den Sektoren Mode, Haushaltsgegenstände, Lebensmittel, Kosmetik, Transport, Informatik und Bau Präsenz. Vor allem in der Biotechnologie soll die Kooperation in Zukunft ausgebaut werden.
  • China: Es wurde ein Vertrag in Höhe von 10 Mio. Dollar zum Import von Elektronikwaren unterzeichnet, darunter neue Receiverboxen und TV-Geräte für die Umstellung des kubanischen Fernsehens auf Digitalbetrieb.
    Der Autohersteller Geely plant die Eröffnung eines Montagewerks in Mariel mit einer jährlichen Kapazität von 10.000 Fahrzeugen bis Juni 2015. Der kubanische Bedarf wird auf 3.500 PKW pro Jahr veranschlagt, der Rest soll in die Region exportiert werden. 109 Kubaner sollen in der Fabrik arbeiten, die die Modelle CK, EC7 und EC8 herstellen wird.
  • Deutschland: Deutschland war mit 53 Unternehmen auf der Messe vertreten, darunter Bosch, MAN und ThyssenKrupp. Politisch hat sich die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren kaum um Kuba bemüht. Auf der Messe kritisierten deutsche Unternehmer den mangelnden Rückhalt durch die Politik und die deutsche Botschaft. Insbesondere das Fehlen einer Außenhandelskammer (AHK) sowie eines Büros der deutschen Wirtschaft wird beanstandet. Von kubanischer Seite habe sich die Kommunikation jedoch verbessert, es gebe eine neue Offenheit, zitiert die Deutsche Welle einen Unternehmer.
    Peter Scholz, deutscher Botschafter in Havanna, formulierte vorsichtig, dass man sich durch das neue Investitionsgesetz in Zukunft mehr Handelsverbindungen verspricht. Weitere offizielle Gäste gab es nicht.
  • Italien: Der italienische Vizeminister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, war auf der Messe zu Gast und erklärte, dass sich sein Land aktiv für eine Förderung der Beziehungen mit Kuba einsetzen werde, der Abschluss des neuen Abkommens mit der EU solle beschleunigt werden. Im nächsten Jahr plant er mit einer italienischen Unternehmerdelegation zurückzukehren. In der Zwischenzeit will Italien ein Handelsbüro in Havanna eröffnen.
  • Mexiko: Die 37 mexikanischen Unternehmen zeigten sich interessiert an den neuen Investitionsgesetzen. Derzeit werden 31 Investitionsvorschläge von mexikanischen Partnern verhandelt, unter anderem in den Bereichen Nahrungsmittel, Düngemittel und Maschinenbau. Als sicher gilt die Gründung eines neuen Joint-Ventures unter dem Namen „Flexocaribe„, das die Modernisierung einer Verpackungsfabrik in der Provinz Mayabeque zum Ziel hat, um bis zu 80 Prozent des heimischen Bedarfs zu decken. Das Unternehmen soll noch im ersten Quartal 2015 seine Arbeit aufnehmen. Eine mexikanische Firma zur Herstellung von antikorrosiven Lackierungen will sich ebenfalls in Mariel niederlassen. Außerdem wurde ein Vertrag über professionelle Auditdienstleistungen mit der mexikanischen Firma Miranda & Co. abgeschlossen.
  • Portugal und Großbritannien waren mit hochrangigen Regierungsvertretern und Unternehmerdelegationen zu Gast und verbesserten die Beziehungen mit Kuba. Während sich Portugals Vizepremier Paulo Portas mit seinem Amtskollegen Miguel Díaz-Canel traf, schickte Großbritannien seinen Außenminster Hugo Swire nach Havanna.
  • Russland: Einer der wichtigsten Vertreter im russischen Pavillon war der LKW-Hersteller Kamaz, der die Eröffnung einer Wartungsstation für die in Kuba weit verbreiteten sowjetischen LKWs plant.
  • Spanien: Der iberische Staat war auch dieses Jahr wieder nicht nur der größte Gast in Puncto Ausstellungsfläche, sondern bekräftigte auch seine Rolle als wichtigster Investor. Dieses Jahr war das Land mit 132 Unternehmen in vier Pavillons vertreten, die unterschiedlichste Produkte vorstellten. Botschaftsfunktionäre versichterten gegenüber kubanischen Medien, dass derzeit zahlreiche neue Investitionsvorhaben geprüft würden, unter anderem im Tourismussektor.
  • Südkorea: Das südkoreanische Unternehmen „DOsmunDo“ plant die Eröffnung einer Textilfabrik in der Sonderwirtschaftszone von Mariel.
  • Venezuela: Kubas wichtigster Handelspartner war mit knapp 60 Unternehmen auf 2.000 Quadratmetern Austellungsfläche vertreten. Es wurde ein Abkommen in Höhe von 45 Millionen US$ unterzeichnet, das den Import von venezolanischen Produkten wie Haushaltsgeräten, Baumaterialien, Industriegütern und Fahrzeugen vorsieht.

