Raúl Castro nennt Trumps Pläne „irrational“

Raúl Castro auf dem ALBA-Gipfeltreffen am 5. März in Caracas (Quelle: Cubadebate)

Zum ersten Mal seit der Amtseinführug des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat Kubas Staatschef Raúl Castro dessen Politik im Rahmen eines ALBA-Gipfeltreffens Anfang März öffentlich kritisiert. In seinen ersten Worten an den Republikaner sagte Castro, Trumps Politik sei „egoistisch“. Den Plan zur Errichtung einer Grenzmauer zu Mexiko bezeichnete Castro als „irrational“.

Castros Rede im Rahmen des Gipfeltreffens wurde im kubanischen Fernsehen ausgestrahlt. „Die neue Agenda der US-Regierung droht eine extreme und egoistische Handelspolitik zu beginnen, die die Wettbewerbsfähigkeit unseres Außenhandels und Umweltverträge bedroht […] sowie Migranten jagt und deportiert“, sagte der kubanische Präsident in Caracas.

Die weltweiten Migrationsbewegungen würden durch die steigende soziale Ungleichheit im Zuge eines ungerechten Weltwirtschaftssystems verursacht, so Castro. Der geplante Grenzzaun zu Mexiko sei daher „irrational“ und ziele auf alle Lateinamerikaner ab, nicht nur auf Mexikaner. „Man kann Armut, Katastrophen und Migration nicht mit Mauern eindämmen, sondern nur mit Verständigung und Frieden“, sagte Castro.

Die US-Regierung kündigte letzten Monat an, die unter Präsident Obama begonnene neue Kuba-Politik „vollständig zu überprüfen“. Trump selbst sagte mehrfach, dass er das Thema der Menschenrechte stärker in den Fokus rücken und einen „besseren Deal“ von der kubanischen Seite haben wolle. Nach einem Abendessen mit dem rechtsgerichteten Senator Marco Rubio aus Florida vor einigen Wochen, sagte Trump, dass er und Rubio „ähnliche Ansichten“ in Bezug auf Kuba hätten. Rubio trat in den letzten Jahren als Fürsprecher für eine weitere Verschärfung der seit über 50 Jahren bestehenden Wirtschaftsblockade gegen die Insel auf. Die Abschaffung der Einwanderungsprivilegien für Kubaner durch Barack Obama im Januar lehnte er ebenfalls ab.

Kubas Innenminister stirbt im Alter von 78 Jahren

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Carlos Fernández Gondín (Quelle: Cubadebate)

Kubas Innenminister, Carlos Fernández Gondín, ist gestern im Alter von 78 Jahren in Havanna verstorben. Dies gab die kubanische Tageszeitung „Granma“ in einer Stellungnnahme bekannt. Der „Held der Republik“ und Divisionsgeneral starb demnach an „Komplikationen in Folge einer chronischen Erkankung.“

Fernández Gondín, der 1938 in Santiago de Cuba geboren wurde, fungierte erst seit Oktober 2015 als Innenminister Kubas. Vorher diente er von Beginn an als Stellvertreter von Abelardo Colomé Ibarra, der dieses Amt seit 1989 innehatte und sich im Alter von 77 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand verabschiedete. Mit dem Verlust von Ibarra und Gondín erlebte das Innenministerium, welchem neben der Polizei auch die Migrationsverwaltung, das Gefängniswesen und der Inlandsgeheimdienst untersteht, zum ersten Mal seit 1989 einen kompletten Austausch der Führungsspitze.

Wie Ibarra war auch Gondín ein Veteran der Rebellenarmee. Seit 1958 kämpfte er Seite an Seite mit Raúl Castro in der östlichem Armeegruppe der Guerilla. Später ging er als Freiwilliger nach Angola. Seit dem II. Parteitag der regierenden kommunistischen Partei, der 1980 stattfand, war Gondín Mitglied des Zentralkomitees, der zweitobersten Instanz. 1993 zog er als Abgeordneter in das Parlament ein.

