Aktuelle Trends

trendsHier werden aktuelle Entwicklungen und Trends zusammengefasst
(Stand: November 2016)

Globale Indikatoren

2012 2013 2014 2015 2016
BIP (in Mrd. US$) 73,1 77,2 80,7 83,5 83 (Prognose)
BIP-Wachstum 3,7 % 2,7 % 1,3 % 4,3 % 2,0 % (Plan)
Investitionen
(% zum Vorjahr)
6,0 12,9 8,9 24,9 17 (Plan)
Arbeitsproduktivität
(% zum Vorjahr)
10,5 2,1 5,3 7,9
Sozialausgaben
(% des BIP)
27,8 26,0 27,9 28,3

Hinweise zu den Indikatoren weiter unten: Die Arbeitsproduktivität errechnet sich aus BIP je Erwerbstätigen, zu laufenden Preisen. Der Produktivitätsindex gibt das Verhältnis des jeweiligen Sektors zur Durchschnittsproduktivität (1,0) des Landes an. Der Investitionsindikator bezieht sich in % auf die Gesamtinvestitionen des Landes im jeweiligen Jahr.

Sektoren
(nach Anteil am BIP)

Dienstleistung

Der Export von medizinischen und anderen Dienstleistungen an Drittländer ist seit Mitte der 2000er Jahre Kubas wichtigste Devisenquelle. Derzeit arbeiten etwa 50.000 kubanische Mediziner in über 60 Ländern, darunter etwa 30.000 in Venezuela. Neu hinzugekommen sind seit dem Jahr 2015 rund 11.400 Ärzte, die in Brasilien tätig sind. In Zukunft soll die Kooperation mit afrikanischen und arabischen Ländern in diesem Sektor verstärkt werden. Die angespannte Situation in Venezuela macht eine Zukunftsprognose dieses wichtigen Sektors allerdings schwierig. Die Dienstleistungsexporte teilten sich 2012 wie folgt auf: 50,9 % medizinische Dienstleistungen, 20,7 % Tourismussektor und 28,5 % andere Dienstleistungen (darunter Industrie).

Tendenz:

2011 2012 2013 2014 2015
Einnahmen (in Mrd. US$) 8,26 8,61 9,16 9,17 10,67
Veränderung zum Vorjahr -6,6 % 4,2 % 6,4 % 0,1 % 16,4 %
% der Staatseinnahmen 18,3 17,6 19,5 19,4 21,3

Die Angaben berechnen sich aus dem Gesamtexport nach ONE 5.3 abzüglich des reinen Warenexports nach ONE 8.5.

Tourismus

Nach dem Dienstleistungsexport ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle für Kuba. Im vergangenen Jahr zählte Kuba 3,52 Millionen Besucher, 17,3% mehr als 2014. Die Gesamteinnahmen aus dem Tourismus beliefen sich 2015 auf 2,8 Mrd. US$ (5,6 % der Staatseinnahmen). Seit der Wiederannäherung zwischen Kuba und den USA erlebt das Land einen regelrechten Tourismusboom, bis Juni 2016 zählte Kuba knapp 12 Prozent mehr Touristen als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die erleichterten Reisebestimmungen für US-Bürger könnten in den kommenden Jahren zu einem kräftigen Wachstum des Sektors beitragen, es wird mit 2 Mio. zusätzlichen Touristen und Mehreinnahmen von bis zu 100 Mio US$ pro Jahr gerechnet. Bis zum Jahr 2017 soll die Anzahl der Betten auf 47.000 verdoppelt werden.

Tendenz:

2011 2012 2013 2014 2015
Anzahl der Besucher (in Mio.) 2,72 2,84 2,85 3,00 3,52
Veränderung zum Vorjahr 7,3 % 4,5 % 0,5 % 5,3 % 17,3 %
Bruttoeinnahmen (in Mrd. US$) 2,50 2,61 2,61 2,55 2,82
Einnahmen pro Tourist (US$) 922 920 916 850 801
Besucherstatistik 2014 (Januar bis Dezember)

Anzahl der Besucher nach Monaten, 2013 bis Juni 2016 (Quelle: ONE).


Bergbau / Nickel

Nickel ist Kubas wichtigstes Exportgut. Im Jahr 2008 produzierte das Land noch über 84.000 Tonnen des seltenen Metalls, damals machten die Nickelexporte knapp 40% aller Exportgüter aus. Durch fallende Weltmarktpreise befindet sich der Sektor seit Mitte 2014 in der Krise. Seitdem gehen sowohl die Produktion als auch die Einnahmen deutlich zurück. Die Wartung und Erweiterung der bestehenden Anlagen scheint derzeit pausiert, die Produktionskosten des Minerals liegen noch über dem Weltmarktpreis. Kuba verfügt über rund ein Fünftel der weltweiten Nickelvorkommen, die durch zwei Minen in der östlichen Provinz Holguín erschlossen sind:

  • „Pedro Soto Alba“: Seit 1994 Joint-Venture mit dem kanadischen Konzern „Sherritt Inc.“, jährliche Kapazität von 38.000 Tonnen bei Produktionskosten von 5.000 bis 7.000 US$ pro Tonne.
  • „Ernesto Che Guevara“: Wurde 1986 mit sowjetischer Technologie errichtet, jährliche Kapazität liegt bei 30.000 Tonnen bei Produktionskosten von 12.000 US$ pro Tonne. Wird derzeit überholt, mit dem Ziel um 20 Prozent günstiger produzieren zu können.

