Fidels letzte Kundgebung auf dem Revolutionsplatz

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Millionen Kubaner versammelten sich gestern Abend auf Havannas Revolutionsplatz (Quelle: Cubadebate)

Ein letztes Mal versammelten sich gestern Abend Millionen Kubaner auf Havannas hell erleuchtetem Revolutionsplatz, um Fidel Castro mit den Beiträgen zahlreicher ausländischer Staats- und Regierungschefs zu würdigen. Heute Morgen brach der Trauerzug mit seiner Urne nach Santiago de Cuba auf. „Fidel ist Tod. Aber er ist ungeschlagen gestorben“, sagte Ecuadors Präsident Raphael Correa, der unter dem Beifall der Menschenmenge den ersten Redebeitrag übernahm.

Dutzende Staatsmänner aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa waren angereist, um ihrem Freund, Kollegen und Mentor die letzte Ehre zu erweisen. Insgesamt gab es 18 Redebeiträge. Das Wort ergriffen neben Venezuelas Präsident Nicolás Maduro auch der südafrikanische Staatschef Jacob Zuma, Vertreter der Volksrepublik China und Russlands sowie der griechische Premierminister Alexis Tsipras.

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Der Revolutionsplatz verwandelte sich gestern in ein Menschenmeer (Quelle: Cubadebate)

„Der Tod des Genossen Fidel ist ein schmerzhafter Verlust für das südafrikanische Volk“, sagte Zuma auf dem Podium. Kuba habe selbstlos für die Befreiung seines Landes von Apartheit und Unterdrückung gekämpft. Die Kubaner seien nicht gekommen, um nach Diamanten, Gold oder Öl zu suchen sondern um einen altruistischen Kampf zu unterstützen.

„Fidel hat dem kubanischen Volk ein wertvolles Erbe auf den Gebieten der Bildung, der Ausrottung des Analphabetismus, der Gesundheit und der hohen Standards in Wissenschaft und Kultur hinterlassen“, urteilte der griechische Premier Alexis Tsipras. Es sei eine Ehre für ihn, Castro in Vertretung des griechischen Volkes würdigen zu können.

Chinas Vizepräsident Li Yuanchao fand warme Worte. „In diesem bitteren Moment schlägt das Herz des chinesischen Volkes gemeinsam mit dem kubanischen“, sagte Li. Fidel habe einen großen Beitrag zum Aufbau und Entwicklung des Sozialismus im globalen Maßstab geleistet und viel für das kubanisch-chinesische Verhältnis getan, erklärte der Vertreter des chinesischen Präsidenten in Havanna.

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Auf dem Anhänger eines olivgrünen Militärjeeps wird Fidel Castros Urne derzeit bis nach Santiago de Cuba gefahren (Quelle: Cubadebate)

In ähnlicher Weise äußerte sich auch die Präsidentin des vietnamesischen Parlaments, Nguyen Thi Kim Ngan. Kuba sei bereit gewesen, sein Blut für Vietnam zu vergießen. Sie versicherte Vietnams „unerschütterliche und kämpferische Solidarität mit dem kubanischen Volk.“ Fidel werde in den Herzen der Kubaner ewig weiterleben, so Nguyen.

„Mission erfüllt, Comandante Fidel!“, rief Venezuelas Präsident Nicolás Maduro unter dem Jubel der Menge auf dem Platz. Während der Beiträge waren immer wieder Sprechchöre mit „Viva Fidel!“, „Viva Cuba!“, „Venceremos!“ und „Yo soy Fidel!“ zu hören. Das letzte Wort auf der gut vierstündigen Veranstaltung hatte Kubas Präsident Raúl Castro. Er erinnerte an die zahlreichen historischen Ereignisse, die er hier auf dem Revolutionsplatz zusammen mit seinem Bruder erlebte. „Von diesem Platz aus sagen wir dir zusammen mit unserem selbstlosen, kämpferischen und heroischen Volk: ¡Hasta la victoria siempre!“, schloss Raúl seine Rede.