In der Granma-Meldung wird Gondíns Tod „mit tiefer Trauer“ bekannt gegeben. In dem Nachruf wird er als „Beispiel für Treue zur Partei, dem Volk und der Revolution“ gewürdigt. Seine sterblichen Überreste werden auf dem Veteranengebiet von Havannas Friedhof „Cristóbal Colón“ bestattet. Wer an seine Stelle treten wird, ist indes noch nicht bekannt.

Nach der Rezession plant Kuba 2 Prozent Wachstum mit Haushaltsdefizit

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Ein Stuhl bleibt frei: Die erste Parlamentssitzung ohne Fidel Castro (Quelle: Cubadebate)

Kubas Wirtschaft schloss im Jahr 2016 mit einem Minus von 0,9 Prozent. Damit erlebte die sozialistische Insel vergangenes Jahr die erste Rezession seit 1993. Kubas Präsident Raúl Castro nannte auf der Parlamentssitzung Ende Dezember zwei Prozent als Wachstumsziel für dieses Jahr. Erreicht werden soll dies vor allem durch mehr ausländisches Kapital und ein nationales Investitionsprogramm das durch ein hohes Haushaltsdefizit finanziert wird. Zurückgehende Öllieferungen aus Venezuela haben die ökonomische Situation Kuba zuletzt deutlich erschwert.

Weniger Öl aus Venezuela zwingt Kuba zum sparen

Das Kubas Wirtschaftsplaner letztes Jahr keine großen Sprünge würden verkünden können, war spätestens klar als Präsident Castro vergangenen Sommer ein Sparprogramm ankündigte, welches zurückgehenden Öllieferungen aus Venezuela mit einer drastischen Reduzierung von Importen und Primärenergieträgern zu begegnet versucht. Damals wurde bereits, nach einem Plus von vier Prozent des BIP im Jahr 2015, die Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert.

Abermals wandte sich Castro in der jüngsten Parlamentssitzung, welche am 27. Dezember in Havanna stattfand, direkt an ausländische Geldgeber und Handelspartner. In Bezug auf Kubas Zahlungsrückstände sagte er: „Ich danke einmal mehr den Geschäftspartnern für ihr Verständnis und das Vertrauen in Kuba und wiederhole den Willen der Regierung, in diesem wichtigen Bereich allmählich zur Normalität zurückzukehren und die Grundlagen dafür zu schaffen, dass es in der Zukunft keine Wiederholung dessen gibt.“

Trotz der schwierigen Liquiditätssituation sieht der Haushalt für 2017 eine deutliche Steigerung der Investitionen um fast 50 Prozent vor. Wie in den vergangenen Jahren werden die Sozialausgaben in einem Bereich von rund 51 Prozent der gesamten Staatsausgaben beibehalten, während gleichzeitig stärkere Investitionen in strategische Sektoren wie Infrastruktur, Zuckerindustrie, Tourismus und Telekommunikation erfolgen sollen.

Höchstes Haushaltsdefizit seit 1993 soll für Wachstum sorgen

Um die Mehrausgaben zu stemmen, wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr bei rund 11,5 Milliarden Dollar oder 12 Prozent des BIPs liegen – und ist damit das höchste je beschlossene Haushaltsdefizit seit 1993. Finanziert werden soll der Fehlbetrag durch staatliche Bonds, die von der Zentralbank aufgekauft werden. „Das letzte Jahr unter Raúl Castro wird das schwierigste in Bezug auf seine Wirtschaftspolitik sein“, kommentierte der kubanische Ökonom Pavel Vidal den Entwurf für den neuen Haushalt, welcher im Dezember verabschiedet wurde.

