Kuba stellt die Bucht von Havanna unter Schutz

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Blick über die Bucht von Havanna (Quelle: Pensandoamericas.com)

Havanna. Die Bucht von Havanna (Bahía de La Habana) und die dazugehörigen Bereiche sind von der Nationalen Denkmalbehörde Kubas (CNM) vor kurzem zur Schutzzone erklärt worden. Ziel der Maßnahme ist es, den kulturhistorischen Wert und das Erscheinungsbild dieses Gebiets zu erhalten. Es schließt Teile mehrerer Bezirke der kubanischen Hauptstadt ein, darunter Guanabacoa, Regla und Casa Blanca.

Die Entscheidung wurde am vergangenen Freitag von Gladys Collazo, Präsidentin der CNM sowie Direktorin des Nationalen Rats für Kulturerbe beim Ministerium für Kultur bekanntgegeben. Diese hat zur Folge, dass nun jeder Eingriff in die Umwelt und jede bauliche Maßnahme an Land oder im Wasser in diesem Teil Havannas genehmigungspflichtig sei, erläuterte Collazo. Die Maßnahme soll auch dem Erhalt von Zeugnissen einer langen industriellen Geschichte dienen, wie den Werftsgebäuden der Astilleros de La Habana oder der Königlichen Tabakfabrik. Verwiesen wird in der Erklärung auch auf die archäologischen Schätze von enormem Wert für die kubanische Nation, die noch im Boden und auf dem Grund der Bucht existieren.

Die Ausweisung als Schutzzone berührt zahlreiche bereits begonnene oder geplante Projekte staatlicher und anderer Akteure in dem Gebiet, die auf einem Entwicklungsplan des Büros des Stadthistorikers beruhen. Diese hätten nunmehr  klare gesetzliche Regeln, um sie auf die richtige Art zu verwirklichen, so Collazo. Die Präsidentin informierte außerdem darüber, dass Kuba nach 1998 ein weiteres Mal als Ausrichter des Lateinamerikanischen Kolloquiums über Industrielles Erbe ausgewählt worden sei. Die Veranstaltung findet im März kommenden Jahres in Havanna statt.

Seit ihrer Gründung 1519 als Villa de San Cristóbal de La Habana ist die Entwicklung der Stadt eng mit ihrer strategisch günstigen Lage an der Bucht verbunden. Als eine der größten der Welt bildet die taschenförmige Bucht einen sicheren natürlichen Hafen für die Schifffahrt. Im Jahr 1552 wurde Havanna die Hauptstadt Kubas. Hier war die spanische Flotte stationiert, und Havanna war Umschlagplatz unter anderem für Gold, Silber und Edelsteine, die aus der „Neuen Welt“ nach Europa transportiert wurden. Das begründete das Wachstum und den wirtschaftlichen Aufschwung Havannas in der Frühen Neuzeit. Mit prächtigen kolonialen Bauten, den Festungsanlagen San Cristóbal sowie der berühmten Uferpromenade Malecón, die schrittweise saniert wird, ist die Küste Havannas auch von großer Bedeutung für den Tourismus. In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung haben die Behörden in den vergangenen Jahren im Bereich der Bucht auch ihre Anstrengungen zur Beseitigung von Verschmutzungen und Umweltschäden verstärkt.

von Peter Steiniger / Amerika21

Mariel zieht hunderte Investoren an

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Der Hafen von Mariel hat inzwischen den alten Hafen von Havanna als wichtigsten Containerport des Landes abgelöst (Quelle: ACN)

Die Entwicklung in Kubas neuer Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) scheint langsam an Fahrt aufzunehmen. Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins „Cuba Standard“ wurden bereits 120 Projekte genehmigt, wobei insgesamt über 300 Anfragen von ausländischen Unternehmen eingegangen sind. Anfang März wurde bekannt, dass die mexikanische Firma Richmeat als erstes Unternehmen in der Sonderwirtschaftszone Fuß fassen wird.

Von offizieller Seite hält man sich in Kuba stark bedeckt über neue Investitionsprojekte. Seit der Eröffnung der Sonderwirtschaftszone samt zugehörigem Containerport im Januar 2014 wurde es ruhig um das Megaprojekt. „Die genehmigten Projekte befinden sich in der Phase der Geschäftsanmeldung und werden bekannt gegeben, sobald sie auf dem Standort gegründet wurden“, sagte jüngst die Direktorin der Sonderwirtschaftszone, Ana Teresa Igarza, gegenüber der Nachrichtenagentur „Prensa Latina“.