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Die „Karavane der Freiheit“ entlang des Malecón in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Heute morgen um 7 Uhr wurde Fidel Castros Urne schließlich aus dem Ministerium der Streitkräfte auf einen olivgrünen Anhänger transportiert mit dem er im Rahmen der „Karavane der Freiheit“, in Anlehnung an den historischen Befreiungszug der Revolutionäre, zurück nach Santiago gefahren wird. Jener rebellischen Stadt, in der die kubanische Revolution mit dem Angriff auf die Moncada-Kaserne 1953 einst ihren Anfang nahm.

Die Straßen entlang der Karavane sind von tausenden Menschen gesäumt, die teilweise mit Flaggen und Bildern des „Comandante“ gekommen sind, um Fidel auf seiner letzten Reise noch einmal zu grüßen. Derzeit befindet sich der Zug in Matanzas, von wo aus er in den nächsten drei Tagen bei mehreren Stops über Zentralkuba die Stadt Santiago ansteuern wird.

Hier soll am Samstag Abend eine letzte Trauerkundgebung stattfinden, bei der Raúl Castro abermals das Wort ergreifen wird. Am Sonntag Morgen wird Castro dann auf Santiagos Friedhof Santa Ifigenia in der Nähe des Nationalhelden José Martís beigesetzt.


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Die Route des Trauerzugs durch Kuba (Quelle: Cubadebate)

Millionen nehmen Abschied von Fidel Castro

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Hunderttausende pilgerten in den vergangenen Stunden auf den Revolutionsplatz in Havanna, um Fidel Castro die letzte Ehre zu erweisen (Quelle: Granma)

Die Schlange vor dem Denkmal José Martís auf Havannas Revolutionsplatz scheint nicht abzureißen. Hunderttausende Bewohner der Hauptstadt haben sich gestern und heute aufgemacht, um ihrem am Freitag verstorbenen Revolutionsführer die letzte Ehre zu erweisen und sich im Kondolenzbuch einzutragen. Doch nicht nur in Havanna war der Andrang groß, im ganzen Land fanden sich bis gestern fast zwei Millionen Menschen an einem der über 11.000 eigens eingerichteten Gedenkschreine ein, die bis 22 Uhr geöffnet waren.

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Gedenkschrein in Guantánamo, rechts auf der Tafel: Fidels „Konzept der Revolution“ (Quelle: Venceremos)

Das Parteiorgan „Granma“ schrieb, die Einheit der Kubaner sei jetzt „die beste Art, ihm Ehre zu erweisen.“ Und so nimmt es nicht Wunder, dass viele Personen der Aufforderung nachkamen, das von Fidel einst im Jahr 2000 formulierte Revolutionskonzept, ein kurzer Auszug aus der Rede zum damaligen ersten Mai, zu unterzeichnen. Pioniergruppen und ganze Betriebskollektive marschierten geschlossen und in langen Schlangen zu den Trauerschreinen, viele ältere Menschen hatten unter der tropischen Hitze mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und wurden von den Sicherheitsleuten vorgelassen.

Heute Abend soll nun die zentrale Gedenkkundgebung auf Havannas Revolutionsplatz stattfinden, bevor Fidels Urne am Mittwoch in einem mehrtägigen Zug, der die historische Route der Revolutionäre rückwärts beschreibt, nach Santiago de Cuba gebracht werden soll. Die Beisetzung ist für Sonntag Morgen auf dem Friedhof Santa Ifigenia am Stadtrand von Santiago geplant, wo auch Kubas Nationalheld José Martí seine letzte Ruhe gefunden hat. Während der neuntägigen Staatstrauer werden zwischen 9 und 18 Uhr stündlich Artilleriesalven zeitgleich in Havanna und Santiago de Cuba abgefeuert. Der Verkauf von Alkohol und das spielen von lauter Musik sind verboten. Alle offiziellen Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben, die Schulen und Universitäten blieben heute geschlossen.