Tendenz:

2011 2012 2013 2014 2015
Nickelproduktion (in Tonnen) 67.900 60.053 47.489 44.538
Exporte (in Mrd. US$) 1,42 1,01 0,71 0,74 0,52
Veränderung zum Vorjahr 23,3 % -28,7 % -29,7% 4,2 % -29,7%
Produktivitätsindex 0,99 0,81 0,78
Investitionen (in %) 7,8 4,9 4,0

Zucker

Der kubanische Zuckersektor befindet sich seit Jahren in einer akuten Krise: mangelnde Organisation, Unterkapitalisierung und schlechte Witterungsbedingungen machen der einst stolzen Industrie noch immer zu schaffen, die in den 1980er Jahren mit Produktionsziffern von über 8 Millionen Tonnen aufwarten konnte.
Trotz Auflösung des staatlichen Zuckerministeriums und Gründung der Holding „Azcuba“ im Jahr 2011 konnten die Ernten nur langsam wieder gesteigert werden. Seit 2012 wird die Zuckermühle „5. September“ in Cienfuegos von der brasilianischen Firma Odebrecht verwaltet, sieben weitere Mühlen stehen derzeit als Investitionsobjekte ausgeschrieben. Aufgrund von Ernteausfällen durch Regengüsse konnte das geplante Ziel von 1,8 Millionen Tonnen für die Saison 2013/14 nicht erreicht werden. Das Ergebnis betrug 1,67 Millionen Tonnen, eine Steigerung von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.  2014 waren 650.000 Kubaner sind in der Zuckerindustrie beschäftigt, 12,8 Prozent aller Erwerbstätigen.

Tendenz:

2010/11 2011/12 2012/13 2013/14
Zuckerernte (in Mio. Tonnen) 1,20 1,39 1,60 1,67
Veränderung zum Vorjahr 2,7 % 15,8 % 15,1 % 4,2 %
Produktion (1989 = 100) 16,0 20,0 20,9
Investitionen (in %) 2,0 2,9 3,3
Exporte (in Mio. US$) 376,2 476,6 463,0

Industrie

Die kubanische Industrie kommt vor allem für die Herstellung von Nahrungsmitteln, Baumaterialien und die weiterverarbeitung von Rohstoffen auf, aber auch Hightech-Branchen wie die Herstellung medizinischer Güter sind Teil der Produktpalette. Die Industrieproduktion erlebte durch die Sonderperiode einen jähen Einbruch, der bis heute trotz kontinuierlicher Erholung nicht vollständig ausgestanden ist. Größtes Problem ist die Ineffizienz und Unterkapitalisierung der staatlichen Betriebe. Die aktuell laufende Unternehmensreform will mit mehr Dezentralisierung und neuen Anreizsystemen zu einer Modernisierung der Wirtschaft beitragen, doch bis Ende 2014 zeichnete sich noch keine Erholung der kubanischen Industrie ab.
Tendenz:

2010 2011 2012 2013
Produktion (1989 = 100) 43,6 46,9 48,2 54,6
– ohne Zuckerindustrie 49,6 53,4 53,3 61,9
Beschäftigte
(in % aller Erwerbstätigen)
9,8 10,1 12,4 9,5
Anteil am BIP (in %) 21,5 20,8 21,2 21,7
Produktivitätsindex 1,53 1,47 1,24
Investitionen (in %) 7,5 7,6 6,6 5,4

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft gilt als das Rückgrad der kubanischen Wirtschaft. Sie durchlitt in den 1990er Jahren eine schwere Krise, die durch akuten Mangel an Düngemittel und Treibstoffen geprägt war. In der Folgezeit wurden staatliche Farmen an Kooperativen verpachtet und auf nachhaltige Anbaumethoden umgestellt. Dennoch ist die Produktion ungenügend und die Arbeitsproduktivität niedrig. Kuba muss heute etwa 60% seiner Lebensmittel importieren, wobei ebenfalls 60% der Importe im Land selbst produziert werden könnten. Von den 6,3 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden lediglich 2,6 Millionen kultiviert. Trotz der tendenziellen Erholung in den letzten Jahren, sind die Resultate in diesem Sektor durchwachsen. In den kommenden Jahren sollen ausländische Investitionen dazu beitragen, die Landwirtschaft wieder auf die Beine zu stellen, um von teuren Lebensmittelimporten Abschied nehmen zu können.

Im 1. Quartal 2014 konnte die kubanische Landwirtschaft um 18,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zulegen. Die Viehwirtschaft wuchs um 11,3 und die restliche Landwirtschaft (außer Zuckersektor) um 23,8 %. Hohe Zuwachsraten gab es insbesondere beim Anbau von Mais (+128 %) und Gemüse (+24 %) sowie bei der Schwein- (+17 %) und Geflügelzucht (+45 %).

Seit dem 1. Juni 2015 bezahlt die staatliche Abnahmegeselschaft Acopio höhere Ankaufpreise für landwirtschaftliche Produkte. Ziel ist es, die Produktion anzukurbeln um die Endkundenpreise auf dem freien Markt zu senken. Der Staat zahlt seitdem bis zu 200 Prozent mehr für bestimmte Produkte wie Reis, Kaffee, Milch, Fleisch und Kakao.

Tendenz:

2010 2011 2012 2013
Produktionsvolumen
(in % zum Vorjahr)
-4,2 8,7 -1,3 6,6
– allein Viehwirtschaft 0,6 6,0 -4,3 7,4
Beschäftigte
(in % aller Erwerbstätigen)
18,5 19,7 19,3 18,6
Anteil am BIP (in %) 3,6 3,7 3,6 3,6
Produktivitätsindex 0,19 0,18 0,19
Investitionen (in %) 6,9 6,7 6,7 8,0
Lebensmittelimporte (in Mrd. US$) 1,47 1,86 1,64