Insgesamt war die Handelsmesse für Kuba in diesem Jahr ein voller Erfolg. Ricardo Cabrisas, Vizepräsident des Ministerrats, stellte fest: „Die Messe schloss mit einer positiven Bilanz“, die sich auch anhand der besseren Vorbereitung und moderneren Präsentationsmittel gezeigt habe. Kubas Ölindustrie konnte kurzfristig neue Importpartner finden, was als positive Überraschung gewertet werden kann. Mit dem neuen Investitionsgesetz will das Land jedoch vor allem auf lange Sicht die Hemmschwelle für potentielle Investoren senken.

Nach der Liquiditätskrise im Jahr 2010 scheint das Vertrauen ausländischer Geschäftspartner langsam zurückgekehrt zu sein. Mit der Verabschiedung des Investitionsgesetzes im März dieses Jahres hat Kuba Fakten geschaffen. Vizepräsident Miguel Díaz-Canel betonte auf der Messe den Stellenwert der Rechtssicherheit für ausländische Investoren und die Ernsthaftigkeit der kubanischen Regierung im Umgang mit ihnen. Mit dem neuen Portfolio stehen den Unternehmen nun konkrete Projekte samt Risikoanalysen zur Auswahl. Kuba hat damit die Kommunikation verbessert und signalisiert, wer und was am dringlichsten gebraucht wird.

Die Strategie scheint aufzugehen. Mittlerweile hat die Sonderwirtschaftszone von Mariel das Interesse ausländischer Investoren geweckt, mehr als 30 Länder verhandeln derzeit Projekte in dem Gebiet. Und auch die Möglichkeit, Joint-Ventures mit Kooperativen in- und außerhalb der Landwirtschaft zu bilden ist ein Novum. 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird in Kuba von Genossenschaften und Kleinbauern bearbeitet. Ausländisches Kapital könnte eine entscheidende Rolle bei der Steigerung der Lebensmittelproduktion einnehmen.

Dennoch bleiben Einschränkungen, z.B. bei den Kooperativen: „Es wurde festgelegt, dass der Staat immer beteiligt sein muss, um die Konzentration von Reichtum zu verhindern“, erklärte Wirtschaftsminister Marino Murillo diesen März vor dem kubanischen Parlament. Ohne die Zustimmung der Regierung wird auch künftig kein ausländisches Unternehmen im Land Fuß fassen können. Kuba will sich nicht ausverkaufen, sondern prüft vor dem Vertragsabschluss den volkswirtschaftlichen Nutzen und die Langzeitfolgen jedes einzelnen Projekts, was Zeit in Anspruch nimmt.

Noch immer beklagen sich deshalb einige Unternehmer über die Langsamkeit der Kubaner bei der Genehmigung ihrer Investitionsvorhaben. Der Außenhandelsminister nahm die Kritik derweil gelassen auf: „Viele Leute beschweren sich über die Zeit die wir brauchen, aber jeder hat seine eigene Geschwindigkeit“, sagte Rodrigo Malmierca und fügte hinzu: „Wir werden das auf unsere Weise machen – und wir wollen es gut machen.“

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Neue Kochgeräte für Kubas Familien

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Die ersten Geräte der neuen Linie stehen bereits zum Verkauf bereit (Quelle: Granma)

Die kubanische Fabrik für Haushaltsprodukte (INPUD) in Santa Clara hat vor wenigen Tagen eine neue Fertigungslinie für die Produktion von Reis- und Mehrzweckkochern erfolgreich in Betrieb genommen. Damit wird das Unternehmen den Plan von 12.000 Einheiten in diesem Jahr erfüllen können, erklärte der Werksleiter Ernesto Martín Álvarez gegenüber der Granma.

Während die aktuellen Modelle aus China importiert und unter dem Markennamen der kubanischen Fabrik verkauft werden, soll ab 2015 ein vollständig in Kuba entwickelter Reiskocher auf den Markt kommen. Der Manager hob dabei die geplante Qualität des Produkts hervor, dessen elektrische Komponenten weiterhin aus der Volksrepublik stammen werden.

Die „Industria Nacional Productora de Utensilios Domésticos (INPUD)“ wurde am 24. Juli 1964 von Che Guevara gegründet, und hat ihren Sitz in Santa Clara. Im Kontext der geplanten Industrialisierung verfolgte man mit der Gründung das Ziel, den Bedarf an Kühlschränken und Kochutensilien gezielt durch heimische Produktion zu decken. Heute ist das Werk ebenfalls wichtiger Zulieferer für die Tourismusbranche und fertigt neben kleineren Kochgeräten auch Industrieküchen und Ventilatoren. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens sollen in den kommenden Jahren neue Kaffeemaschinen und weitere verbesserte Kochermodelle für den kubanischen Markt entwickelt werden.

Zu den Preisen der Produkte gibt es bisher noch keine Angaben. Sie werden voraussichtlich in den Devisenläden des Landes vermarktet. Seit einigen Jahren vergibt der kubanische Staat im Rahmen der „Energierevolution“ Kredite zum Erwerb von stromsparender Haushaltsgeräte, um den Verbrauch auf der Insel zu senken. Nach Angaben des letzten Zensus von 2012 gibt es derzeit etwa 2,9 Millionen solcher Kochgeräte in kubanischen Haushalten. Erst neulich wurde eine Rahmenstrategie zur kubanischen Energiematrix im Jahr 2030 veröffentlicht. Die Produktion ressourcenschonender Haushaltsgeräte und die Ersetzung von Importen wurden dabei als Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele beschrieben.