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Die kubanische Botschaft in Washington (Quelle: Cubadebate)

Die Gästeliste für die heutige Kundgebung in Havanna ist lang, zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs sind bereits in Havanna eingetroffen, darunter Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und der bolivianische Regierungschef Evo Morales. Beide Länder zählen zu Kubas engsten Verbündeten. Zahlreiche Gäste stammen aus Afrika und Lateinamerika. Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat seine Teilnahme angekündigt, Simbabwes Staatschef Robert Mugabe ist bereits in Havanna eingetroffen. Aus Lateinamerika haben darüber hinaus die Präsidenten Daniel Ortega (Nicaragua), Raphael Correa (Ecuador) und Peña Nieto (Mexiko) fest zugesagt.

Eine Absage musste Havanna hingegen aus Russland hinnehmen. Wladimir Putin sei aus terminlichen Gründen verhindert, hieß es aus dem Kreml. Zuvor würdigte Putin Castro in einem Telegramm als „wahren Freund Russlands.“ Das Weiße Haus gab heute bekannt, nicht mit einer präsidentiellen Delegation teilzunehmen. Stattdessen soll Jeffrey DeLauris, Chefdiplomat der US-Botschaft in Havanna, an der Zeremonie teilnehmen. China schickte Vizepräsident Li Yuachao nach Havanna, Präsident Xi Jinping fand jedoch Gelegenheit sich ins Kondolenzbuch der kubanischen Botschaft in Peking einzutragen.

Die Bundesrepublik wird bei der Trauerfeier von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vertreten, der mittlerweile in Havanna eingetroffen ist. Spanien wird durch den früheren König Juan Carlos vertreten sein. Griechenlands Premier Alexis Tsipras wird wohl als einziger europäischer Regierungschef anreisen. Zahlreiche Länder haben aus Respekt gegenüber Castro eine mehrtägige Staatstrauer angeordnet, darunter Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Uruguay, Vietnam, Nordkorea und Saudi-Arabien.

Zahlreiche Menschen in aller Welt nehmen in diesen Tagen Abschied vom „ewig jungen Revolutionär“ Fidel Castro, wie ihn Nicolás Maduro in seinem Beileidsschreiben bezeichnete. Die kubanischen Botschaften sind vielerorts von Blumen und Kerzen gesäumt, in den sozialen Medien bringen Menschen unter dem Hashtag #HastaSiempreComandante ihre Trauer zum Ausdruck.

Auch führende kubanische Politiker haben sich mittlerweile öffentlich von Fidel verabschiedet. Allen voran Raúl Castro, der sich zusammen mit weiteren Regierungsmitgliedern im Festsaal des Verteidigungsministeriums vor der Urne seines Bruders versammelte. An der anschließenden Ehrenwache nahmen neben Castro auch der zweite Parteisekretär Machado Ventura, der Comandante der Revolution Ramiro Valdés sowie der erste Vizepräsident des Staatsrats Miguel Díaz-Canel teil.

Fidel Castro zeigt sich zu seinem 90. Geburtstag in der Öffentlichkeit

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Fidel Castro zusammen mit Nicolás Maduro vergangenen Samstag im Karl-Marx Theater (Quelle: Cubadebate / Flickr)

Er hat im Laufe seines Lebens immer wieder für Überraschungen gesorgt. Eine der größten lieferte Fidel Castro vergangenen Samstag mit dem Erreichen eines Alters von 90 Jahren. Nicht selten hat Kubas „Lider histórico“ Zweifel geäußert, ob er ein solches Alter je erreichen würde. Wohl keine andere Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts kann auf eine Biographie blicken, die so sehr von Mordanschlägen und Todesgerüchten gleichermaßen geprägt ist – bis heute. Noch vor wenigen Monaten kursierten Gerüchte über das Ableben des „Comandante en jefe“, nun zeigt sich dieser zusammen mit 5.000 geladenen Gästen zu einer Feier in Havannas Karl-Marx Theater.