Zur Finanzierung der Investitionen will Kuba in Zukunft verstärkt auf ausländisches Kapital setzen. Bisher würde dies lediglich 6,5 Prozent der Gesamtinvestitionen ausmachen kritisierte Wirtschaftsminister Ricardo Cabrisas. Auch Raúl Castro nahm zu dem Thema Stellung: „Ich gebe zu, dass wir mit diesem Bereich nicht zufrieden sind und dass es häufig zu übermäßigen Aufschüben im Verhandlungsprozess gekommen ist. Es ist erforderlich, ein für allemal mit der rückständigen und vorurteilsbehafteten Denkweise gegen die ausländischen Investitionen Schluss zu machen.“

Castro: „Angst vor ausländischen Investitionen überwinden“

Kuba werde nicht zum Kapitalismus übergehen, dennoch sei es erforderlich sich von „unbegründeter Angst“ gegenüber ausländischen Investitionen zu befreien, sagte Castro vor den rund 600 Delegierten. Seit Mai 2014 hat Kuba rund 1,5 Milliarden US-Dollar an neuen ausländischen Investitionen erhalten. Um die selbstgesteckten Wachstumsziele von rund 5 Prozent zu erreichen sind jedoch jährliche Auslandsinvestitionen von 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar von Nöten, wie kubanische Ökonomen immer wieder betonen.

Kuba plant in diesem Jahr ein starkes Wachstum der Zuckerindustrie, diese soll ihren Output um 30 Prozent erhöhen. Der Hotel- und Restaurantsektor soll um 8 Prozent zulegen. Vergangenes Jahr konnte Kuba einen neuen Besucherrekord von über 4 Millionen Touristen verzeichnen, gut 16 Prozent mehr als noch 2015. Die Nahrungsmittelimporte werden sich mit 1,75 Mrd. US-Dollar in einem ähnlichen Bereich wie 2016 bewegen.

Neben Wirtschaftsfragen wurde auf der Parlamentssitzung auch ein neues Gesetz verabschiedet, dass die Verwendung des Namens und der Darstellung von Fidel Castro regelt und unter anderem das Aufstellen von Statuen und Büsten sowie die Benennung von Straßen und Institutionen nach dem verstorbenen Revolutionsführer verbietet. Zu Beginn der Sitzung legten die über 600 Parlamentarier eine Schweigeminute in Gedenken an den langjährigen Staatschef ein.

Kuba erinnert an Revolution 1959 und ehrt Fidel Castro

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Militärparade am Montag in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Havanna. In Kubas Hauptstadt Havanna haben zehntausende Menschen beim „Marsch des kämpferischen Volkes“ und einem traditionellen Staatsakt mit Militärparade am Montag an den Aufstand gegen die US-gestützte Diktatur von Fulgencio Batista gedacht, der im Jahr 1956 begann. Der Aufmarsch fand in diesem Jahr zudem zu Ehren des im November verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro statt.

Der militärische Akt erinnerte an die Landung von 82 Revolutionären mit der Yacht „Granma“ am 2. Dezember 1956 auf Kuba. Die Rebellen waren von Mexiko nach Kuba aufgebrochen und bei der Ankunft von Truppen Batistas fast aufgerieben worden. Dennoch gelang es den Aufständischen, sich neu zu formieren und in nur drei Jahren die Diktatur zu besiegen.

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Kein Personenkult um Fidel Castro

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Raúl Castro bettet seinen verstorbenen Bruder in dessen letzte Ruhestätte (Quelle: Cubadebate)

Gestern Morgen wurde Fidel Castros Urne in Santiago de Cuba bestattet. Die Beisetzung fand im Kreis der Familie und einigen ausgewählten Gästen statt. In der vorangegangenen Nacht fand auf dem Revolutionsplatz der Stadt eine große Kundgebung statt, an der gut eine halbe Millionen Menschen anwesend waren. Dort erwiesen Vertreter der kubanischen Massenorganisationen ihrem Comandante die letzte Ehre. Auf Wunsch seines verstorbenen Bruders kündigte Raúl Castro ein neues Gesetz an, das diesen vor Personenkult schützen soll.