Unter der Bedingung der Anonymität gaben kubanische Funktionäre jedoch einige Details bekannt. Viele der Interessierten Firmen kommen demnach aus Europa, China, Südkorea und Vietnam. Zu den herausragendsten Projekten, die nach Angaben von „Cuba Standard“ bereits genehmigt wurden, zählt eine Autofabrik des chinesischen Herstellers Geely sowie ein Joint-Venture mit einer chinesischen Toyota-Tochter. Auch der südkoreanische Konzern Hyundai plant offenbar eine Fabrik in Mariel zu errichten.

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Der Transport- und Logistikbereich im Bau (Quelle: ZEDM)

Die bisher genehmigten Projekte hätten eine Investitionssumme von insgesamt einer Milliarde US-Dollar. Dabei seien auch 30 Projekte wegen ihres zu geringen Umfangs abgelehnt worden, Mariel soll vor allem eine Anlaufstelle für große internationale Unternehmen werden. Mit Sicherheit bestätigt sind bisher lediglich drei Projekte: Eine Firma zur Herstellung von orthopädischen Prothesen durch das deutsche Unternehmen Otto Bock, ein Unternehmen zur Fabrikation von Waschmitteln und Windeln durch die vietnamesische Thai Binh Investment Trading Corp. sowie die Eingangs erwähnte Fleischverarbeitungsanlage des mexikanischen Unternehmens Richmeat S.A.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Sonderwirtschaftszone vor über einem Jahr war zunächst lediglich die Basisinfrastruktur rund um den Hafen fertiggestellt. Vergangenen Sommer wurde die Zugverbindung nach Havanna eingeweiht, diese wird aktuell um ein Verladeterminal für Container ergänzt. Der Logistik- und Lagerbereich soll noch in diesem Sommer fertiggestellt werden. Dabei hat der Hafen von Mariel mittlerweile die Funktionen des alten Hafens von Havanna übernommen und arbeitet derzeit mit einer Kapazität von 250.000 Containern pro Jahr (TEU). Die Umstellung erfolgte ab Sommer 2014.

Mit der derzeitigen Tiefe von über 13 Metern kann die Bucht bereits Containerschiffe der Panamax-Generation aufnehmen. Bis zur Eröffnung des Panama-Kanals im Juni 2016 soll der maximale Tiefgang auf 18 Meter erhöht werden, so dass auch die weltweit größten Containerschiffe der Post-Panamax Generation in Mariel andocken können. Die Verladekapazität des Hafens soll dann schrittweise auf über 820.000 TEU gesteigert werden. Bei entsprechender Nachfrage wird mit einer Verdopplung des Piers auf 2,4 Kilometer Länge gerechnet. In diesem Fall könnte der Hafen bis zu 3 Millionen TEU abfertigen.

In den nächsten Jahren könnte sich Mariel zu einem bedeutenden Logistikzentrum für die gesamte Region entwickeln. Dass ausländische Investoren – auch im Zuge der Wiederannäherung an die USA – verstärkt auf die Sonderwirtschaftszone schauen, bestätigt der Ökonom Pavel Vidal in einem Bericht des „Cuba Standard“. Die Mehrzahl der ausländischen Investitionsvorschläge würden sich auf die Sonderwirtschaftszone von Mariel und den kubanischen Tourismussektor konzentrieren. Von 106 befragten Unternehmern die in Kuba aktiv sind, erwarten 61 Prozent noch in diesem Jahr eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen auf der Insel. Viele der geplanten Projekte werden jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte an den Start gehen. Das entscheidende Jahr für Mariel wird deshalb wohl 2016 heißen.

Tourismus nimmt im Januar an Fahrt auf

Varadero, Cuba

Hotelkomplex in Varadero. Die Anzahl der Touristen in Kuba legte im Januar um 16% gegenüber dem Vorjahresmonat zu.  (Quelle: cmbtravel)

Die kubanische Tourismusindustrie erlebt gerade ein deutliches Wachstum. Allein im Januar 2015 kamen 371.160 Besucher auf der Insel an, 16 Prozent mehr als im selben Monat vergangenen Jahres. Nach Angaben der kubanischen Statistikbehörde ONE kommt knapp die Hälfte der Touristen aus Kanada, gefolgt von Deutschland, England und Frankreich als den wichtigsten Herkunftsländern. Die Wintermonate von November bis März markieren die Hochsaison für den Tourismus in Kuba.