Bereits während seiner Studienzeit glaubten seine Kommilitonen nicht, dass Fidel Castro alt werden würde. Im Rahmen der Studentenproteste, an denen er 1948 sogar in Kolumbien teilnahm, machte sich der ehrgeizige Jurastudent Castro bereits in jungen Jahren viele Feinde. Er überlebte nicht nur den Sturm auf die Moncada-Kaserne 1953, bei dem die Mehrzahl seiner Mitstreiter den Tod fanden, sondern kann neben der Begnadigung durch den Diktator Batista auch immer wieder auf glückliche Zufälle zurückblicken, die ihm das Leben retten.

Ebenso bei der Landung der „Granma“ an der kubansichen Ostküste im Jahr 1956. Mit 82 Mitstreitern gelang es Castro aus dem mexikanischen Exil heraus den bewaffneten Kampf gegen die Batista-Diktatur zu organisieren. Die Ankunft des Schiffes sollte der geheime Startschuss für die Revolution werden. Die Landung wird jedoch frühzeitig von den Batista-Truppen erkannt, die Aktion endet fast als Fiasko. Wieder sterben dutzende, darunter enge Freunde und Weggefährten des Revolutionärs. Fidel, sein Bruder Raúl, Camilo Cienfuegos und Che Guevara schaffen es jedoch, sich im anschließenden Guerillakrieg nicht nur militärisch zu behaupten.

Auch nach dem Sieg der Revolution konnte dem bärtigen Staatschef so schnell nichts anhaben. Die Invasion in der Schweinebucht 1961, deren Zurückschlagung er persönlich leitete, überstand er unversehrt. Genauso wie über 600 Mordanschläge, die im Laufe der Jahre durch den CIA und exilkubanische Gruppen geplant wurden. Selbst als er sich 1994 in Zeiten der schwersten Wirtschaftskrise vor eine wütende Menge von Demonstranten stellte, schien ihm nichts und niemand etwas anhaben zu können. Castro vermochte es, selbst seine Gegner milde zu stimmen.

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Fidel Castro bei seiner Festnahme nach dem gescheiterten Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba 1953 (Quelle: FidelCastro.cu)

Doch mit rückläufigen Mordanschlägen nahmen die Todesgerüchte zu. Bereits seit den 1980er Jahren gab es Spekulationen über den Gesundheitszustand von Fidel Castro, damals war von einer Parkinsonerkrankung die Rede. Nach seinem Rückzug aus der Politik in Folge einer Not-OP im Jahr 2006 begannen die Spekulationen auszuufern und mündeten schließlich in immer wiederkehrenden Gerüchten über den Tod des „Comandante“, die vor allem im Netz unter exilkubanischen Kreisen regelmäßig zirkulieren. Diese werden dann von Kubas Staatsmedien gelegentlich und scheinbar ganz nebenbei durch öffentliche Kurzauftritte oder neue Fotos mit ausländischen Staatsgästen widerlegt. Zuletzt wurde vor dem Obama-Besuch über Castros Tod spekuliert, bis dieser kurz darauf eine Kolumne in der Parteizeitung „Granma“ veröffentlichte.

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Fidel Castro 1984 bei einem Auftritt im Karl-Marx Theater (Quelle: FidelCastro.cu)

Auch zu seinem 90. Geburtstag meldete sich Castro zu Wort und bedankte sich bei allen Gratulanten, wozu zahlreiche ausländische Staatschefs zählen. Neben Russlands Präsident Vladimir Putin beglückwünschte ihn auch die argentinische Präsidentin Cristina Fernández. Währenddessen wurde natürlich auch in Kuba gefeiert. In der Nacht zum Samstag tanzten tausende Kubaner zu einem Salsa-Konzert auf der „Antiimperialistischen Tribüne“ entlang der Uferpromenade Malecón. Ein kubanischer Tabakbauer rollte anlässlich des runden Jubiläums eine 90 Meter lange Zigarre. Diese präsentierte er stolz Vertretern der britischen Botschaft, welche sich um den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde kümmerten.