Am Samstag kam der Konvoi, welcher mit Fidels Urne drei Tage zuvor von Havanna aus einmal quer durch die gesamte Insel startete, in der östlichen Metropole Santiago de Cuba an. Hier machte der Trauerzug an historischen Stätten halt, unter anderem an der Moncada-Kaserne, deren gescheiterte Erstürmung am 26. Juli 1953 den Beginn der kubanischen Revolution einläutete und an jenem Balkon, von dem Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution verkündete. Unterwegs dorthin wurde die Straße von Menschenmassen gesäumt, die mit Rufen wie „Hasta siempre, Comandante!“ oder „Yo soy Fidel!“ dem langjährigen Staatslenker die letzte Ehre erwiesen.

Am Abend wurde die Urne schließlich zum Revolutionsplatz gebracht, der nach dem ersten afrokubanischen General im Unabhängigkeitskrieg, Antonio Maceo, benannt ist. Unter der riesigen Bronzestatue Maceos hatten die kubanischen Massenorganisationen das Wort. Vertreter des Gewerkschaftsverbands CTC, des Frauenverbands FMC, der Koordinator der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDRs), die Vorsitzenden der Jugendverbände und andere bekundeten ihre Treue zum geistigen Erbe Fidels.

Raúl Castro rekapitulierte auf seiner Rede die Erfolge der kubanischen Revolution. „Die bleibende Lehre von Fidel ist, dass es zu schaffen ist“, sagte Castro unter dem Beifall der Masse. Es sei jener Fidel, der damals die Landung der Granma organisierte, der „als er sieben Gewehre und eine Handvoll Kämpfer zusammenbrachte, sagte: Jetzt gewinnen wir den Krieg!“. Raúl bedankte sich für alle Beileidsbekundungen der letzten Tage, kündigte zugleich jedoch ein neues Gesetz an, um seinen Bruder gemäß dessen Wunsch vor Erscheinungen des Personenkults zu schützen:

Getreu der Ethik Martis, dass „aller Ruhm der Welt in ein Maiskorn passt“, wies der Führer der Revolution jeglichen Ausdruck von Personenkult zurück und behielt diese Haltung bis in die letzten Stunden seines Lebens konsequent bei, indem er darauf drang, dass nach seinem Ableben sein Name und seine Figur niemals benutzt werden sollten, um Einrichtungen, Plätze, Parks, Alleen, Straßen oder andere öffentliche Stätten zu benennen, und dass keinerlei Denkmäler, Büsten, Statuen oder andere ähnliche Formen des Tributs errichtet werden sollten.

In Übereinstimmung mit der Bestimmung des Genossen Fidel werden wir in der kommenden Sitzungsperiode der Nationalversammlung der Volksmacht die erforderlichen Gesetzesentwürfe vorlegen, damit sich sein Wille durchsetzt.

(Quelle: Granma)

Es wird also auch in Zukunft keine Fidel-Castro-Straße oder eine Statue des Revolutionsführers auf Kuba geben. Ganz in diesem Sinne fiel auch dessen Grab aus: Ein naturbelassener Granitstein aus der nahe gelegenen Sierra Maestra, auf dem eine schwarze Marmortafel mit dem Namen „Fidel“ in goldenen Lettern prangt. Obwohl der Stein ziemlich wuchtig ist, wirkt das Grab aufgrund des Verzichts von Nachnamen und jeglichen anderen Inschriften äußerst schlicht. Lediglich die nebenstehende Betonsäule, in der mit kupfernen Buchstaben Castros Revolutionskonzept prangt, lässt auf die Bedeutung des hier ruhenden schließen.

Schlicht war auch die Zeremonie, mit der Fidel Castro auf dem Friedhof „Santa Ifigenia“ bestattet wurde. Ohne Reden, ohne große Medienpräsenz und im Kreis der engsten Familienmitglieder und Kampfgefährten nahm Raúl Castro die Urne von Fidels Witwe Dalia Soto entgegen und legte sie stumm in den Grabstein. Noch einmal erklang Fidels Stimme aus den Lautsprechern, mit der er sein berühmtes Revolutionskonzept vorliest. Danach legten die anwesenden Gäste, darunter das kubanische Politbüro, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sowie die ehemaligen brasilianischen Regierungschefs Dilma Rousseff und Lula da Silva, eine Blume auf das Grab. Die Beisetzung dauerte nicht einmal eine halbe Stunde. Wenige Stunden später war das Grab öffentlich zugänglich, draußen wartete bereits eine lange Schlange.