Kuba profitiert bereits von der Erleichterung der Reisebestimmungen für US-Amerikaner, die im Vorfeld des Dialogs mit den Vereinigten Staaten im Dezember von Barack Obama per Dekret erlassen wurde. Im letzten Jahr besuchten 3 Millionen Menschen die Insel, 5 Prozent mehr als noch 2013. Kubas Tourismusindustrie könnte bei anhaltendem Wachstum dabei schon bald an die eigenen Kapazitätsgrenzen stoßen.

Verbesserungsbedarf gibt es nicht nur in Bezug auf die Qualität, sondern vor allem bei der Anzahl der Unterkünfte. Derzeit verfügt Kuba über 61.000 Schlafplätze, bis zum Jahr 2020 sollen es ingesamt 85.000 werden. Dafür sind auch Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Zahlreiche Projektvorschläge für ausländische Direktinvestitionen zielen deshalb auf den Tourismus ab, der gerade in Kubas östlichen Provinzen besser entwickelt werden soll.

Auch die Hafen- und Flugverkehrsinfrastruktur des Landes wird derzeit modernisiert. So kündigte die brasilianische Baufirma Odebrecht am Montag an, Terminal 3 des internationalen Flughafens „José Martí“ in Havanna ausbauen zu wollen. Das Unternehmen war bereits an der Errichtung des Containerports von Mariel beteiligt.  Noch diesen Monat sollen die Arbeiten am Terminal beginnen, die insgesamt 207 Mio. US$ kosten werden. Langfristig plant Kuba mit russischer Hilfe einen neuen internationalen Flughafen im 10 Kilometer entfernten San Antonio de los Baños zu errichten.

Kuba genehmigt erstes Projekt in Mariel

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Containerterminal in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Traveltradecaribbean)

Havanna. Eine mexikanische Firma wird als erstes ausländisches Unternehmen in der kubanischen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) investieren. Dies verkündete das mexikanische Außenministerium am vergangenen Samstag in einer Pressemitteilung.

Die Firma Richmeat plant, eine Fabrik zur Verarbeitung und Verpackung von Fleischwaren in Kuba zu errichten, gab das Ministerium bekannt. Das Unternehmen sei „die erste Firma von internationalem Rang, die die Genehmigung für ein Investment in Mariel erhalten hat“, hieß es in der Erklärung weiter.

Die Sonderwirtschaftszone Mariel liegt in der westlichen Provinz Artemisa und erstreckt sich über eine Fläche von 466 Quadratkilometern. Sie wurde zusammen mit einem modernen Containerterminal im Januar 2014 eröffnet. Vergangenen Sommer wurde der Hafen an das kubanische Schienennetz angeschlossen. Derzeit laufen weitere Arbeiten zur Errichtung von Lager- und Kühlhäusern auf dem Gelände.

Im vergangenen Jahr informierten die kubanischen Behörden, dass 23 verschiedene Projektvorschläge überprüft würden, die meisten davon aus Spanien, Frankreich, Italien, Brasilien, Russland und China. Bisher wurde jedoch noch keines der anderen Projekte genehmigt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kuba erweitert Hafen von Santiago de Cuba

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Bis 2018 soll der Hafen von Santiago de Cuba ausgebaut werden (Quelle: Panoramio)

In den vergangenen Tagen hat der Ausbau des Hafens von Santiago de Cuba begonnen. Der „Puerto Guillermón Moncada“ ist der zweitgrößte Frachthafen Kubas und soll bis 2018 ein neues Containerterminal bekommen, um die vorhandenen Kapazitäten zu steigern und damit den Handel im gesamten Oriente zu verbessern. Nach dem Hafenausbau von Mariel, wird nun auch in der östlichen Metropole Santiago ein modernes Containerterminal entstehen, das um ein Industriegebiet ergänzt wird.