Ansonsten fielen die Feierlichkeiten eher bescheiden aus. Unter dem Motto „Fidel entre nosotros“ (Fidel unter uns) wurden in einigen staatlichen Einrichtungen Fotoausstellungen eröffnet und Veranstaltungen durchgeführt. Das Nachrichtenportal „Cubadebate“ schaltete die Webseite www.fidelcastro.cu online, die mit zahlreichen Informationen und Bildern über das Leben des ehemaligen Präsidenten aufwarten kann. Doch wieder einmal sorgte Castro selbst für die größte Überraschung. Diesmal mit seinem öffentlichen Auftritt vergangenen Samstag im Karl-Marx Theater, dem ersten seit April. Zusammen mit seinem Bruder Raúl und Venezeulas Präsident Nicolás Maduro verfolgte der 90-jährige dort seine Geburtstagsgala, bei der auch Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal mitwirkte.

Auch wenn vor 10 Jahren wahrscheinlich nicht einmal er selbst daran geglaubt hätte: Fidel Castro konnte am 13. August 2016 seinen 90. Geburtstag feiern und scheint dabei in guter Verfassung zu sein. „Er hat mehr Leben als tausend Katzen“, sagte der Journalist Fernando Ravsberg über den ehemaligen kubanischen Staatschef. Dem scheint sich Castro durchaus bewusst zu sein. „Wenn ich wirklich einmal sterbe“, sagte er noch vor einigen Jahren gegenüber ausländischen Journalisten, „wird es wahrscheinlich niemand glauben.“

Obama kommt in Havanna an

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Barack Obama traf mit seiner Familie am Sonntagnachmittag in Havanna ein (Quelle: Reuters)

Zum ersten Mal seit 88 Jahren hat am gestrigen Sonntag ein amtierender US-Präsident in Havanna seine Füße auf kubanischen Boden gesetzt, wo Barack Obama am späten Nachmittag am Flughafen „José Martí“ unter strömendem Regen empfangen wurde. Mit der Twitter-Nachricht „Que bolá, Cuba?“ (deutsch: Was geht, Kuba?“) begrüßte Obama die sozialistische Insel zum Auftakt seines dreitägigen Staatsbesuchs.

Kubas Präsident Raúl Castro versäumte indes den US-Präsidenten persönlich in Empfang zu nehmen und schickte stattdessen Außenminister Bruno Rodríguez zum Flughafen, was vom US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump prompt als Respektlosigkeit gedeutet wurde. Neben seiner Frau Michel und den beiden Töchtern Sasha und Malia wurde Obama von einer Geschäftsdelegation nach Kuba begleitet.

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Unter strömendem Regen trifft Obamas extra eingeflogene Staatskarosse  in Havannas Altstadt ein

Nach dem Besuch der US-Botschaft ging es für die Obamas gegen 18 Uhr zu einem kurzen Altstadtbummel auf den „Plaza de la Catedral“ wo er unter anderem auf Havannas Erzbischhof Jaime Ortega traf. Der tropische Regen hinderte hunderte Schaulustige nicht daran ihren Weg zur Kathedrale zu bahnen, die jedoch frühzeitig abgesperrt wurde. Die Sicherheitsmaßnahmen waren umfangreich: Zahlreiche schwarze Limousinen mit kubanischer und US-amerikanischer Security folgten Obamas Staatskarosse, die wegen ihrer umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen auch „The Beast“ genannt wird und gleich im Doppelpack unterwegs war: einmal mit und einmal ohne Präsident Obama.

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Obama begrüßt die Nachbarn vor dem Paladar „San Cristóbal“ in Centro Habana

Abends fand sich die Obama-Familie im Paladar „San Cristóbal“ in Havannas Stadtteil Centro zum Abendessen ein. Bei der Ankunft begrüßte Obama die Nachbarn des Viertels, auch ein Foto mit der Belegschaft des Restaurants durfte natürlich nicht fehlen.

In Havanna war der Staatsbesuch Gesprächsthema Nummer eins auf der Straße. Die Stadt scheint den Atem angehalten zu haben. Zahlreiche Straßen bleiben noch bis Dienstag gesperrt, Busse fahren nur unregelmäßig und die allgemeine Transportsituation erinnert an längst vergangene Tage der Sonderperiode.