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Fidel Castros Grab auf dem Cementerio Santa Ifigenia in Santiago de Cuba (Quelle: Cubadebate)

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Warten auf Einlass vor dem Friedhof Santa Ifigenia am Sonntag (Quelle: Cubadebate)

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Fidels Grab ist nun öffentlich zugänglich (Quelle: Cubadebate)

Raúl Castros Rede auf der Trauerfeier am 3. Dezember 2016 in Santiago de Cuba

Beerdigung Fidel Castros am 4. Dezember 2016 im Cementerio Santa Ifigenia

Raúl Castro gratuliert Trump zum Wahlsieg – und kündigt Verteidigungsübung an

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Zum ersten Mal seit drei Jahren findet in Kuba wieder die nationale Verteidigungsübung „Bastíon“ statt (Quelle: Sputniknews)

Kubas Präsident Raúl Castro schickte am Mittwoch ein Glückwunschtelegramm an den „gewählten Präsidenten Trump“, wie die kubanische Tageszeitung „Granma“ meldete. „Anlässlich Ihrer Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, übermittle ich Ihnen Glückwünsche“, heißt es in Castros Nachricht an den Republikaner. Damit reiht sich der kubanische Präsident in eine lange Liste von Staatsoberhäuptern ein, die dem umstrittenen Kandidaten zu seinem überraschenden Sieg gratulierten.

Ebenfalls am Mittwoch kündigte Kuba das Abhalten seiner regelmäßigen Verteidigungsübung „Bastíon“ an. Die Übung wird vom 16. bis zum 18. November mit Ausnahme der von Hurrikan Matthew verwüsteten Provinz Guantánamo landesweit stattfinden, und soll die Armee und die Bevölkerung auf „die verschiedenen Aktionen des Feindes“ vorbereiten. Die Übung ist Teil des kubanischen Verteidigungssystems des „Kriegs des gesamten Volkes“ und wird voraussichtlich wieder Millionen von Menschen mobilisieren. Direkt im Anschluss finden am 19. und 20. die nationalen Verteidigungstage statt, bei der Truppen von Innenministerium und den Streitkräften gemeinsame Militärmanöver durchführen werden.

Die erste Ausgabe der „Bastíon“-Übung wurde im Jahr 1980 direkt nach der Wahl von Ronald Reagan zum US-Präsidenten abgehalten. Zuletzt fand die Übung im Jahr 2013 statt. Mit dem Glückwunschschreiben und der angekündigten Verteidigungsübung sendet Havanna gemischte Signale nach Washington. Trump war mit Sicherheit nicht der Wunschkandidat der kubanischen Regierung, kündigte er doch bereits an, die bisherigen Lockerungen der Wirtschaftsblockade zumindest teilweise zurückzunehmen und mehr Forderungen an die kubanische Seite zu stellen. Clinton hingegen stand für Kontinuität zum von Präsident Obama begonnenen Kurs der Entspannung.

Dennoch weiß man auch in Havanna: Was für ein Präsident Donald Trump wirklich sein wird, ist vollkommen unklar. Trump selbst schlug nach seiner Wahl versöhnlichere Töne an und kündigte an, mit allen Regierungen zusammenarbeiten zu wollen. Havanna will sich offenbar alle Gesprächskanäle offen halten aber trotzdem ein Signal nach Washington senden. Ganz nach dem Motto: „Das beste hoffen, auf das schlimmste vorbereitet sein.“

Hurrikan Matthew: Raúl Castro besucht betroffene Gebiete, Regierung kündigt Hilfsprogramm an

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Raúl Castro am Montag, den 10. Oktober in der schwer verwüsteten Gemeinde Maisí (Quelle: Granma)

Rund eine Woche nachdem Hurrikan Matthew in der kubanischen Provinz Guantánamo schwere Schäden hinterlassen hat, sind die Aufbauarbeiten in vollem Gange. Am Wochenende startete Präsident Raúl Castro eine mehrtägige Visite in die am schwersten betroffenen Gebiete Baracoa und Maisí. „Es war ein schlimmer Schlag, aber wir werden uns davon erholen“, versicherte Kubas Präsident am Montag den Anwohnern der stark verwüsteten Gemeinde Maisí.