Mit Hilfe einer chinesischen Baufirma wird in den kommenden Jahren ein Mehrzweck-Terminal errichtet, das mit Hilfe dreier Landestege Schiffe auf einer Länge von 231 Metern aufnehmen kann. Durch das Ausbaggern der Bucht sollen künftig Schiffe mit bis zu 40.000 Tonnen Fracht und 14 Metern Tiefgang entladen werden können, bisher können nur Schiffe bis zu 20.000 Tonnen in Santiago andocken. In Zukunft soll der jährliche Warenumsatz des Hafens auf 565.000 Tonnen gesteigert werden.

Zusätzlich zum Hafen wird auf dem Gelände ein Industriegebiet von mindestens 10 Hektarn Größe entstehen, welches potentiell zu einer neuen Sonderwirtschaftszone werden könnte. Zwei neue Lagerhäuser und modernste Logistiktechnologie sollen den Warenaustausch effizienter und kostengünstiger machen. Zudem erhält das neue Terminal ebenso wie in Mariel direkten Anschluss an das Schienennetz.

Mit der Hafenerweiterung will Kuba wesentliche Konzepte des Projekts von Mariel im kleineren Maßstab für den Oriente verfügbar machen. Verantwortliche Ingenieure erklärten gegenüber der kubanischen Nachrichtenagentur ACN, dass mit dem neuen Terminal ein zentraler Warenumschlagsplatz für alle östlichen Provinzen des Landes entstehen soll, der auch den Binnentransport in Kuba erleichtern wird. Vor einigen Wochen kamen bereits die ersten chinesischen Ingenieure an, um das Gelände vor Ort zu begutachten. Das 120-Millionen Dollar Projekt soll bis Anfang 2018 fertig sein und wird mit Hilfe chinesischer Kredite finanziert.

Havanna feiert 495-jähriges Bestehen

Zwei markante Gebäude Havannas befinden sich in den Händen der Restaurateure

Zwei markante Gebäude der Stadt befinden sich augenblicklich in den Händen der Restaurateure: Das Revolutionsmuseum (links) und das Kapitol der kubanischen Hauptstadt (Quelle: Radiorebelde)

Am 16. November feierte die kubanische Hauptstadt Havanna ihr 495-jähriges Bestehen. Die Stadt wurde im Jahr 1519 auf Geheiß der spanischen Krone als San Cristóbal de la Habana gegründet und ist eine der ältesten Kolonien in der Neuen Welt. Mit über zwei Millionen Einwohner ist Havanna heute die größte Metropole der Karibik. Zum Jubiläum gab der Stadthistoriker Eusebio Leal einen Überblick über geplantes und bereits erreichtes bei der umfangreichen Restaurierung der Altstadt.

Sanierung in Zeiten knapper Kassen

Seit 1982 ist die historische Altstadt La Habana Vieja anerkanntes UNESCO-Weltkulturerbe. Zwar leben hier nur knapp 90.000 Habaneros, wie sich die Einwohner der Stadt selbst nennen, doch zählt die Altstadt mit ihren barocken und neoklassizistischen Bauten zu den besterhaltendsten Kolonialstädten Amerikas. In den 1950er Jahren plante der Diktator Fulgencio Batista noch den kompletten Abriss des Viertels, was durch die Revolution verhindert wurde.

Nach dem Sieg der Revolution konzentrierte sich die Politik zunächst auf die Entwicklung des ländlichen Kubas. Das Übergewicht Havannas wurde zugunsten regionaler Entwicklungsprogramme reduziert, die Lebensverhältnisse haben sich in den verschiedenen Provinzen langsam angeglichen. In der Folge wurde allerdings die Restauration des kolonialen Erbes vernachlässigt. Eine Situation, die sich erst mit der Öffnung zum Tourismus Ende der 1980er Jahre langsam zu ändern begann.

Im Jahr 1994 schließlich wurde der Historiker Eusebio Leal Spengler beauftragt, die umfangreiche Restaurierung der Hauptstadt zu koordinieren. Diese sollte sich in Zeiten knapper Kassen vor allem durch Einnahmen aus dem Tourismus refinanzieren. Mit einem Startkapital von einer Million US-Dollar hat die staatliche Firma Habanaguex vor zwanzig Jahren damit begonnen, koloniale Prachtbauten in Hotels, Gaststätten und Museen zu verwandeln.