Von offizieller Seite hielten sich die Reaktionen in Grenzen. Zwar wird über den Besuch auch von kubanischer Seite ausführlich berichtet, jedoch wird dem Staatsgast deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt als beispielsweise Papst Franziskus, der im September 2015 auf Kuba war. Stattdessen bekräftigte Havanna zuletzt das Bündnis mit Venezuela und sendete im Vorfeld von Obamas Ankunft deutliche Signale gen Washington. Nicht zufällig wurden deshalb in der Sonntagsausgabe der Zeitung „Juventud Rebelde“ neue Bilder von Fidel Castro veröffentlicht, der sich zu einem Gespräch mit Venezuelas Präsident Nicholas Maduro traf. Dieser weilt seit Freitag in Havanna, wo ihm der José-Martí-Orden, die höchste Auszeichnung des kubanischen Staates, verliehen wurde.

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Barack und Michel Obama mit der Belegschaft des Paladars „San Cristóbal“ am 20. März 2016

„Weder traue ich der Politik der Vereinigten Staaten, noch habe ich mit ihnen gesprochen“ war der einzige Kommentar, den Kubas historischer Revolutionsführer vergangenen Januar in Bezug auf die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen verlauten ließ. Für den heutigen Montag ist für Obama der offizielle Empfang im Revolutionspalast geplant, bei dem auch ein ausführliches Gespräch mit Kubas Präsident Raúl Castro geplant ist. Ein Treffen mit Fidel schlossen die USA bereits im Vorfeld aus.

Kuba feiert den 89. Geburtstag von Fidel Castro

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Die Präsidenten von Venezuela und Bolivien, Maduro (links) und Morales (hinten rechts), mit Fidel Castro am Donnerstag in Havanna. Links neben Castro: Ehefrau Dalia Soto del Valle (Quelle: Granma)

Havanna. Mit einem Konzert der Salsagruppe „Manolito y su Trabuco“ wurden am Mittwochabend in der kubanischen Hauptstadt die Feierlichkeiten anlässlich des 89. Geburtstag des langjährigen Staats- und Revolutionsführers Fidel Castro eingeleitet. Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens brachten ihre Glückwünsche gegenüber dem „Comandante en jefe“ zum Ausdruck, der am 13. August seinen Geburtstag beging. In verschiedenen Städten der sozialistischen Insel fanden Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte vor allem junger Kubaner zu Ehren Castros statt.

Fidel Castro zeigte sich an seinem Geburtstag zusammen mit Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und Boliviens Präsident Evo Morales zum ersten Mal seit Juli wieder in der Öffentlichkeit. Maduro brachte dabei eine „Umarmung aller kämpfenden und liebenden Völker“ zum Ausdruck, während Morales Fidel Castro gegenüber Pressevertretern als „unseren großen Bruder“ bezeichnete. Beide Politiker waren nicht als offizielle Staatsgäste vor Ort, sondern anlässlich des Geburtstags inoffiziell nach Havanna gereist.

Indes äußerte sich Castro am Donnerstag in einer Kolumne der staatlichen Tageszeitung „Granma“. In dem Artikel forderte Castro einen Tag vor der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Havanna von den USA Reparationszahlungen für die Schäden der Wirtschaftsblockade gegenüber Kuba. Zudem erinnerte Castro an die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki.

„Wir werden niemals aufhören für den Frieden und das Wohl aller Menschen zu kämpfen, unabhängig von der Hautfarbe und dem Ursprungsland jedes Bewohners des Planeten, ebenso für das volle Recht aller, einen religiösen Glauben zu haben oder nicht“, heißt es in dem Artikel weiter. „Das gleiche Recht aller Bürger auf Gesundheit, Bildung, Arbeit, Ernährung, Sicherheit, Kultur, Wissenschaft und Wohlergehen, das heißt, die gleichen Rechte, die wir feierlich verkündet haben, als wir unseren Kampf begannen und darüber hinaus die Rechte, die unseren Träumen von Gerechtigkeit und Gleichheit der Bewohner unserer Welt entspringen, dies wünsche ich allen“, schreibt Castro.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Der erste Mai in Kuba: Nicolás Maduro zu Gast in Havanna

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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro zusammen mit Raúl Castro auf der Ehrentribüne in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Millionen Kubaner beteiligten sich heute wieder an den landesweiten Feierlichkeiten zum internationalen Tag der Arbeit. In allen Städten des Landes fanden hierzu Kundgebunden statt, die dieses Jahr unter dem Motto „Vereint im Aufbau des Sozialismus“ standen. Trotz des zeitweise strömenden Regens waren auch in Havanna hunderttausende auf dem Platz der Revolution versammelt.