Strom für alle in einem Monat

Castros Visite begann vergangenen Samstag in Baracoa, wo er an einer Sitzung des kommunalen Verteidigungsrates teilnahm um die Schäden zu evaluieren. Nach ersten Berichten sind in Baracoa über 9.000 Wohngebäude beschädigt oder zerstört worden, was etwa 70 Prozent des Bestands betrifft. Über 90 Prozent der Strommasten und Transformatoren wurden als irreparabel beschädigt gemeldet.

Die Schäden in der Landwirtschaft werden für die Gemeinde Baracoa auf 35 Millionen US$ geschätzt. In der Gegend um Baracoa befindet sich der größte Teil der Kaffee- und Kakaoplantagen des Landes. Über 3.365 Hektar der Kakao-Anbaubauflächen wurden schwer beschädigt. Die Kaffee-Ernte für dieses Jahr wird sich wohl auf lediglich 11 Tonnen belaufen, die in den vergangenen Tagen vom Boden eingesammelt wurden. Der Hurrikan hatte alle Pflanzen verwüstet.

Der Wiederaufbau ist indes in vollem Gange. Seit Freitag ist die Stadt wieder auf dem Landweg erreichbar, auch wenn die Straßenschäden längst nicht behoben sind. Nachdem Festnetz und Mobilfunk wieder funktionieren, wird derzeit an der Wiederherstellung der Stromversorgung gearbeitet. Mehr als 100 Hilfsbrigaden aus den westlichen Landesteilen und Nachbarprovinzen sind derzeit im Einsatz. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft UNE rechnet damit, dass es mindestens 15 Tage dauern wird, um die Stadt selbst wieder zu erleuchten – und 30 Tage, bis auch in jedem der umliegenden Dörfer wieder das Licht brennt.

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Raúl Castro (vorne) zusammen mit General Ramón Espinosa Martín vor der zerstörten Brücke am Río Toa (Quelle: Cubadebate)

Castro besuchte ebenfalls die Überreste der einstigen Brücke über den Río Toa, deren Straße in die angrenzende Provinz Holguín führt. Die wichtige Verbindungsstraße Moa-Baracoa ist ohne die Brücke unterbrochen. Die kleineren Ortschaften in der Umgebung konnten bisher erst nach und nach von den Rettungskräften erreicht werden. Die einst 200 Meter lange Brücke zählte neben der ebenfalls beschädigten Paßstraße „La Farola“ zu den sieben Wundern der kubanischen Ingenieurskunst und ist eine wichtige Verbindungsader im Ostzipfel der Insel. „Wir werden all diese Schäden beseitigen müssen“, sagte Castro in einem Bericht des kubanischen Staatsfernsehens.

In Maisí traf Castro ebenfalls auf Anwohner, die ihn mit „Viva Fidel!“ und „Viva la Revolucíon!“ rufen begrüßten. Viele der Bewohner lobten die schnelle Katastrophenhilfe, obwohl hier rund 90 Prozent der gut 12.000 Häuser stark betroffen sind und viele Basisdienstleistungen noch immer nicht wiederhergestellt sind. „Ich beglückwünsche euch, weil ihr tapfer, gefasst und sehr revolutionär seid. Ich bin stolz auf die Kubanerinnen und Kubaner im ganzen Land, aber vor allem auf euch, weil ihre eine sehr schwere Prüfung bestehen musstet“, sagte Castro den Anwohnern.