Tourismus und sozialer Wohnungsbau

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Teatro Martí nach der Sanierung (Quelle: Cubanet.org)

Mittlerweile ist der Tourismussektor der Hauptstadt mehrere hundert Millionen Dollar schwer, mit steigender Tendenz. Knapp die Hälfte der drei Millionen Touristen, die jedes Jahr in Kuba zu Gast sind, statten der Hauptstadt einen Besuch ab. Deren Hotelsektor zählt mittlerweile 60 Einrichtungen mit über 13.000 Unterkünften. Dadurch können jedes Jahr ca. 8 Millionen US$ durch Habanaguex in Restaurationsarbeiten investiert werden. Insgesamt flossen letztes Jahr 2,4 Milliarden US$ in die Wirtschaft der kubanischen Hauptstadt, knapp die Hälfte aller staatlichen Investitionen.

Eine wichtige Rolle bei der Sanierung Havannas spielt die Berücksichtigung des sozialen Aspekts. So werden die Einwohner der Altstadt während der Restauration zeitweise umgesiedelt, dürfen danach allerdings kostenlose wieder in ihre frisch hergerichteten Wohnungen zurückkehren. Auch sozialer Wohnungsbau und öffentliche Kultureinrichtungen werden vom Unternehmen des Stadthistorikers kofinanziert und sollen der Gentrifizierung entgegenwirken. Auf diese Weise konnten hunderte vom Verfall bedrohte Wohnhäuser der Kolonialära gerettet werden.

Anlässlich des Jubiläums trat der deutschstämmige Eusebio Leal jüngst vor die kubanischen Medien, um Auskunft über den Stand der Arbeiten zu geben. „Ich bin froh, dass wir heute nicht das 500. Jubiläum feiern, sondern das 495.“, sagte Leal. Für das nächste Jubiläum 2019 müsse ein „wackerer Aufwand für Havanna betrieben werden, der sich nicht auf das Streichen von Fassaden beschränkt“, so Leal. Bereits 2015 sollen 21 neue Projekte realisiert werden.

Zu den bedeutendsten Vorhaben die dieses Jahr fertiggestellt wurden zählt die Wiedereröffnung des seit 1977 geschlossenen Teatro Martí. Auch die Sanierung eines alten Warenhauses im Hafenviertel, das in eine Bierbrauerei umfunktioniert wurde sowie die Neueröffnung der legendären Slappy Joe’s Bar wurden in diesem Jahr bewältigt. Zahlreiche historische Cafés, Museen und Wohngebäude wurden 2014 restauriert, ebenso das zentrale Reiterdenkmal für Calixto García.

Das Hafenviertel rückt in den Fokus

Im kommenden Jahr soll die Generalüberholung der Stromleitungen und der Kanalisation der Altstadt abgeschlossen werden, deren Baufortschritt derzeit bei 55 Prozent liegt. Gleichzeitig werden Glasfaserleitungen verlegt, um die Kolonialstadt fit für die Zukunft zu machen. Doch der Stadthistoriker will sich nicht auf La Habana Vieja beschränken, sondern für das 500-jährige Jubiläum auch den neueren Stadtteilen ihre alte Schönheit zurückgeben.

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Neue Brauerei im Hafenviertel Havannas (Quelle: Thecubanhistory)

Für die nächsten Jahre ist ein umfangreiches Programm zur Aufwertung des Hafenviertels angesetzt. Durch die Eröffnung des Containerports von Mariel, 45 Kilometer westlich der Hauptstadt, soll der gesamte Frachtverkehr der Hauptstadt schrittweise auf den neuen Port verlagert werden. So verliert der Hafen von Havanna nach vielen Jahrhunderten seine ursprüngliche Funktion, mit der er die Entwicklung der Stadt maßgeblich prägte.

Für die Bewohner dürfte das kein Grund für nostalgische Gefühle sein, denn der rege Schiffsverkehr verschlechtert die Wasser- und Luftqualität in der Hafengegend nicht unerheblich. Durch die Stillegung des Hafens wird so eine touristische Umnutzung des gesamten Stadtteils erst möglich. Hierzu soll die Uferpromenade Avenida del Puerto stellenweise ausgebaut werden, beim historischen Zollgebäude wird derzeit ein begehbarer Mittelstreifen zur Fahrbahntrennung integriert.