Dort war neben Raúl Castro auch Venezuelas Präsident Nicolás Maduro auf der Ehrentribüne anwesend. Ulises Guilarte, Vorsitzender des kubanischen Gewerkschaftsverbands CTC, eröffnete die Demonstration mit einer Rede, in der er zur Solidarität mit Venezuela aufrief. Neben dem Staatsgast waren auch über 2.000 internationale Gäste aus 70 verschiedenen Ländern auf der Ehrentribüne anwesend, unter anderem die Vorsitzenden der kommunistischen Parteien Russlands und Spaniens.

Zum ersten Mal wurde der Demonstrationszug der Hauptstadt von den „Cuban Five“ angeführt, die im Dezember aus der Haft in den USA entlassen wurden. Seit 1997 wurde jedes Jahr auf den Maikundgebungen auch die Freilassung der fünf Kubaner gefordert, während die Sprechchöre diesen Freitag zum vollständigen Ende der US-Wirtschaftsblockade gegen Kuba aufriefen. Mehr als 50.000 Mitarbeiter des Gesundheitswesens bildeten den ersten Block in Havanna, an dem auch die jüngst aus Westafrika zurückgekehrten Ebola-Helfer beteiligt waren.

Die zweitwichtigste Demonstration des Landes fand wie üblich in Santiago de Cuba statt. Sie wurde von Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel zusammen mit dem PCC-Chef der Provinz Santiago, Lazaro Exposito, eröffnet und zählte über 320.000 Teilnehmer. Auch in anderen Provinzen füllten sich die Straßen trotz des schlechten Wetters. So nahmen in Camagüey mehr als 400.000, in Las Tunas etwa 280.000, in Holguín 200.000 und in Pinar del Río etwa 100.000 Personen an den Feierlichkeiten teil.


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Die Mitarbeiter des Gesundheitswesens eröffneten den Demonstrationszug in der Hauptstadt (Quelle: Cubadebate)

Primero de Mayo. Foto: Ismael Francisco/Cubadebate.

Venezuela war mehr als sonst auf der diesjährigen Maifeier präsident (Quelle: Cubadebate)

Primero de Mayo. Foto: Ismael Francisco/Cubadebate.

Trotz schlechten Wetters fanden sich hunderttausende zur Kundgebung  in Havanna ein (Quelle: Cubadebate)

Venezuela halbiert Öllieferungen nach Kuba

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Raúl Castro und Venezuelas Präsident Nicolás Maduro (Quelle: Ecuavisa.com)

Nach Berichten des Finanzdienstleisters Barclay’s hat Venezuela im vergangenen Jahr die Lieferungen von subventioniertem Erdöl in befreundete Länder deutlich reduziert. Davon betroffen ist auch Kuba, dass seit September 2014 nur noch 55.000 Barrel pro Tag erhält, womit sich die Ölexporte in das sozialistische Land seit ihrem Zenit im Jahr 2012 halbiert haben.

Gut 50 Milliarden US$ an Subventionen seit 2005

Seit 2005 exportiert Venezuela im Rahmen des Petrocaribe-Abkommens Erdöl zu subventionierten Preisen in einige Länder der Karibik. Die Empfänger müssen dabei nur 40 Prozent der Summe direkt begleichen, der Rest wird im Rahmen eines günstigen Kredits mit 25 Jahren Laufzeit beglichen. Kuba hingegen bezahlt ausschließlich durch den Einsatz von über 30.000 Medizinern, die in Venezuela ihren Dienst tun. Die solidarische Hilfe ließ sich das südamerikanische Land in den letzten Jahren gut 50 Milliarden US$ kosten.