Dass offenbar nicht jeder dieser Prüfung gewachsen ist, zeigt ein Fall aus Guantánamo, wo letzte Woche zwei Männer wegen „Spekulation, Hortung und Taschendiebstahl“ verurteilt wurden. Die Männer hätten versucht, sich an der schwierigen Situation nach dem Sturm zu bereichern. Einer der beiden stahl einer kubanischen Bürgerin offenbar in einem Laden das Mobiltelefon, er wurde mit 6 Jahren Freiheitsentzug bestraft. Die lokalen Behörden riefen in den vergangenen Tagen immer wieder zu diszipliniertem Verhalten auf.

Kredite für den Wiederaufbau

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Einkaufen unter freiem Himmel – Maisí wenige Tage nach dem Sturm (Quelle: Cubadebate)

Castros Besuche im Oriente wurden von den staatlichen Medien genau verfolgt. Einen Tag vor dem Besuch in Baracoa kündigte die Regierung ein Hilfsprogramm an, um die Bewohner beim Wiederaufbau zu unterstützen. So werden die Kosten für Baumaterialien für betroffene Einwohner ab sofort zu 50 Prozent vom Staatshaushalt übernommen. Für den restlichen Anteil gibt es günstige Kredite mit langer Laufzeit und  niedrigem Zinssatz.

Falls ihr Einkommen nicht für einen Kredit ausreicht, können betroffene Personen einen Antrag beim kommunalen Verteidigungsrat stellen, der gegebenenfalls weitere Ermäßigungen gewähren kann. Der Verkauf der Baumaterialien soll bereits begonnen haben. Diese Maßnahmen sind indes nichts neues, bereits 2012 wurden Baumaterialien zu den selben Konditionen verkauft, als Hurrikan Sandy die Metropole Santiago verwüstete. Damals waren knapp 180.000 Häuser beschädigt oder zerstört worden.

Auch für die Reparatur von beschädigten Küchengeräten soll gesorgt werden. Reiskocher, Kühlschränke und Herdplatten würden bei Bedarf ausgetauscht, erklärte eine Funktionärin der technischen Dienste gegenüber der Lokalzeitung „Venceremos„. Die zuständigen Reparaturwerkstätten konnten in Baracoa, San Antonio del Sur und Imías wieder in Betrieb genommen werden. Man verfüge über eine materielle Reserve für Katastrophenfälle. Das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit wird zudem Kredite zur Deckung der Reparatur- und Austauschkosten ausgeben.

Ankunft der ersten Lieferung mit Baumaterialien in Baracoa (Quelle: Cubadebate)

Hurrikan Matthew zog vergangenen Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern über Ostkuba hinweg. Am schwersten betroffen sind die Städte Maisí, Baracoa, Imías, Yateras und San Antonio del Sur. In Moa und Santiago de Cuba kam es zu kleineren Schäden. Der Bus- und Zugverkehr konnte indes im gesamten Oriente wieder aufgenommen werden. Trotz der schweren Verwüstungen und noch unbezifferten Sachschäden wurden keine menschlichen Verluste gemeldet.

Obwohl Kuba selbst bereits eine Medizinerteam in das von Matthew noch weitaus schlimmer betroffene Haiti entsandt hat, sind nach jüngsten Meldungen auch in Kuba erste internationale Hilfslieferungen angekommen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schickte Reis-, Bohnen- und Sojarationen für 180.000 Menschen. Als erster Staat beteiligte sich Venezuela am Wiederaufbau. Die Regierung Maduro schickte vor kurzem mehrere Schiffe mit Baugeräten nach Kuba.

Kuba wird von der internationalen Gemeinschaft für seinen vorbildlichen Katastrophenschutz immer wieder als beispielhaft für andere Entwicklungsländer hervorgehoben. Vor wenigen Tagen lobte die UNO-Vertreterin Myrta Kauland die Evakuierungen der Regierung im Vorfeld des Sturms sowie die umfassende Berichterstattung der kubanischen Medien.

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Erstversorgung aus der Luft in der Provinz Guantánamo, wenige Tage nach Matthew (Quelle: Venceremos)