Ebenfalls in Arbeit ist die Restaurierung der Kaimauer San Francisco, die Erneuerung des Kreuzfahrtterminals Sierra Maestra, sowie die Sanierung des historischen Bürogebäudes Hines. Der Plan reicht zeitlich bis ins Jahr 2017 und sieht Investitionen in Höhe von 50 Millionen US$ vor. Nach 2017 soll die Kaimauer von La Coubre restauriert und ein Hafen für touristischen Schiffs- und Yachtverkehr errichtet werden. Entlang der Uferpromenade sollen zahlreiche alte Lagerhäuser in Restaurants, Geschäfte und Kulturzentren umgewandelt werden.

Die Hauptstadt der Zukunft

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Bauarbeiten im Hafenviertel (Quelle: wunitv.com)

In den kommenden Jahren soll sich Havanna im Südosten stärker dem Meer öffnen, was in Zukunft auch durch den Rückbau von Industrieanlagen bzw. deren Verlagerung in die Sonderwirtschaftszone von Mariel begünstigt werden könnte. So plant das Büro des Stadthistorikers auf lange Sicht einen neuen Malecón am südlichen Teil der Bucht zu errichten. Mit neuen Wohnanlagen soll sich der Stadtteil eigenständig entwickeln und durch ein dichteres Busliniennetz mit einem aufgewerteten Stadtzentrum verbunden werden.

Auch im Zentrum, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert errichtet wurde, laufen die Arbeiten derzeit auf Hochtouren. Vor wenigen Monaten wurde dort das aus Mafiazeiten bekannte Hotel Capri im Stil der 30er Jahre wiedereröffnet. Bis 2018 soll die Restauration des Kapitols abgeschlossen sein. Das Nationaltheater und das Gebäude des Revolutionsmuseums befinden sich derzeit in der Endphase ihrer Sanierung. In letzter Zeit rücken auch Themen wie Schul- und Krankenhaussanierungen sowie der soziale Wohnungsbau in den Vordergrund.

In Kuba wird auf lange Sicht geplant, das gilt auch für die Hauptstadt. Parallel zur Erarbeitung des Perspektivplans für das Jahr 2030 hat auch das Büro des Stadthistorikers seine Vision für das künftige Havanna beschrieben: Eine Stadt der Forschung, des geistigen Kapitals und der Kreativwirtschaft. Gleichzeitig soll Havanna eine regierbare, demokratische, dezentralisierte und wohnliche Stadt sein, die kommunale Dienstleistungen wie ÖPNV von hoher Qualität anbieten kann.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg für Havanna, wo die Probleme der Sonderperiode wie Wohnungsnot und das schlecht funktionierende Verkehrssystem erst noch bewältigt werden müssen. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist allerdings die touristische Erschließung und Sanierung, mit deren Hilfe Schritt für Schritt die notwendigen Investitionsgelder gesammelt werden können. In den letzten Jahren wurde so bereits viel erreicht. Die enthusiastischen Pläne von Eusebio Leal lassen hoffen, dass bis zum großen Jubiläum im Jahr 2019 zumindest ein Teil des neuen Havannas bereits Wirklichkeit ist.

In Mariel beginnen die ersten 15 Projekte

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Neuer Hafen samt Containerterminal in Mariel, 45 Kilometer westlich von Havanna. (Quelle: ZEDM)

Die im November 2013 eröffnete Sonderwirtschaftszone in Mariel, ca. 45 Kilometer westlich von Havanna, wird noch in diesem Jahr mit den ersten 15 Investitionsprojekten beginnen. Dies gab Ana Teresa Igarza, Direktorin der Zonenverwaltung, gestern in Havana bekannt. Die Namen der ausländischen Unternehmen, welche an den Investitionsprojekten beteiligt sind, nannte die Funktionärin nicht. Allerdings soll die Mehrzahl von ihnen aus Spanien, Russland, Italien, China und Brasilien stammen. Die Projekte konzentrieren sich vor allem auf die „traditionelle Industrie“, sowie die Sektoren Nahrungsmittelproduktion und Biotechnologie.

„Sie sind ziemlich weit fortgeschritten, es sind etwa 15, mit denen wir eine kontinuierliche und persönliche Zusammenarbeit haben, mit dem Ziel, die notwendigen Dokumente so schnell wie möglich vorzuzeigen“, sagte die Direktorin gegenüber Vertretern der kubanischen Presse am Rande der internationalen Baumesse in Havanna. Die Messe findet seit 1998 statt und soll in diesem Jahr die Vertreter ausländischer Unternehmen für Investitionen in den kubanischen Bausektor begeistern. In diesem Jahr waren 160 Firmenvertreter aus 23 Ländern nach Havanna gereist, positive Reaktionen gab es vor allem aus Spanien. Insbesondere für die Herstellung von Keramikprodukten, Wandpanelen, Rohren und Metallstrukturen sucht Kuba ausländische Partner, um den Bausektor des Landes wiederzubeleben.