Derzeit ist Venezuela allerdings selbst von einer schweren Wirtschaftskrise geplagt. Bis September 2014 schrumpfte die Wirtschaft des Landes um 4,2 Prozent, während die Inflationsrate auf über 60 Prozent anstieg. Der fallende Ölpreis trug seit letztem Herbst zusätzlich zur Verschärfung der Situation bei, da Venezuela einen Großteil seiner Einnahmen durch den Export dieses Rohstoffs erwirtschaftet.

Die Regierung Maduro sah sich deshalb gezwungen, die Vergünstigungen für befreundete Staaten zu reduzieren – vor allem um wieder finanziellen Handlungsspielraum zu gewinnen. Im Jahr 2012 lieferte Venezuela gut 400.000 Barrel pro Tag in die Karibik, davon etwa 100.000 allein nach Kuba. Mittlerweile haben sich die Lieferungen auf 200.000 Barrel pro Tag reduziert, wobei Kuba noch 55.000 Barrel erhält.

Auch die Exporte in die Dominikanische Republik und Jamaica, die beiden Hauptabnehmerländer im Rahmen von Petrocaribe, gingen seit 2012 um mehr als die Hälfte zurück. Beobachter rechnen damit, dass Venezuela so sein Defizit im Devisenfluss von ursprünglich prognostizierten 30 Mrd. auf 22 Mrd. US$ reduzieren kann. Erst vor wenigen Tagen erhielt das Land einen neuen chinesischen Kredit von 10 Mrd. US$.

Was bedeutet der Schritt für Kuba?

Durch die Öllieferungen aus Venezuela konnte Kuba seit 2005 mindestens die Hälfte seines Bedarfs decken, wobei sogar noch Überschüsse gewinnbringend weiterverkauft wurden. Dadurch konnte Kuba seine Haushaltslage stabilisieren und Investitionen tätigen, die damals vor allem im sozialen Bereich erfolgten. Die Kürzungen der Öllieferungen kosten den kubanischen Staat bei aktuellen Preisen von etwa 50 US$ pro Barrel gut eine Milliarde US$ pro Jahr.

Für Kuba kommt der Schritt während den laufenden Verhandlungen mit den USA zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Regierung in Havanna hatte zuletzt wiederholt ihre Solidarität mit Venezuela zum Ausdruck gebracht, nachdem die USA Wirtschaftssanktionen gegen die linksgerichtete Regierung in Caracas verhängt haben. Obwohl die gesunkenen Ölexporte  vor allem dem wirtschaftlichen Druck in Venezuela selbst geschuldet sind, hat sich die diplomatische Lage durch die neue „Dreiecksbeziehung“ insgesamt verkompliziert.

Die schlechte Wirtschaftsperformance im letzten Jahr (1,3 Prozent Wachstum) wurde von der kubanischen Regierung damals unter anderem mit „nicht realisierten externen Einnahmen“ begründet, womit wohl die ausfallenden Ölexporte gemeint waren. Für dieses Jahr plant Kuba ein Wachstum von mindestens vier Prozent zu erreichen. Für langfristige Entwicklung braucht das Land nach Angaben des Wirtschaftsministeriums jährliche Investitionen von 2 bis 2,5 Mrd. US$.

Noch kann sich Kuba die Einschränkung leisten. Bei den aktuell niedrigen Ölpreisen kann die zusätzliche Milliarde pro Jahr geschultert werden. Sollten die Preise für Erdöl allerdings wieder anziehen, könnte dies zu einem ernsthaften Finanzierungsproblem werden. Nicht zuletzt hofft man in Havanna auch auf die Erschließung der eigenen Offshore-Vorkommen im Golf von Mexiko. Nachdem die letzten Bohrungen allesamt leer ausgingen, liegt dieses Ziel jedoch aktuell in weiter Ferne. Um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichten, dürfte Kuba daher nun verstärkt auf den Tourismus sowie ausländische Direktinvestitionen in der neuen Sonderwirtschaftszone von Mariel setzen.