Ende Januar waren bereits 138 Anfragen bei der Verwaltung der Sonderwirtschaftszone eingetroffen, davon 72 zur Realisierung konkreter Projekte und 66 für weitere Informationen. Dabei gab es bereits die ersten Absagen: So berichtet ein anonymer Vertreter eines Großkonzerns gegenüber der Website Cubastandard, dass sein Vorschlag zur Errichtung eines Servicecentrums abgelehnt wurde. Die Ablehnung an sich stellt dabei ein Novum dar, denn früher verliefen die Verhandlungen mit ausländischen Investoren bei einem Fehlschlag meist im Sande, eine explizite Absage erhielten nur die wenigsten. Dies ändert sich jetzt mit dem neuen Regelwerk, das für die Bearbeitung der Anfragen klare Fristen vorsieht.

Am 29. März hat das kubanische Parlament ein neues Gesetz über Auslandsinvestitonen verabschiedet, nachdem bereits im November 2013 die Investitionsbedingungen in Mariel veröffentlicht wurden, die neben 100% ausländischem Eigentum auch Steuerbefreiungen in den ersten 10 Jahren vorsehen. Der zur Sonderwirtschaftszone gehörige Containerhafen, mit einer Kapazität von 825.000 Containern (TEU) pro Jahr hat im Januar 2014 seinen Betrieb aufgenommen. Er wurde durch die brasilianische Baufirma Odebrecht mit einem Kredit in Höhe von 900 Millionen US$ errichtet. Bis zum Juni soll die Zugverbindung nach Havanna fertiggestellt sein, ebenso wie die Logistikeinheit des Hafens. Derzeit wird noch an der Verlegung der Glasfaserleitungen für einen schnellen Internetzugang gearbeitet. Erst neulich erhielt Kuba einen neuen Kredit in Höhe von 290 Millionen US$ von der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES, um die Infrastruktur der Sonderwirtschaftszone zu errichten.

Auch das Entlohnungssystem in Mariel wird sich vom Rest des Landes unterscheiden: Während die staatliche Vermittlungsagentur 20 Prozent des Lohns einbehält, wird der Rest für den Angestellten in nationaler Währung zu einem Kurs von 1:10 ausbezahlt. Bei einem Lohn von 1000 US$ bzw. CUC würde dies also bedeuten, dass dem Arbeiter nach Abzug der 20 Prozent 8.000 Peso (ca. 320 US$) blieben. Durch diese Aufwertung des CUP wird in Mariel der mögliche künftige Wechselkurs von 1:10 vorweggenommen, gleichzeitig kann der Staat Devisen abschöpfen: Bei einer Fabrik von 100 Arbeitern, in denen jeder 1.000 US$ monatlich verdient, werden durch die 20%ige Lohnabgabe gut 240.000 US$ pro Jahr in die Staatskassen gespült. Auch dies kann als deutliches Indiz dafür gesehen werden, dass die kubanische Regierung im Vorfeld der Währungsreform ein Liquditätspolster aufzubauen versucht, um den neuen Peso untersetzen zu können. Für die Arbeiter in Mariel bedeutet das jedoch vor allem einen Job mit landesweiten Höchstlöhnen zu erhalten.

Der Erfolg der Sonderwirtschaftszone wird entscheidend für das Gelingen aller weiterer Vorhaben, insbesondere der Währungsreform, sein. Die Chancen für einen Erfolg stehen gut, neben 31 brasilianischen Unternehmen haben auch Vertreter aus China, Spanien, Frankreich, Russland und Vietnam Geschäftsbesuche im Juni angekündigt. Derzeit befindet sich der französische Außenminister in Havanna, um den Dialog mit der EU wieder aufzunehmen, dabei werden wohl auch wirtschaftliche Aspekte erörtert werden. In Miami macht man sich derweil um den Zustand der eigenen Infrastruktur sorgen, die örtliche Hafenverwaltung will derzeit zur sozialistischen Konkurrenz lieber keine Stellung nehmen – auch das darf als gutes Omen gewertet werden.